Noch einmal gut gegangen

Im Ernstfall muss alles schnell gehen. Am Samstag haben Einsatztaucher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und die Feuerwehr Oberthal-Gronig trainiert, einen Menschen aus dem Eis zu retten.

15,5 Zentimeter dick ist Eisschicht des Bostalsees an einer Stelle unterhalb der Staumauer. Dennoch: Das reicht nicht, zumal die Fläche nicht überall gleich dick ist. Zu instabil, um auch nur einen Fuß gefahrlos darauf setzen zu können. Dennoch: Die Warnung der Verantwortlichen vom Freizeitzentrum, dass Besucher auf keinen Fall Eisflächen oder -schollen auf dem See betreten dürfen, hat ein abenteuerlustiger Mann ignoriert - und bricht prompt ein.

Ein Landschaftsfotograf beobachtet rein zufällig das dramatische Unglück. Sofort alarmiert er Lebensretter. Kurz darauf treffen sie ein, starten eine spektakuläre Rettungsaktion. Sie sind so ausstaffiert, dass sie in die eiskalten Fluten des Bostalsees abtauchen können.

Zwölf Minuten bleiben

Alles eine Übung zwischen Deutscher Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) und Feuerwehr. In Oberthal und Gronig sputen sich die Wehrleute. Gleichzeitig machen sich in Windeseile DLRG-Einsatztaucher aus dem St. Wendeler Land auf den Weg zur Unfallstelle. "Wir haben eine Hilfefrist von zwölf Minuten, dann müssen die Fachkräfte der Hilfsorganisationen vor Ort sein", erklärt DLRG-Einsatzleiter Lars Kühn. Denn wer in Eiswasser einbricht, habe kaum Überlebenschancen, wenn die Helfer nicht schnell genug an Ort und Stelle sind. "Die Gefahr ist riesengroß. Kritisch wird es ab drei Minuten", schildert Kühn.

Und genau deshalb seien solche Übungen so wichtig. Dabei sei das Gespür von Einsatztaucher Bernd Besch gefragt. Er klärt zunächst, wo die Eisfläche am ehesten trägt, um zum Opfer zu gelangen. Vorsichtig robbt er über die Scholle zu Klaus Mühlbeck, der den Verunglückten mimt. Behutsam zieht der Helfer den Unterkühlten aus dem Wasser und bugsiert ihn in einen Rettungsschlitten. Damit so wenig wie möglich kaltes Blut aus den äußeren Körperpartien lebenswichtige innere Organe erreicht, darf der Geborgene nur so wenig wie möglich bewegt werden. Dabei müssen die Helfer aber den Spagat zwischen Vorsicht und Eile hinbekommen. Denn "trotzdem muss man schnell handeln. Jede Zeitverzögerung kann tödlich sein", verdeutlicht Kühn, unter welchem Stress der Einsatztaucher im Erstfall steht.

Dann entspannt sich die Lage: Besch signalisiert seinen Kollegen, dass diese den Geretteten nun ans Ufer ziehen können. Ein Notarzt unterstützt, als der Verletzte auf die Trage kommt. Er behält seine durchnässte Kleidung an, damit er nicht weiter auskühlt. Mit Infusionen wird sein Körper von innen aufgewärmt. "Bis zu einer halben Stunde nach dem Einbruch ins Wasser bestehen noch Reanimationsmöglichkeiten", sagt Kühn.

Nach diesem Einsatz steht ein weiterer an: Taucher trainieren den Einsatz unter Wasser, unter der geschlossenen Eisfläche . Als würden sie nach einem Menschen suchen. Sie sind über eine sogenannte Signalleine gesichert und mit einem Leinenmann an Land verbunden. Bis zu 20 Minuten können die Rettungsschwimmer unter Wasser bleiben. "Getaucht wird in einem Radius von 25 bis 30 Metern, um den See systematisch nach vermissten Personen abzusuchen", erklärt Kühn.

Die Beteiligten setzen darauf, dass sie nicht zu einem ernsten Einsatz gerufen werden, dass alles bei dieser Übung bleibt. Darum warnt auch Kühn eindringlich: Die Eisfläche des Bostalsees sei auch nach lang andauerndem Frost viel zu brüchig, um sie gefahrlos betreten zu können.

Wintersonne pur im St. Wendeler Land: Das lockt viele zu einem Spaziergang ins Freie. So auch einen Mann aus der Gemeinde Nohfelden, der am Samstag gegen 11 Uhr über den Rundweg am Bostalsee schlendert. Unterdessen sind Feuerwehrleute aus Gronig und Oberthal sowie Helfer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) auf dem zugefrorenen See mit einer Übung beschäftigt: Sie trainieren, ein Opfer aus dem Wasser zu ziehen.

Mit diesem Helikopter kommt ein Nohfelder. (76) in eine Völklinger Klinik. Foto: Frank Faber. Foto: Frank Faber

Da passiert ein Ernstfall: Der Spaziergänger nahe der Staumauer bricht zusammen. DLRG-Mitarbeiter bekommen dies mit, sind sofort zur Stelle. Sie leisten Erste Hilfe, holen den 76-Jährigen wieder zurück ins Leben. Kurze Zeit später landet ein Rettungshubschrauber in Ufernähe. Er transportiert den Senior in ein Krankenhaus nach Völklingen, wie die St. Wendeler Zeitung erfährt. Warum der Spaziergänger kollabierte, ist derweil nicht bekannt.