Alter Chor frisch und akzentuiert

Wallerfangen. Vor vollbesetztem Haus ist die Liedertafel 1839 Wallerfangen, der älteste Männerchor des Saarlandes, am Sonntag mit einem Lieder- und Klaviernachmittag in ihr Jubiläumsjahr gestartet. "Die Pflege und Erhaltung des Liedgutes und der Kultur in unserem Land ist eine Verpflichtung"

Wallerfangen. Vor vollbesetztem Haus ist die Liedertafel 1839 Wallerfangen, der älteste Männerchor des Saarlandes, am Sonntag mit einem Lieder- und Klaviernachmittag in ihr Jubiläumsjahr gestartet. "Die Pflege und Erhaltung des Liedgutes und der Kultur in unserem Land ist eine Verpflichtung". Die Jugend motivierenSo drückte es Gerhard Richner, der die Leitung des Wallerfanger Männerchors im Juni 2008 übernommen hat, in seiner Begrüßung aus. Damit berührt er einen wunden Punkt, den wohl alle Chöre kennen. Bei einem Durchschnittsalter von 68 Jahren konnte man am Sonntag in den Reihen der Sänger kaum junge Gesichter erkennen. Und so war dieser musikalische "Après-Midi" nicht nur der konzertante Einstieg in das Jubiläumsjahr des Chors, sondern auch ein Versuch, neue und vor allem jüngere Sänger für die Chormusik zu begeistern. Richner, 1946 in Bedersdorf geboren, hat ein im Grunde schweres Erbe übernommen, gilt es doch der Überalterung des Chors durch Schulung des vorhandenen Stimmmaterials und die Gewinnung neuer Stimmen entgegenzuwirken. Und so legt denn der neue Chorleiter auch sehr viel Wert auf Stimmbildung und Atemtechnik. Dass diese Verfahrensweise ihre Berechtigung hat, war am Sonntag deutlich zu hören. Kultiviert und akzentuiert, in der Sprache deutlich und musikalisch schlank und flexibel präsentierten sich die 36 Sänger der Liedertafel ihren Gästen. Aufmerksam folgten sie dem präzisen Dirigat ihres Chorleiters und verliehen dadurch auch oft Gehörtem, wie etwa dem "Abendfrieden" von Rudolf Desch oder dem Volkslied "Kein schöner Land" in einem Arrangement von Gerhard Richner eine ungewohnte Frische.Subtiles Klavierspiel Immer wieder unterbrochen von dem drängenden, dabei aber auch subtilen Klavierspiel ihres Dirigenten, ließ der Chor die Leiden der Israeliten in dem Gospelsong "Go down Moses" (ein Arrangement von Gregor Richner) ebenso vor den Zuhörern erstehen, wie den Duft eines Rosengartens in dem gleichnamigen Lied von Robert Carl. Harmonisch fehlerfrei bewältigte der Chor das Spiritual "Get You ready", dem jedoch mit Blick auf seinen freudigen Charakter etwas mehr Spritzigkeit gut getan hätte. Wenn auch die Literaturauswahl für die Gewinnung jüngerer Sänger vielleicht ein wenig zu traditionell erschien, so war dieses Konzert doch eine beachtenswerte Präsentation der Leistungsfähigkeit.