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Ein Nachbarschaftsstreit mit drastischen Folgen

Ein Nachbarschaftsstreit mit drastischen Folgen

Seit sechs Jahren schwelt schon der Streit: Ein Nachbar beschwerte sich über die Bäume an seiner Grundstücksgrenze. Schließlich ging das Ganze vor Gericht, das entschied: Die Bäume müssen weg. Das Ehepaar Leinenbach ist entsetzt, doch jetzt ist es zu spät.

Ein Nachbarschaftsstreit mit drastischen Folgen

Claudia Leinenbach steht in ihrem Garten , kann die Tränen nicht mehr zurückhalten. "Wir haben uns vor neun Jahren weniger für das Häuschen als vielmehr für den Garten entschieden. Er war der Hauptgrund, warum wir das alte Haus gekauft haben. Dieser Garten war unsere große Freude, eine richtige kleine Parkanlage mit altem Baumbestand hatten wir", erzählt Leinenbach, die gerne sehr viel Zeit in ihrem Garten verbracht hat. Doch das, betont sie, sei nun vorbei, der Garten gleiche einem Trümmerfeld. Bis zuletzt wollten sie und ihr Mann Hans-Georg nicht wahrhaben, was den rund 30 Bäumen auf ihrem Grundstück blühte.

Doch der Reihe nach: Vor etwa sechs Jahren wurde das Ehepaar zum Schiedsmann Ralf Porzel bestellt, ein Nachbar hatte sich über die Bäume an seiner Grundstücksgrenze beschwert. Die Verhandlungen beim Schiedsmann wurden abgebrochen, eine Einigung konnte nicht erzielt werden.

Einige Zeit herrschte Stille, dann kam ein Schreiben vom Gericht, schließlich hat das Landgericht Saarbrücken nach einer Verhandlung das Urteil gesprochen, nach dem die Bäume aufgrund der starken Beeinträchtigung des Nachbargrundstücks gefällt werden müssen. Familie Leinenbach ging auf Anraten ihres Anwalts in Revision, das Oberlandesgericht bestätigte das Urteil, was das Aus für die Bäume entlang der 60 Meter langen Grenze bedeutete. "Wir haben mehrere Unternehmen angefragt, keiner wollte die nach vorliegendem Gutachten zum großen Teil gesunden Bäume fällen", erklärt Claudia Leinenbach.

Schließlich übernahm am Dienstag das Gartenbauunternehmen Berthold Schmidt aus Illingen die Arbeiten. "Für mich ist es das erste Mal, dass man sich in so einem großen Rahmen gegen Bäume ausgesprochen hat. Da sind so viele gesunde Bäume dabei, die weg müssen, zudem können wir auch einige Obstbäume dazwischen nicht erhalten", erklärt er und fragt sich, wie ein solches Urteil zustande kommen kann. Die Arbeiten werden, sagt er, noch einige Tage in Anspruch nehmen, auf den Kosten - der Streitwert beträgt 10 000 Euro - bleiben die Leinenbachs sitzen.

Anrufe bei Bettina Fliedner, der Umweltberaterin der Gemeinde Saarwellingen sowie beim Ortsverbandsvorsitzenden der Partei Die Grünen, Thomas Müller , waren vergebens, weil zu spät. "Wenn wir das nur früher gewusst hätten, dann hätten wir etwas unternehmen können. Gefallen kann es uns nicht, dass so viele Bäume gefällt werden, doch es gibt nun mal das OLG-Urteil, da wird es sehr schwierig", erklärt Müller. Auch Fliedner hätte sich gewünscht, dass die Familie sich früher gemeldet hätte, "wobei es bei einem Nachbarschaftsstreit für die Gemeinde immer schwierig ist", sagt sie.