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Kolumne Lock-Buch : Im Hausarrest zur „Absonderung“

Plötzlich unter Quarantäne – das passiert gerade täglich vielen Menschen im Kreis Saarlouis. Jetzt hat es auch mal die SZ-Redakteurin erwischt.

Da war er also, der gefürchtete Anruf vom Gesundheitsamt. Morgens, auf dem Weg zur Arbeit, klingelt das Handy, (06831) 444 – oje.

Die freundliche Frau am anderen Ende erklärt mir, dass ich ab sofort unter häuslicher Quarantäne stehe, Details dazu, was das bedeutet, in einigen Tagen auch schriftlich bekomme und am Ende der Quarantäne zum Corona-Test muss. Warum erst dann, kann sie mir nicht erklären. Falls ich Symptome bekäme, könnte ich mich beim Arzt früher testen lassen. Aber auch ein negativer Test verkürzt die Quarantäne nicht (es sei denn, man ist Spitzenpolitiker). Nun denn.

Möglicherweise angesteckt haben könnte ich mich eine Woche zuvor in einem Sportkurs – trotz strengem Hygienekonzept. Aber laut RKI-Kriterien reichen 30 Minuten im selben Raum mit jemand, der später positiv auf Corona getestet wird. Also eine Situation, in die jeder von uns wohl in den kommenden Wochen leicht geraten kann.

Nun bin ich also Kontaktperson 1 und gehöre zur täglich stark wachsenden Gruppe von Menschen in Quarantäne. Da ich Kinder in Kita und Schule habe, trifft es mich nicht ganz unvorbereitet – man wartet ja seit Ende der Sommerferien quasi täglich darauf. Jetzt erstmal alle Termine absagen, Arbeit ins Home Office verlagern, Fahrdienste organisieren, die wenigen Kontakte der letzten Tage in Kenntnis setzen.

Meine Kinder dürfen übrigens weiter Kita und Schule besuchen. Auch hier stellt sich wieder die Sinnfrage. Kleiner Tipp: Ich soll möglichst den Kontakt mit ihnen reduzieren. Wird insbesondere dem Kleinkind nicht gefallen.

Sicherheitshalber gebe ich natürlich der Kita Bescheid über die Situation; das Kind darf nach Rückfrage weiterhin kommen – gut für das Kind und das Home Office.

Den Kontakt zur meiner Familie meiden, das empfiehlt auch die schriftliche „Anordnung der Absonderung“, die das Ordnungsamt der Gemeinde mir zwei Tage später zustellt, eine mehrseitige Belehrung über meine Verpflichtungen, drohende Bußgelder und Verhaltensregeln. Dieser sperrig von Amts wegen angeordnete Hausarrest weckt kurz meinen Trotz.

Aber, es hilft wohl nichts: Augen zu und durch. Meine Vorratskammer ist gut gefüllt, ich habe einen Garten mit Sonne, Internet und Telefon funktionieren, zu tun habe ich auch immer genug und die Hauptsache: Mir geht es gut und ich fühle mich auch durchweg gesund.

An dieser Stelle führen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SZ-Redaktion Saarlouis während des bis Ende November anvisierten Lockdowns im täglichen Wechsel ein Tagebuch. Sie beschreiben ihre persönlichen Eindrücke und Gedanken zu dieser ungewöhnlichen Zeit.