Freisen realisierbar, Theley nicht

Freisen realisierbar, Theley nicht

Das saarländische Bildungsministerium hält eine eigenständige gymnasiale Oberstufe an der Gemeinschaftsschule in Freisen für realisierbar, an der Gemeinschaftsschule Theley wegen zu geringer Übergangszahlen in die Oberstufe aber nicht. Während sich die SPD im Landkreis für den Ausbau in Freisen ausspricht, setzt die CDU-Fraktion jetzt auf so genannte kooperierende Oberstufen.

An zwei von fünf Gemeinschaftsschulen im St. Wendeler Land können derzeit Schüler vor Ort das Abitur machen, an den ehemaligen Gesamtschulen in Marpingen und Türkismühle. Diese Möglichkeit wollen auch die Gemeinschaftsschulen in Freisen und Theley ihren Schülern bieten. Den Antrag der beiden Schulkonferenzen hat der Landkreis an das Bildungsministerium weitergeleitet, mit dem Hinweis, dass der Kreis dieses Vorhaben unterstützt. Aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit und Chancengleichheit der Gemeinschaftsschulen .

Das Bildungsministerium hält die Einrichtung einer eigenen Oberstufe an der Gemeinschaftsschule Freisen für realisierbar. So steht es in einem Brief des Bildungsministers Ulrich Commerçon an St. Wendels Landrat Udo Recktenwald . Die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe in Theley erweise sich wegen zu geringer Übergangszahlen als nicht umsetzbar, schreibt der Minister. Das hätten Gespräche zwischen den Vertretern des Landkreises und des Ministeriums ergeben. Voraussetzung für die Oberstufe in Freisen sei aber die Bereitschaft des Landkreises, die Schule zu erweitern.

Diese Voraussetzung betont auch der St. Wendeler SPD-Kreisvorsitzende Magnus Jung . Schon jetzt sei ein erheblicher Investitionsstau aufgelaufen, denn die baulichen Bedingungen hätten mit dem Wachstum der Schülerzahlen in Freisen nicht mitgehalten, schreibt Jung in einer Pressemitteilung. Allein um die Schule für die jetzt vorhandenen Schüler ordnungsgemäß zu gestalten, seien deutlich mehr als eine Million Euro notwendig, so Jung. Für die Oberstufe müsse ein Neubau her, der ebenfalls mit einem Millionenaufwand verbunden sei. Hierfür müsse der Landkreis als Sachkostenträger auch seine Bereitschaft bekunden, die erforderlichen Investitionen zu tätigen. Die SPD sei bereit, dafür nach Lösungen zu suchen. Magnus Jung wörtlich: "Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Jetzt ist es am Landkreis, die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen."

Gleiche Möglichkeiten

Die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe nur in Freisen und nicht auch in Theley lehnt die CDU-Fraktion im Kreistag ab: "Uns war immer die Gleichbehandlung der Gemeinschaftsschulen wichtig. Wir wollten, dass Freisen und Theley die gleichen Möglichkeiten anbieten können wie Marpingen und Türkismühle, die schon seit einigen Jahren über eigenständige Oberstufen verfügen", so CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Spaniol in einer Presseerklärung. Und weiter: "Diese Gleichbehandlung war für uns Grundvoraussetzung unseres Bestrebens, um die Schullandschaft im Kreis gleichmäßig attraktiv zu gestalten." So hätten CDU und Landrat die Forderungen aus den Gemeinden Freisen und Tholey nach eigenständigen Oberstufen nach Kräften unterstützt. Im Kreishaushalt seien notwendige Investitionsmittel für den Einstieg in die Oberstufen eingeplant worden.

Mit der Ablehnung des Ministers für eine Oberstufe in Theley sei die Gleichbehandlung von Theley und Freisen in der Frage eigenständiger Oberstufen nicht mehr möglich, argumentiert Spaniol: "Eine einseitige Genehmigung für Freisen hätte neben Baukosten in Höhe von insgesamt mehr als fünf Millionen Euro auch weitere schwere Verwerfungen in der Schulstruktur zur Folge. Von vier halbtägigen Gemeinschaftsschulen (St. Wendel ist Ganztagsschule) hätte nämlich dann nur Theley keine eigene Oberstufe. Auch die Gemeinschaftsschule St. Wendel und das Oberstufengymnasium in St. Wendel würden unter einer solchen einseitigen Maßnahme leiden."

Die CDU-Fraktion spricht sich deshalb für die Einrichtung von kooperierenden Oberstufen an den Gemeinschaftsschulen Freisen, Theley und St. Wendel aus. Das bedeutet, dass an Schulen Oberstufen eingerichtet werden, die Klassenstufe 11 vor Ort unterrichtet werden, die Klassenstufen 12 und 13 in Zusammenarbeit mit einer schon bestehenden Oberstufe (siehe Hintergrund).

Mit dem Thema der gymnasialen Oberstufen befasst sich der Kreistag in seiner Sitzung am Montag, 14. Dezember. Diese beginnt um 16.30 Uhr im großen Sitzungssaal des Landratsamtes.

Die Einrichtung kooperierender Oberstufen hält Jochen Schumacher, Elternvertreter an der Gemeinschaftsschule Freisen, für einen faulen Kompromiss. Er hat sich in einer E-Mail unter anderem an Landrat Udo Recktenwald und die Kreistagsmitglieder gewandt. Darin schreibt er: "Wenn Sie, geehrte Mitglieder des Kreistages, diesem Kompromiss zustimmen, berauben Sie den Landkreis der Möglichkeit, mit einer der nachgewiesen besten Schulen Deutschlands ein bundesweit deutliches Leuchtturmprojekt umzusetzen."

Eine kooperierende Oberstufe hat nach seiner Ansicht mit einer Gleichberechtigung der Gemeinschaftsschulen nichts zu tun. Die Eltern hätten sich bewusst für die Gemeinschaftsschule Freisen wegen des Konzeptes der Schule entschieden. Sie seien überzeugt, dass der Freisener Weg der bessere sei. Und zu Ende sei dieser mit dem Abitur am Standort Freisen. Klassenstufen 11 seien heute schon an den Gemeinschaftsschulen des Kreises möglich, würden allerdings von den Schülern nicht genutzt, da dies die Vorbereitungsstufe auf die Abschlussklassen sei.

Wenn die Schüler nach Klassenstufe 11 die Schule verlassen müssten, wechselten sie an Schulen, deren Klassenverbände bereits ein Jahr lang bestehen, argumentiert der Elternvertreter: "Sie kennen ihre Mitschüler und Lehrpersonen nicht und sagen sich: Dann kann ich ja gleich nach Klasse 10 die Schule verlassen und beginne wie alle anderen Mitschüler noch einmal gemeinsam von vorne."

Zum Thema:

HintergrundDas Modell der kooperierenden Oberstufen soll laut CDU-Fraktionssprecher Stefan Spaniol so aussehen: "In Freisen und Theley werden neue Oberstufen beheimatet sein, die Unterrichtung in Klassenstufe 11 wird auf jeden Fall vor Ort erfolgen und die Klassenstufen 12 und 13 werden jeweils im Verbund mit einer noch zu bestimmenden schon bestehenden Oberstufe erfolgen." Dies könne zum Beispiel das Oberstufengymnasium am BBZ in St. Wendel sein. Dabei könnten Kurse durchaus auch in 12 und 13 an der jeweiligen Mutterschule erfolgen, so Spaniol: "Die neuen Oberstufen in Freisen und Theley hätten dann noch den Vorteil, dass man bei Kooperation mit dem Oberstufengymnasium das allgemeinbildende Abitur in einem beruflichen Fach absolvieren könnte." Die Gemeinschaftsschule St. Wendel habe eine solche Kooperation bereits beantragt. vf