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Bei Angaben zu Corona-Infektionen wird Datenschutz gemischt betrieben

Was muss geheim bleiben? : Datenschutz sorgt so schon mal für Datenstutz

Die aktuelle Wochenkolumne aus der SZ-Lokalredaktion Saarlouis.

Nichts gegen Datenschutz. Der dient zum Beispiel bei Berichterstattungen dazu, die persönliche Identifizierung von Menschen zu verhindern. Man kennt das: „Sowieso X.“ heißt dann etwa ein Tatverdächtiger. Geht übrigens gern mal schief, wenn weitere Merkmale von Herrn oder Frau X. dann doch auf genau ihn oder sie schließen lassen.

Es wurde an dieser Stelle zwar mehrfach daran erinnert, dass es in Sachen Corona nicht nötig sein dürfte, persönliche Identifizierung ausschließen zu müssen, aber das half nichts. Damit sich niemand eklig das Maul zerreißen kann, muss verschlüsselt werden. Manchmal im Lauf der Zeit immer mehr.

So hatte die Zeitung zuerst Geschlecht, Wohnort und Alter derjenigen übermittelt bekommen, die positiv auf Covid 19 getestet worden waren. Muss nicht, kann aber zu identifizierbarer Berichterstattung führen: Allzu viele über Hundertjähriges gibt es, sagen wir mal, in Bous nicht. Zwölfjähriger aus Nalbach an einer Dillinger Schule? Da wird’s strittig: Wer ihn kennt, weiß wohl, wer gemeint ist, der Leser aus Wadgassen wird nicht drauf kommen.

Also auf Nummer sicher gehen und „Person“ schreiben ohne Alter, weil ja Junge oder Mann, Frau oder Mädchen schon zu genaue Angaben sind. Da wird aus Datenschutz der Datenstutz, weil es stutzig macht: Darf man nicht mehr „Frau“ zu weiblichen Menschen sagen?, fragt sich sicherlich nicht nur ein Leser (männlich aus Dillingen, darf hier geschrieben werden, weil er sich zu seinem Brief bekannt hat).

Und datenputzig wird es geradezu anzuschauen, wie die Handhabung von einer offiziellen Informationsstelle zur anderen variiert. Zum Glück macht das nicht wirklich krank.