Scharfe Kritik an Spitze der Polizei-Fachhochschule

Sicherheit : Scharfe Kritik an Spitze der Polizei-Fachhochschule

Gewerkschaft der Polizei: Kommissaranwärter klagen über massiven Druck und sprechen von Einschüchterung.

Für David Maaß, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), wird der Fachbereich „Polizeivollzugsdienst“ an der Fachhochschule (FH) für Verwaltung im Quierschieder Ortsteil Göttelborn zum „Problemkind“. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass von 124 Kommissaranwärtern im jüngsten Ausbildungsjahrgang 24 das einjährige Grundstudium erst im zweiten Prüfungsanlauf absolvieren konnten. Zehn Nachwuchskräfte schnitten bei den Klausuren so schlecht ab, dass sie die Prüfungen nicht wiederholen durften. Ihnen droht jetzt der Rauswurf. Das Innenministerium will allerdings noch prüfen, ob ihnen möglicherweise noch eine Wiederholungsmöglichkeit eingeräumt werden kann.

Maaß hat jetzt im Gespräch mit Wolfgang Klein, Leiter der Polizeiabteilung im Ministerium, und mit Personalchef Stefan Spaniol, die Spitze des Fachbereichs Polizei an der FH für Verwaltung scharf kritisiert. Er beklagt eine „extrem niedrige Mitarbeiterzufriedenheit“. Studierende und auch Dozenten berichteten demnach in vertraulichen Gesprächen „von einer angespannten Beziehung zur Fachbereichsleitung“. Teilweise würden Polizeistudenten „aus nicht nachvollziehbaren Gründen unter Druck gesetzt und eingeschüchtert“. In Klausuren sei mitunter Stoff geprüft worden, der in einigen Kursen nicht gelehrt worden sei.

Maaß fordert eine „Steigerung der Organisationskultur“ im Fachbereich Polizei an der FH. So sollten mehr Dozenten aus der Polizei rekrutiert werden. Es sei unverständlich, wieso von vier geeigneten Kollegen nur zwei zum Masterstudium an die Führungsakademie nach Münster geschickt werden. Sie könnten nach ihrer Ausbildung 2021 als Lehrkräfte an der FH eingesetzt werden. Als kurzfristige Lösung schlägt Maas vor, pensionierte und erfahrene Beamte als mögliche Fachdozenten zu gewinnen. Maas fordert weiter die Berufung von Fachgruppenleitern und Vertrauensdozenten. Auch das Benotungssystem, für das zwei Listen existieren sollen, müsse transparenter und verbindlicher werden.

Kriminaldirektor Christof Baltes, Leiter des Fachbereiches, war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Katrin Thomas, Sprecherin des Innenministeriums, sagte, den von der GdP vorgebrachten Kritikpunkten werde nachgegangen und die Lösungsvorschläge geprüft.

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