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Bürgermeister wehren sich vergebens

Bürgermeister wehren sich vergebens

Nalbach. Bleich und siegessicher steht der Nalbacher Obervampir vor seiner Rathausfestung. Im Nebenjob Bürgermeister hält Patrik Lauer am Fetten Donnerstag die Stellung. "Das lassen wir nie zu", wehrt er sich gegen jeden Gedanken, sein Amtsdomizil zu verlieren. Doch ein paar Straßenecken weiter formiert sich der Widerstand am Hubertusplatz

Prinz Stefan und Prinzessin Saskia (rechts) sind jetzt die Regenten von Wadgassen, nachdem Bürgermeister Braun frühzeitig floh und der Beigeordneter Norman Comteße (3. von rechts) nebst den Ortsvorstehern Harald Kaufmann (2. von links), Albert Wagner (3. von links) und dem stellvertretenden Ortsvorsteher Siegfried Rullang (Mitte) von den Glasspatzen festgesetzt wurden. Foto: Rolf Ruppenthal

Nalbach. Bleich und siegessicher steht der Nalbacher Obervampir vor seiner Rathausfestung. Im Nebenjob Bürgermeister hält Patrik Lauer am Fetten Donnerstag die Stellung. "Das lassen wir nie zu", wehrt er sich gegen jeden Gedanken, sein Amtsdomizil zu verlieren. Doch ein paar Straßenecken weiter formiert sich der Widerstand am Hubertusplatz. Klassen der Grundschule Nalbach nehmen dort Aufstellung, die Sekundarschule, der Elferrat und die Garde Orgateam. Den Angriff aufs Rathaus organisiert der Heimat- und Verkehrsverein Litermont. "Allez Hopp, die Schul es scheen, mir woll'n se endlich ferdich sehn!", rufen Grundschüler über den Rathausplatz. Dann steigt Vampir Lauer aus dem Fenster, kommt per Kran in einer Montagebühne herab. Direkt in die Ketten der Angreifer. Wallerfangen. Nur gut eine halbe Stunde konnte sich Wallerfangens Bürgermeister Wolfgang Wiltz wehren, dann musste er sich der Narrenmacht beugen: In Handschellen wurde er zusammen mit Ortsvorsteher Hans Joachim Lariviere abgeführt. Vor seiner Festnahme hatte sich Wiltz ein erbittertes Wortgefecht mit Ruth Ackermann geliefert. Die Präsidentin des Karnevalsvereins "De Neimerder" hatte dem Bürgermeister vorgeworfen, nichts für seine Gemeinde zu tun. Das Maß war voll, als Wiltz dann verkündete, es sei ja genug Geld aus dem Konjunkturprogramm da, das aber brauche er für seine Gehaltserhöhung und seinen Dienstwagen. In seiner Verzweiflung kündigte Wiltz an, er spendiere allen, die sich mit ihm verbündeten, kostenlos Essen und Trinken. Doch alle Versprechungen halfen nichts, er wurde verhaftet. Ein Gaudiwurm hatte den Sturm eröffnet: 18 private Gruppen, Vereine und befreundete Karnevalsclubs waren vom Sportplatz zum Rathaus gezogen. Bous. Nicht nur eine neue Verwaltungsspitze, sondern gleich ein ganz neues Rathaus bescherten die Narren am Fetten Donnerstag der Gemeinde Bous. Da aus Sicherheits- und Organisationsgründen der Rathaussturm in diesem Jahr erstmals nicht im Rathaus stattfinden konnte, bauten das Männerballett und die Aktivengarde des Bouser Karnevalsvereins Hampitania kurzerhand den Petri-Hof zum Rathaus um. Der Umzug des traditionellen Sturmes diente der Sicherheit der vielen teilnehmenden Kinder, die vor dem an der Hauptdurchgangsstraße liegenden Rathaus schwerer zu gewährleisten ist, erklärte Bürgermeister Stefan Louis in seinem letzten Interview, bevor die Narren mit ihrer Konfettikanone vor dem frisch gestrichenen Tor aus Styropor erschienen. Mit dabei auch bei der Organisation des Sturmes die drei Kinderbetreuungseinrichtungen der Gemeinde mit ihrer kostümierten Kinderschar. Angeführt wurden die Narren von Prinz Reshat I. und dem Hampitania-Präsidenten Rainer Laschet. Prinzessin Ramona I. musste krankheitsbedingt absagen. Mit einem Rammbock rissen die Hampitania-Garden schließlich die "Rathauspforte" ein, und Prinz Reshat führte den Gefangenen in den Petri-Saal, wo weiter gefeiert wurde. Wadgassen. Auch Gemeindebeigeordneter Normann Comtesse, von Bürgermeister Harald Braun eigens aus dem Bisttal-Mittelpunkt Werbeln angeworben zur Verteidigung des Wadgasser Rathauses, blieb letztendlich gegen die Übermacht der Karnevalsgesellschaft "Die Glasspatzen" machtlos. "Yes, we can!" war nämlich die Geheimparole, die die närrischen Angreifer unter Vereinsboss Dieter Daub routiniert umsetzten. Das Geknatter der Konfettikanone, weithin schallende Helau-Rufe, betörend schöne Gardistinnen und knallharte Kapitulationsforderungen - Wadgassens ohnehin schon stumpfe Kommunalspitze war machtlos. Bürgermeistervertreter Comtesse und die defensivschwachen Ortsteilvertreter Alberto I. (Schaffhausen), Siggi, der "Ruhe lang" (Wadgassen) und Harald, der Handelsmann (Hostenbach) erlebten das einmalige Gefühl, in Handschellen abgeführt zu werden. Schmelz. In diesem Jahr wollte der Schmelzer Bürgermeister Armin Emanuel den Narren endgültig Paroli bieten. Im Napoleon-Kostüm führte er seine Getreuen entschlossen ins Gefecht. Die närrische Bürgerschaft hatte im Gegenzug zur Revolution aufgerufen und das "Rote Rathaus" kurzerhand zur Bastille erklärt. Angeführt von Prinzessin Petra I. und Prinz Peter II., machten sie sich in langem Zug auf den Weg zum Verwaltungssitz. Seine Ankündigung, lieber auf den Zinnen seines Amtssitzes den Heldentod sterben zu wollen, machte der Feldherr zum Glück doch nicht wahr und fügte sich tapfer in die Verbannung. Im Narrenschiff der Arbeitsgemeinschaft Schmelzer Karneval ging es zuvor auf eine Ehrenrunde durch den Ort. Mit dabei auch die Katholische Kolpingjugend Außen.