Neue Heimat Lebach

Familie Maai lebt seit 2000 in Lebach, elf Jahre davon in der Landesaufnahmestelle. Fünf ihrer acht Kinder besuchten erfolgreich das BBZ in Lebach. Die Schule ist sehr stolz auf deren Leistungen. Familie Maai hatte aber auch Glück, dass sie von Familie Lauenstein sehr unterstützt wurde und wird.

Mittlerweile hat Familie Maai ein eigenes Haus in Lebach . Bis 2011 lebte die zehnköpfige Familie in der Landesaufnahmestelle. Aus religiösen Gründen verließ sie 2000 Syrien. Der Vater war dort Schweißer, die Mutter kümmerte sich um Kinder und Haushalt, erzählen Suna und Bassam in einem Gespräch. Suna ist 22 Jahre alt und beginnt jetzt eine Ausbildung als Speditionskauffrau und Lagerdienstleistung bei DB Schenker. Ihr 21-jähriger Bruder Bassam absolviert derzeit ein freiwilliges soziales Jahr. Der Zusammenhalt wird bei der syrischen Familie groß geschrieben. Alle helfen sich gegenseitig. "Sie sind sich für nichts zu schade", betont Bettina Juckel, Lehrerin am Berufsbildungszentrum Lebach (BBZ). Sie hat uns auf die Familie aufmerksam gemacht.

Gute Schulabschlüsse

Denn ihre Schule ist sehr stolz, dass fünf der acht Maais das BBZ besuchten. Drei Kinder konnten sie zur allgemeinen Hochschulreife und zwei zum Fachabitur begleiten. Zeigt das doch, dass durch die vielfältigen Möglichkeiten, die diese Schulform bietet, viele Abschlüsse möglich sind. "Es muss nicht immer der direkte Weg sein", ist sich Juckel sicher. Doch die Schule will sich nicht alleine mit Lorbeeren schmücken. Dank der Hilfe von Familie Lauenstein, besonders von Marianne Lauenstein, ist dieser Erfolg möglich geworden. Marianne Lauenstein hat vor vielen Jahren in ihrem Privathaus eine Nachmittagsbetreuung für die Kinder der Familie Maai eingerichtet. "Die Hausaufgabenhilfe war erschöpft, über den Lions-Club wurden Paten gesucht", erzählt sie. Richard Wagner und sie haben dieses Ehrenamt übernommen und Marianne Lauenstein ist bis heute dabei geblieben. Es sei nicht immer leicht gewesen, aber "wir haben sie immer wieder moralisch unterstützt" und gezeigt, wie man lernt und seine Aufgaben bewältigt. "Es hat sich ausgezahlt." Und darauf sind die Lauensteins auch ein bisschen stolz. An allen Abschlussfeiern haben sie teilgenommen und sich mit den Kindern über ihre Erfolge gefreut.

Nicht selbstverständlich, jeden Tag fremde Kinder im Haus zu haben und sich um sie zu kümmern. Nadar (24) gehört mittlerweile zur Familie Lauenstein. Aus Aufenthaltsgründen wohnte er eine Zeit lang bei ihnen auf dem Hahn und ist irgendwann dort geblieben. Nadar studiert Medizin in Homburg, kommt aber immer gerne wieder nach Lebach .

Seit 2015 haben Daham (56) und Harba (48) Maai und ihre Kinder die Niederlassungserlaubnis. Die Eltern arbeiten beide bei Schokolade Ludwig in Saarlouis. Viele bürokratische Hürden mussten überwunden werden. Marianne Lauenstein half immer wieder, sind doch beide Eltern Analphabeten.

Ahin (27) studiert in Trier Jura und lebt dort im Studentenwohnheim. Scherin (25) arbeitet als PTA in einer Apotheke, Amira (23) ist im dritten Ausbildungsjahr als Kauffrau, Basim (26) ist dabei, seinen Meister als Kfz-Mechantroniker zu machen. Neben seiner Meisterschule renoviert er noch sein eigenes Haus in Lebach . Das jüngste Kind ist 15 Jahre alt. Edris besucht die Klasse 10 des Johannes-Kepler-Gymnasiums in Lebach . Er kommt manchmal zur Hausaufgabenhilfe in die Friedensstraße.

Bassam fühlte sich als Schüler am BBZ gut aufgehoben. "Ich fühlte mich ernst genommen und wurde akzeptiert." Dem stimmt Schwester Suna zu: "Man spürt, dass die Lehrer ein echtes persönliches Interesse an den Schülern haben."

Großer Zusammenhalt

Die Maais halten als Familie sehr zusammen. Jeder hilft jedem. Die älteren Geschwister sind teils schon verheiratet, haben Häuser gekauft, die sie in Eigenleistung renovieren.

Meinung:

Motivation auf beiden Seiten

Von SZ-Redakteurin Monika Kühn

So kann Integration auch sein. Familie Maai hatte großes Glück. Sie fand Menschen, die sich sehr stark für sie engagierten. Und das nicht nur für kurze Zeit. An solch langjähriger Zusammenarbeit muss aber auch gearbeitet werden, und zwar von beiden Seiten. Verständnis ist notwendig, aber auch die ausländischen Mitbürger müssen lernen, wie bei uns die Uhren ticken. Da stoßen oft Welten zusammen, oft ist es eine Gratwanderung. Doch bei Motivation auf beiden Seiten gelingt die Integration.

Es braucht aber auch Zeit. Erst in der nächsten oder übernächsten Generation wird sich der Erfolg zeigen. Die Maais können dank guter Hilfe und ihres Fleißes dies schneller schaffen.