Speiersch Haus ein echtes Kleinod

Speiersch Haus ein echtes Kleinod

Einst war das Speiersch Haus in Alsweiler die Zehntscheune des Ortes. Seit 1978 steht das Haus leer. Wie das Geschichtforum Alsweiler im Zuge einer Untersuchung herausfand, ist das Gebäude von innen ein Kleinod.

Ein alter Torbogen im Erdgeschoss wurde in der Folge mit verbaut.
Fachwerk gibt es im oberen Geschoss.

Das Speiersch Haus in Alsweiler - ist es eine Bruchbude oder ein Kleinod? Zu dieser Frage hat der Verein für Heimatkunde Alsweiler vor acht Jahren eine Untersuchung gestartet, um den baulichen Gehalt und den historischen Wert dieses Gebäudes zu ermitteln. Das Speiersch Haus war früher die Zehntscheune von Alsweiler ("Speicher'sch Haus"), wo die Feldfrüchte und die sonstigen Abgaben an den Abt des Klosters Tholey abgeliefert und gelagert wurden. Später war es ein Privathaus. Seit 1978 stand es nach dem Tod der letzten Bewohnerin leer. Inzwischen ist das Gebäude Eigentum der Gemeinde Marpingen .

Die Untersuchungen sind zwar noch nicht abgeschlossen, allerdings haben sie schon eine große Fülle von Informationen erbracht, sodass ein vorläufiges Urteil möglich ist. Und es lautet: Von außen wirkt das Speiersch Haus zwar heute wie eine Bruchbude, im Inneren aber ist es tatsächlich ein Kleinod. Wie der Architekt Bernd Brill als stellvertretender Vorsitzender des Geschichtsvereins erläutert, lassen einige der freigelegten Bauteile, so ein eigenwilliger Torbogen und ein vorbarockes Doppelfenster, eindeutig erkennen, dass das ursprüngliche Speiersch Haus schon vor dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) erbaut wurde. In den Wirren dieser Katastrophenzeit und in den nachfolgenden Jahrzehnten der Raubkriege Ludwigs XIV. und anderer militärischer Auseinandersetzungen wurde das Gebäude aber offenbar ebenso wie das nahegelegene Hiwwelhaus großenteils zerstört. Der Wiederaufbau des Hiwwelhauses erfolgte im Jahre 1712, das Speiersch Haus wurde 1734 erneut errichtet, wie die Untersuchung eines Balkens ergab.

Die langwierige Freilegung der ursprünglichen Mauern, die vor allem das Vereinsmitglied Joachim Pees vorantrieb, ergab nach den Worten von Bernd Brill "eine sehr dichte Befundlage von unterschiedlichen Bauteilen". Daraus kann geschlossen werden, dass dort, wo heute das Speiersch Haus steht, sich früher mindestens drei verschiedene Häuser befanden und dass Einzelteile dieser Häuser beim Wiederaufbau in das Speiersch Haus integriert wurden. Freie Zwischenflächen wurden offenbar überbaut. Wie das Hiwwelhaus enthält auch das Speiersch Haus noch einen so genannten Haaschd, "eine Schwarzküche" im stark verfärbten Küchenraum mit einem hohen Rauchabzug. Auch ein aus Ziegeln gemauerter Kamin ist vorhanden.

Das Glanzstück im Inneren ist aber, wie Bernd Brill weiter ausführt, der genannte Torbogen, der sich heute in einer Innenwand befindet und dort befremdlich wirkt, früher aber einmal den Abschluss eines Gebäudes markiert haben muss. Später habe man dort auch einen Backofen eingebaut, sagt der Architekt. Ein Glücksfall sei es ferner, dass ein Fenster aus der Aufbauzeit mit barocken Angeln original erhalten sei. Und eine Besonderheit sei schließlich auch der "liegende Dachstuhl", der im Unterschied zum "stehenden Stuhl" im Dachgeschoss besonders viel Raum für die Lagerung von Getreide und anderen Gütern gelassen habe.

Bernd Brill weist auch darauf hin, dass es typologisch viele Gemeinsamkeiten zwischen Speiersch Haus, Hiwwelhaus und dem vor einigen Jahren abgerissenen "Rore Haus" bei der Kirche gebe. Der Verein für Heimatkunde, der kürzlich seinen Namen geändert hat und sich jetzt Geschichtsforum Alsweiler nennt, misst den Ergebnissen der Untersuchung eine hohe Bedeutung bei. Der Vereinsvorsitzende Klaus Brill erklärt, die Befunde seien die perfekte Entsprechung und Ausdruck dessen, was für Alsweiler die schlimmste Katastrophenzeit der Dorfgeschichte darstelle, nämlich das Jahrhundert vom Beginn des Dreißigjährigen Krieges 1618 bis zum Wiederaufbau des Hiwwelhauses 1712. Über mehrere Generationen seien die Menschen damals von Kriegsgreueln, Hungersnöten, Seuchen und Gewalttaten gepeinigt worden, zeitweise hätten sie ihre Dörfer sogar verlassen. Es habe eine unverhältnismäßig große Zahl von Opfern gegeben. "Vor diesem Hintergrund ist das Speiersch Haus ein besonders wichtiger Zeuge einer besonders schlimmen Zeit", sagt Klaus Brill.

Er regte die Gründung einer Projektgruppe von interessierten Bürgern und Kommunalpolitikern an, die eine mögliche Nutzung des Speiersch Hauses untersuchen solle, beispielsweise als Dorfladen, Tagescafé, Vereinsraum oder historisches Restaurant mit saarländischer Hausmannskost beziehungsweise einer Kombination aus solchen Elementen. Eine anderswo mit großem Erfolg praktizierte Möglichkeit sei die Gründung einer Genossenschaft oder einer GmbH & Co KG, an der sich Bürger mit Einlagen ab 200 Euro beteiligen könnten. Von einem finanziellen Engagement der Gemeinde Marpingen als Eigentümer sei nicht auszugehen.

Bürgermeister Werner Laub hat erklärt, aufgrund der allgemeinen Finanznot der Gemeinde Marpingen sei von dieser Seite "Geld nicht zu erwarten, zumindest nicht viel". Man müsse aber die Bürger ansprechen und bei ihnen für das Speiersch Haus werben. Auch Peter Keßler als stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im Marpinger Gemeinderat äußert sich beeindruckt von den Ergebnissen der Untersuchung und den Anregungen für ein weiteres Vorgehen. "Von Seiten der Politik kann man nur eins machen, nämlich die Sache positiv begleiten", sagt er.

Auf Vorschlag von Bürgermeister Laub und Ortsvorsteher Theo Neis verständigte man sich darauf, dass sich als nächstes nun der Ortsrat von Alsweiler mit der Angelegenheit befassen und eine Veranstaltung ansetzen solle, bei der die Ergebnisse einem großen Publikum vorgestellt und die Möglichkeiten einer Erhaltung des Speiersch Hauses breit diskutiert werden könnten. Ortsvorsteher Neis, der an einer Besichtigung des Speiersch Hauses teilgenommen hat, erklärt, er sei von den Untersuchungsergebnissen beeindruckt. "Ich werde mich für den Erhalt dieses historischen Kleinods - in welcher Form auch immer - einsetzen", verspricht er.

Mehr von Saarbrücker Zeitung