1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. St. Wendel

Die Zweitliga-Volleyballer des TV Bliesen spielen gegen Kriftel

Volleyball : Das „Alles-oder nichts-Spiel“ für Bliesen

Die Zweitliga-Volleyballer des TV Bliesen stehen vor dem wohl wichtigsten Spiel der Saison: An diesem Samstag braucht der Abstiegskandidat beim Tabellenzehnten Kriftel dringend Punkte. David Hancock ist optimistisch.

In der Heimat des Amerikaners David Hancock würde man das Spiel wohl als „Do-or-die-Game“ bezeichnen. Als „Alles-oder-nichts-Spiel“. Hancock tritt mit den Zweitliga-Volleyballern des TV Bliesen an diesem Samstag, 18 Uhr, beim TuS Kriftel an. „Ja, das ist ein Spiel, das wir gewinnen müssen – und wo wir auch erwarten, dass wir es gewinnen“, erklärt der zwei Meter große Mittelblocker, der zu den absoluten Leistungsträgern seines Clubs gehört.

Die Ausgangslage vor der Reise nach Hessen: Bliesen liegt vier Spiele vor dem Saison-Ende vier Punkte hinter der TGM Mainz-Gonsenheim, die auf dem ersten Nichtabstiegsplatz steht. Um den Rückstand noch aufzuholen, sollte das Team von Trainer Burkhard Disch noch mindestens zwei Begegnungen gewinnen. Kriftel ist dabei als Tabellenzehnter von der Papierform her der Gegner, der als am ehesten schlagbar erscheint. Gegen die Hessen war Bliesen zudem im Hinspiel erfolgreich (3:2).

Davon, dass der TV auch das Rückspiel zu seinen Gunsten entscheiden kann, ist  Hancock überzeugt. „Obwohl wir die letzten zwei Spiele gegen Spitzenteams verloren haben, hatten wir da viele gute Momente. Das macht mich optimistisch, dass wir Kriftel schlagen können.“

Hancock, normalerweise Mittelblocker, überzeugte in jüngsten Begegnungen – und zuvor beim 3:1-Sieg gegen Schlusslicht Volley YoungStars Friedrichshafen – in einer neuen Rolle. Um die Annahme zu stärken, beorderte Trainer Disch den Amerikaner auf die Diagonal-Position. „Das gefällt mir gut, da ich da dem Team im Moment am meisten helfen kann. In der Defensive war die Umstellung für mich nicht so schwer. Nur im Angriff musste ich ein wenig am Timing feilen“, erklärt der aus Chicago stammende Volleyballer.

Im Gegensatz zu vielen ausländischen Spielern, die oft nur eine Saison bleiben, ist Hancock schon in seiner zweiten Spielzeit beim TV. Nachdem er in der Runde 19/20 mit Bliesen den Aufstieg in die 2. Liga erreichte, entschied sich der 25-Jährige, noch eine weitere Saison dranzuhängen.

Doch das Jahr entwickelte sich anders als erhofft. Als Hancock im Sommer 2020 aus den USA ins Saarland zurückkehrte, war die Corona-Pandemie, die den Spiel- und Trainingsbetrieb in den vergangenen Monaten extrem erschwerte (wir berichteten) aufgrund geringer Infektionszahlen gerade kein großes Thema. Das änderte sich dann aber kurz vor Saisonbeginn. „Ich hatte erwartet, dass uns die Pandemie noch einmal beschäftigt, aber ich hatte geglaubt, dass es etwas reibungsloser läuft“, gesteht der 25-Jährige.

Doch reibungslos lief wegen Corona wenig – und so liegen harte Monate hinter dem Amerikaner in Deutschland. „Wir konnten nicht im Fitness-Studio trainieren, wir konnten keine Trips mit den Teamkollegen machen, um mehr von Deutschland zu sehen, und wir konnten noch nicht mal im Café etwas trinken“, bedauert der 25-Jährige.

„Nur in der Mietwohnung sitzen zu können, war manchmal schon hart“, gibt Hancock zu. Immerhin hatte er die Möglichkeit, über Weihnachten für sieben Tage nach Nordamerika zurückzukehren, um seine Familie zu sehen.

Komplett in die USA zurückkehren, möchte der 25-Jährige nach dieser Saison nicht. Die Chancen, dass Hancock in Bliesen bleibt, sind aber dennoch eher gering. „Ich bin dem Verein sehr dankbar, da er mir die Möglichkeit gegeben hat, im professionellen Volleyball meine ersten Schritte zu machen“, sagt der Amerikaner. Trotzdem deutet vieles darauf hin, dass der 25-Jährige den Club verlässt. „Ich würde gerne in einer höheren Liga professionell spielen“, verrät der Leistungsträger. „Eine endgültige Entscheidung habe ich aber noch nicht getroffen, das werde ich nach der Saison tun.“

Am liebsten wäre dem großgewachsenen Mittelblocker ein Engagement in der ersten Liga in Deutschland. „Ich mag das Land und die Leute hier. Zudem verstehe ich mittlerweile zumindest die Volleyball-Fachsprache auf Deutsch“, berichtet Hancock lachend. „Dazu ist die erste Liga hier sehr stark. Ich verfolge aktuell die Partien der Play-Offs immer im Fernsehen.“

Aktuell hofft der 25-Jährige noch auf entsprechende Angebote. „Wegen der Corona-Pandemie ist das aber aktuell schwierig. Die Clubs sind in ihren Planungen noch nicht so weit, oder sie setzen auf Spieler, die von nicht so weit weg kommen.“

Sollte Hancock nach der Runde tatsächlich gehen, würde er sich aber in jedem Fall gerne mit dem Ligaverbleib verabschieden. „Das wäre wirklich großartig, wenn uns das gelingen würde“, hofft Bliesens Leistungsträger.