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Saarwellingen als Quelle der Inspiration

Saarwellingen als Quelle der Inspiration

Die elfte „International Jazzwerkstatt“ in Saarwellingen mit sechs Konzerten und vielen Stunden Unterricht ist beendet. Inspiration und Motivation dürften bis zum nächsten Jahr reichen.

Für Jazzer die Herausforderung: ein Stück auf den Punkt beenden. Beim Teilnehmerkonzert am Donnerstag hat mit dem letzten Saxofonton von Gilad Atzmon Regen eingesetzt - punktgenauer Schluss nach heißen Tagen intensiven Lernens. Ein Beispiel: Mit dem indischen Sprechgesang als Rhythmustraining Konnokol hat der Schlagzeuger Asaf Sirkis die Teilnehmer morgens eingestimmt: Acht Schläge mit der Hand oder einzelnen Fingern und "Tokadim" gesungen (Wer's genau wissen und nachmachen will, sieht sich seine Lehrvideos unter www.asafsirkis.co.uk an).

Viel Beifall gab es in der familiären Atmosphäre des Rathaushofs für die in den Tagen zuvor eingeübten Comboauftritte. Da erwies sich, was sich in den Sessions nach den Konzerten andeutete: Sehr gute Musiker waren am Werk, und die Profis waren nicht nur Lehrer, sondern auch gute Zuhörer und Mitspieler. Die Zuschauer spürten, wie viel Inspiration und Motivation alle aus Saarwellingen mitnehmen. In Erinnerung bleiben die Sommerabende in und an der Dynamitfabrikhalle auf dem Campus Nobel.

Was zur Eröffnung samstags begann, setzten die erstklassigen Konzerte an den folgenden Tagen fort: Gilad Atzmon begeisterte mit seinem um die Sängerin Sylwia Bialas erweiterten "Oriental House Ensemble". Nicht weniger professionell agierte die für diesen Auftritt zusammengestellte Bebop-Formation um Johannes Müller (Saxofon) und Kevin Dean (Trompete).

Pianofestival am Mittwoch

Das spannendste Konzert war das Pianofestival am Mittwoch. Thilo Wagner, hier zum zehnten Mal Dozent, spielte in der kontinentaleuropäischen Tradition des Swingpianos, flott, rhythmisch großartig zusammen mit dem in Oriental-Jazz und Weltmusik beheimateten Sirkis und dem mit großer Bühnenpräsenz agierenden Yaron Stavi (Kontrabass ). Saul Rubin (Gitarre) und Barbara Bürkle (Gesang) setzen eigene Akzente. Frank Harrison am Flügel ließ an Impressionisten wie Debussy oder Eric Satie denken, harmonierte vortrefflich mit dem in Saarwellingen wohl bekannten Davide Petrocca (Kontrabass ) und dem jungen Schlagzeuger Chris Hittingbottom, kerzengerade, "very british" und variantenreich. Gwilym Simcock indessen brauchte eine Rhythmusgruppe nicht: Er spielte Klavier, als hätte er vier Hände.

Beim abschließenden Chor- und Big-Band-Meeting am Freitag sang swingend und groovend der rund 30-köpfige Chor, der mit Pete Churchill einen Tag probte. Satt, sauber, schnörkellos spielte die "Jailhouse Big-Band" unter Alfred Hedrich auf, mit der an Timbre und Kraft reicher gewordenen Stimme der Sängerin Jessica Schöfer. Schließlich spielte das Jugend-Jazz-Orchester des Saarlandes unter Martin Schmidt wohlgesetzte Arrangements, die (nicht nur wegen der Frisuren der Jungs) an die Zeiten erinnerten, als sich Rundfunksender noch Unterhaltungsorchester hielten.

Gitarrensolo à la Jimi Hendrix

Höhepunkte dieses Jahrgangs waren: "Gaza, mon Amour", das Gilad Atzmon mit traurigem Zorn inszenierte und seine Mitspieler zu Höchstleistungen mitriss, so Saul Rubin zu einem Gitarrensolo à la Jimi Hendrix . Außerdem ließ die "Jailhouse Big-Band" mit "Computer" von Bob Minster aufhorchen. Herausragte ferner Gwilym Simcock, zwischen Chopin und Chick Corea changierend, ein Pianokaliber für sich. Zeitgenössischer Jazz . Als ein Flüchtling aus Syrien, der mit seinem Sohn in Saarwellingen lebt, von Atzmon begleitet, sang, wurde eine andere Art von Aktualität sinnenfällig - und die Utopie einer schöneren Welt, wie sie in der Musik aufscheint.