Leidingen will Projekt „GrenzBlickHaus" verwirklichen

Dorfleben : Leidingen träumt vom „GrenzBlickHaus“

Für geschätzte 800 000 Euro soll die alte Schule in Leidingen zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut werden – mit Fördermitteln, hofft man.

Der Leidinger Ortsvorsteher Wolfgang Schmitt (SPD) hat sich mit viel Engagement für ein neues Dorfgemeinschaftshaus in dem deutsch-französischen Grenzort eingesetzt. Jetzt, kündigt Schmitt an, sei der Moment, da es konkret werde. Die alte Schule in Leidingen, etwa 100 Jahre alt, fungiert bis dato als Behelfslösung. Die so genannte Lehrerwohnung der ehemaligen Volksschule war noch bis vor kurzem bewohnt, nun ist sie frei geworden und damit auch der Weg, eine Sanierung des Gebäudes anzugehen - zu einem echten Dorfgemeinschaftshaus für Leidingen.

Nur ist der Beutel der Gemeinde Wallerfangen leer, weshalb man in Leidingen darauf setzt, das Projekt zum überwiegenden Teil aus Fördergeldern zu finanzieren. Wer jedoch an die Fördertöpfe herankommen will, der braucht ein tragfähiges Konzept. Am Mittwochabend konnte Ortsvorsteher Schmitt gemeinsam mit Udo Kern, Gesellschaft für Städteplanung und Kommunikation Kern Plan, eine Machbarkeitsstudie für das Projekt „GrenzBlickHaus“ vorstellen. Über 20 Leidinger kamen, bei einer Einwohnerzahl von 185 kein schlechter Schnitt.

Die Zeit drängt, denn das alte Schulgebäude ist marode, dessen Saal wird im Winter mehr schlecht als recht mit einem alten Holzofen beheizt, es fehlt an vielem. „Es ist kein Luxus, wenn man hier investiert. Umgekehrt, wenn man nichts macht. In fünf Jahren ist das Objekt eine Ruine, dann brauchen wir nicht mehr darüber nachdenken“, meinte Planer Udo Kern.

Nach der Sanierung soll hier ein modernes, barrierefreies Dorfgemeinschaftshaus entstehen. Ein bürgergeführter Treffpunkt und Veranstaltungsort, mit eine Touristen-Info, einer Küche für Veranstaltungen – kurzum eine Europäische Begegnungsstätte. Dabei soll das GrenzBlickHaus vielfältig genutzt werden für Veranstaltungen, Bürgerversammlungen, Wahlen, Bürgersprechstunden, Dorffeiern, grenzüberschreitende Feste, Ausstellungen, von Vereinen, als Archiv und vieles mehr.

„Unsere Aufgabe ist es, gegenüber den potenziellen Geldgebern nachzuweisen, dass das Projekt Sinn macht, dass es nachhaltig ist, dass es gebraucht wird. Es ist auch für die Touristen da und für die Gäste. Es hat einen Mehrwert, wenn wir das machen“, sagte Kern. Dabei hebt Kern besonders auf die aktive Dorfgemeinschaft und die besondere Grenzlage ab – ein Teil des geteilten Dorfes Leidingens liegt jenseits der französischen Grenze. Ein Pfund, mit dem man handeln müsse: „Das hier ist etwas ganz Besonderes“, betont Kern.

Dann nannte er die geschätzten Kosten: etwa 800 000 Euro. Und im Saal wurde es still. Aber, erklärte Kern weiter, er sei fest davon überzeugt, dass das Projekt zu einem hohen Prozentsatz gefördert werde. „Unsere Studie wird schon gefördert über LEADER“, ein europäisches Förderprogramm, das bis zu 65 Prozent der Kosten übernehmen könnte. Das Umweltministerium habe derzeit ein Dorferneuerungsprogramm, das Projekte mit bis zu 90 Prozent bezuschusst. Das Wirtschaftsministerium habe außerdem viel Geld für die touristische Infrastruktur zur Verfügung, um eventuell weitere Kosten zu decken. Auch der Landkreis habe gewisse Mittel zur Verfügung. Nun gelte es, die Fördergeldgeber zu überzeugen.

Dabei zeigten sich sowohl Kern als auch Ortsvorsteher Schmitt sehr zuversichtlich. Schützenhilfe erhielten sie zusätzlich von Barthelemy Lemal, Bürgermeister von Heining les Bouzonville, zu dem auch das französische Leiding gehört,  der das Projekt ebenfalls flammend unterstützte. Er wies auf ähnliche Projekte in Frankreich hin, die bereits über EU-Fördergelder realisiert worden seien. Denn Zweifel bezüglich der Finanzierung kamen aus der Bürgerschaft. Vor allem daran, dass die Gemeinde Mittel für eventuelle Finanzierungslücken bereitstellen könne. Das Projekt selbst erntete viel Lob. „Ich finde das Projekt sehr gut“, sagte ein Leidinger am Schluss und erntete dafür viel Zustimmung aus der Zuhörerschaft, „das Konzept ist lückenlos, kann man sagen.“ Nun gilt es, die Entscheider davon zu überzeugen.

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