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„Saudi-Arabien finanziert Terroranschläge“

Die Politik agiere hinsichtlich IS mit Scheuklappen, verdeutlichte Korrespondent Andreas Zumach. Foto: Johannes A. Bodwing
Die Politik agiere hinsichtlich IS mit Scheuklappen, verdeutlichte Korrespondent Andreas Zumach. Foto: Johannes A. Bodwing FOTO: Johannes A. Bodwing
Saarwellingen. „Den Siegern fliegen die Illusionen um die Ohren.“ Nicht nur die westliche Welt stehe angesichts des Islamischen Staates, IS, vor einem Dilemma, stellte der Korrespondent Andreas Zucham im Saarwellinger Atelier Andruet dar. Johannes A. Bodwing

"Der IS hat überhaupt keine Veranlassung, mit uns zu reden. Er hat einfach Fakten geschaffen, sein Kalifat." Vor diesem Hintergrund stellt sich für Andreas Zumach, Korrespondent bei der Uno in Genf, die Frage, was zu tun sei: den IS vernichten, mit ihm verhandeln, ihn anerkennen oder austrocknen?

Krisen von Marokko bis Pakistan


Im Rahmen der Ostermärsche stellte Zumach die komplexe Situation in Nahost und ihre Folgen dar. Rund zwei Stunden lang ging es dabei durch rund 1400 Jahre. Von der islamischen Besetzung Spaniens (711 - 1212), über Afghanistan, die Golfkriege bis zur Macht des Öls und Terroranschlägen.

Auf einer einzigen Karte umriss Zumach die Krisenregion von Marokko bis Pakistan. Dort gebe es "die allermeisten Gewaltkonflikte seit Gründung der UNO " und "95 Prozent aller islamistisch gerechtfertigten Terroranschläge seit Ende des Kalten Krieges". Aus dieser Region kämen auch die meisten Flüchtlinge nach Europa.

"Hier fliegen uns derzeit 300 bis 400 Jahre europäische und osmanische Geschichte um die Ohren", sagte Zumach. Dazu gehöre auch das koloniale Erbe mit seinen wirtschaftlichen und politisch-militärischen Interessen. So sei die Grenze zwischen Irak und Kuwait von den Briten durch eines der größten Ölfelder gezogen worden. 1990/91 fand hier der Zweite Golfkrieg statt. Ein wesentliches Ziel der USA wie auch Westdeutschlands, so Zumach, seien preiswerte und verlässliche Öllieferungen gewesen.

Als wichtigen Faktor im zerrütteten Gefüge der arabischen Welt machte Andreas Zumach Saudi-Arabien aus. Das Königshaus sei wahhabitisch. Wahhabiten sehen sich als einzige Vertreter der authentischen islamischen Lehre.

Deshalb mache Saudi-Arabien Front gegen die Schiiten und unterstütze entsprechend agierende Gruppierungen. Aber die Saudis gingen noch weiter. "Hinter allen wesentlichen Anschlägen steckt Geld aus Saudi-Arabien." Dazu gehöre auch der Anschlag in New York 2001. "Alle in Berlin, Washington und Paris könnten es wissen, wissen es auch. Trotzdem behandeln wir dieses Land als engen Verbündeten." "Wir haben niemals die emanzipatorischen Kräfte unterstützt. Deswegen haben wir eine sehr große Mitschuld an der prekären Situation", sagte Zumach.

Religion als einziger Halt

Mit Kriegen sei dies "nicht ansatzweise zu lösen". Vielmehr müssten kulturelle, historische und ökonomische Faktoren berücksichtigt werden. Denn vor dem Hintergrund sozialer Missstände werde für viele Menschen die Religion zum einzigen Halt.

"Austrocknen" sei für ihn die einzige sinnvolle Strategie gegen den IS. "Wenn alle äußeren Akteure ihre Unterstützung in Syrien beenden würden, wäre der Krieg in vier Wochen zu Ende." Die Rahmenbedingungen für die Menschen in den betroffenen Regionen müssten erleichtert werden. Und es brauche faire Handelsbeziehungen statt der Vorteile für große Unternehmen und Lobbyisten.