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Fußball
Thinnes schießt Schaffhausen ins Glück

Feucht-fröhlicher Feier-Auftakt: Die Jungs des SSC Schaffhausen bejubeln den Aufstieg in die Landesliga. Es war erst der Auftakt zu einem wahren Party-Marathon.
Feucht-fröhlicher Feier-Auftakt: Die Jungs des SSC Schaffhausen bejubeln den Aufstieg in die Landesliga. Es war erst der Auftakt zu einem wahren Party-Marathon. FOTO: Ruppenthal
Saarwellingen/Schaffhausen. SSC steigt nach klarem 3:1-Erfolg über Tünsdorf in die Landesliga auf. In den Jubel mischt sich aber auch etwas Wehmut. Von David Benedyczuk

Fünf Minuten vor Abpfiff beginnen die Anhänger des SSC Schaffhausen am frühen Sonntagabend mit der Lobpreisung des für sie und den Verein so bedeutenden Tages: „Oh, wie ist das schön“ schallt es über den Rasenplatz des FSV Saarwellingen. Es folgen weitere Sprechchöre wie etwa „Landesliga, Landesliga, hey, hey“.


In der nicht minder großen Kolonie des VfB Tünsdorf „antworten“ einige Unverbesserliche mit dem Abbrennen von in den Vereinsfarben Schwarz und Gelb gehaltenen Bengalos. Nicht zur Feier des Tages, denn die Aufstiegsträume des Vizemeisters der Bezirksliga Merzig-Wadern lösen sich nach der 1:3 (0:2)-Niederlage im Aufstiegsspiel passend zur Szenerie in Rauch auf.

Anders als manch Tünsdorfer Anhänger präsentieren sich die Spieler als faire Verlierer: „Der Gegner war klar besser. Wir wollen das Spiel vom Mittwoch nicht als Ausrede nehmen“, sagt VfB-Kapitän Kevin Backes zur Vorgeschichte des Duells der Vizemeister. Am Mittwoch hatte Tünsdorf den Auftakt der eigentlichen Dreierrunde zur Landesliga mit 2:0 gegen den SC Großrosseln II gewonnen. Der Erfolg war aber tags darauf wertlos, weil der FV Bischmisheim das Aufstiegsspiel zur Verbandsliga gegen die SG Körprich-Bilsdorf gewann (wir berichteten) – und somit in der Landesliga Süd ein Platz frei wurde. Den nimmt automatisch Großrosseln ein. Doch das Spiel steckte den Tünsdorfer Spielern natürlich noch in den Knochen.

„Hut ab vorm Gegner, das ist sehr ärgerlich von Verbandsseite“, hatte SSC-Spielertrainer Johannes Ruppenthal Verständnis für den Tünsdorfer Ärger, um dann grinsend anzufügen: „Gut, wir waren gestern mit acht Mann auf der Hochzeit von Christopher Daub (Schaffhausens anderer Spielertrainer; Anm. d. Red.). Da haben wir auch ein paar Körner gelassen.“

Davon war auf dem Platz vor rund 500 Zuschauern allerdings wenig zu sehen. Schaffhausen bestimmte von Beginn an – und sorgte per Doppelschlag kurz vor der Pause bereits für die Vorentscheidung: Jonas Hans versetzte rechts Tünsdorfs Johannes Labudde, den Pass in die Mitte nahm Nicolas Engelhardt direkt und traf ins linke Eck. VfB-Torwart Sascha Bies war noch dran, konnte das 0:1 aber nicht verhindern (40.). Drei Minuten später bediente Hans nach einem Katastrophen-Fehlpass Schaffhausens Torjäger Kevin Thinnes, der freie Bahn hatte und souverän ins rechte Eck traf (43.). Direkt nach Wiederbeginn köpfte Thinnes den SSC nach einem Ruppenthal-Freistoß endgültig Richtung Landesliga (46.). Tünsdorf gelang kurz vor Ende durch Sven Steffes nur noch das Ehrentor (91.). „Kräftemäßig war der Akku leer. Der Gegner hat uns in Hälfte eins förmlich überrannt“, sagte Backes.



Kevin Thinnes, den es nebst weiteren SSC-Akteuren zum künftigen Ligarivalen SF Hostenbach zieht, befand: „Wir haben uns das auf jeden Fall verdient. Die Saison über hatten wir etwas Pech. Bei mir ist natürlich Wehmut dabei. Schaffhausen ist sozusagen mein Heimatverein. Ich wohne dort und habe viele Freunde, die hier spielen. Aber so ist der Fußball.“ So richtig feiern konnte er den Aufstieg nicht: „Ich muss um fünf Uhr aufstehen. Daher werde ich versuchen, die Kirche im Dorf zu lassen.“

Der Rest des Teams feierte dagegen bis zum Abwinken – und ist wahrscheinlich immer noch dabei: „Ich habe fünf Tage Abstinenz bei der Freundin beantragt – die habe ich auch durchbekommen“, verriet Ruppenthal augenzwinkernd: „Wir werden jetzt alles raushauen, Vollgas geben und alles, was bei der Hochzeit zu kurz kam, nachholen.“