In Reisbach steht die Gründung einer Bürgergenossenschaft bevor

Nahversorgung : Gemeinsam stark für die Nahversorgung

In Reisbach will eine Bürgergenossenschaft den Frische-Markt übernehmen. Jetzt gab’s eine Infoveranstaltung.

Noch in diesem Jahr könnte es im Saarwellinger Ortsteil Reisbach zur Gründung einer Genossenschaft kommen. Rund 100 Besucher waren am Dienstag der Einladung von Ortsvorsteher Heinrich Bauer in die Lohwieshalle gefolgt, um sich darüber zu informieren, wie die Versorgung mit Lebensmitteln in dem 2300 Einwohner zählenden Ort sichergestellt werden könnte. Bauer wirbt für die Idee, zunächst das Gebäude des einzigen im Ort verbliebenen Frische-Markts durch eine zu gründende Genossenschaft zu kaufen. Später solle dann auch das Geschäft von der Genossenschaft betrieben werden.

„Nur so kann die direkte Versorgung mit Lebensmitteln im Ort auf Dauer erhalten werden“, argumentiert Bauer. Der 69-Jährige betreibt den Markt seit 2011 gemeinsam mit seiner Gattin Hiltrud und derzeit 16 Beschäftigten. Bauer ist in Sorge, dass das zum Verkauf anstehende Geschäftsgebäude von einem Investor für andere Zwecke vorgesehen oder abgerissen werden könnte. Am Ende der über zwei Stunden dauernden Infoveranstaltung votierte eine große Mehrheit der Besucher für die Gründung einer Genossenschaft. „Das könnte ein großer Schritt in eine gute Zukunft für Reisbach werden“, freut sich Bauer.

Jetzt plant der Reisbacher Ortsvorsteher mit dem privaten Berater für Dorfläden, Klaus Heimann, und Daniela Watzke vom Genossenschaftsverband, noch offene Fragen zu klären. Dabei geht es auch um baurechtliche Aspekte und Finanzierungsmodelle. Hierüber sollte nach Ansicht vieler Besucher vor dem Ankauf des Gebäudes Klarheit bestehen. In einigen Wochen wird dann eine weitere Infoveranstaltung stattfinden. In deren Verlauf soll endgültig entschieden werden, ob eine Genossenschaft gegründet wird.

Der Wert des Frische-Markt-Gebäudes wurde von einem Gutachter auf 219 000 Euro veranschlagt. Dorfladen-Berater Heimann ermunterte die Reisbacher, den Schritt in eine Genossenschaft zu wagen: „Die Risiken sind gering und der vorhandene Frische-Markt bietet auf einer Verkaufsfläche von 500 Quadratmetern jetzt schon alles für die Nahversorgung im Ort.“ Der Markt könne problemlos und wirtschaftlich in einer Genossenschaft integriert werden. „Jeder kann durch die Zeichnung von Geschäftsanteilen Mitglied in der Genossenschaft werden, auch Interessierte außerhalb von Reisbach“, erläutert Watzke. Ein Mindestgeschäftsanteil betrage 50 Euro, die Höchstgrenze müsse festgelegt werden. „Natürlich darf eine Genossenschaft im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten jährlich Dividenden oder Überschussanteile an die Mitglieder auszahlen“, bestätigt Watzke.

„Welche Vorteile hat die Genossenschaft durch die Mitgliedschaft im Verband?“, wollte Volker Hafner wissen. „Wir vertreten die Interessen genossenschaftlicher Organisationen und betreuen unsere Mitglieder individuell“, antwortete Watzke.

Infoveranstaltung: (von links): Ortsvorsteher Heinrich Bauer hatte Bürgermeister Manfred Schwinn, Daniela Watzke vom Genossenschaftsverband und den Berater für Dorfläden Klaus Heimann eingeladen. Foto: Dieter Lorig

Viel Beifall gab es für einen Vorschlag von Gerd Stuhlsatz. Er schlug Bürgermeister Manfred Schwinn vor, dass die Gemeinde das Frische-Markt-Gebäude kauft und sich als Mitgründer der Genossenschaft engagiert. „Die Kommune ist sehr daran interessiert, dass die Grundversorgung in den Ortsteilen erhalten bleibt, kann aber nur im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten unterstützend wirken“, sagt Schwinn. Voraussetzung hierfür sei, alle noch vorhandenen Unklarheiten zu beseitigen und belastbare Zahlen auf den Tisch zu legen. „Wir sollten jetzt rasch handeln und entscheiden, bevor es zu spät ist“, findet Bauer. Er würde gerne noch maximal zwei Jahre den Frische-Markt betreiben und danach das Geschäft in die Genossenschaft überführen.

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