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Kolumne: Schwer zu ertragen, Europäer zu sein, Saarlouis soll helfen

Kolumne Unsere Woche : Europäer zu sein ist gerade schwer zu ertragen

Wir, die auf der Grenze leben, empfinden sie eher verbindend als trennend; sie ist meist unsichtbar, selten spürbar. Im Saarland vermutlich mehr als anderswo, weil sich Grenzen oft geändert haben, beinahe willkürlich verlaufen.

Meine Generation kennt keine Grenzschließungen, keine Passkontrolle, kein Abweisen bei der Einreise – von dem Intermezzo der Corona-Hochzeit abgesehen. Und das war befremdlich: Denn die Leute da auf der anderen Seite sind ja nicht viel anders als wir – so sind wir aufgewachsen, als Europäer.

Umso unverständlicher, unerträglicher ist es, ohnmächtig und voll Scham mit ansehen zu müssen, was an den Grenzen Europas passiert. Dürfen Ländergrenzen über Menschenwürde entscheiden? Die Kinder, die zufällig in Afghanistan geboren wurden, sind nicht weniger wert als die, die zufällig in Saarlouis geboren wurden. Trotzdem werden sie im Namen der EU mit ihren Familien auf dem Meer Todesgefahr ausgesetzt, in Lagern eingesperrt und traumatisiert, müssen in Hunger und Elend leben und werden wie jüngst vor unser aller Augen mit Tränengas beschossen. Es ist gerade schwer zu ertragen, Europäer zu sein.

Zur Erinnerung, der Vertrag von Lissabon 2007: „Die Werte, auf die sich die Union gründet, sind die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte.“

Saarlouis soll sicherer Hafen werden, fordert nun ein lokales Bündnis, mit Blick auf Moria und das Sterben im Mittelmeer: Die Seenotrettung unterstützen und Menschen helfen, die durch Krieg, Verfolgung und andere Notlagen ihre Heimat verlassen haben und in Deutschland Zuflucht suchen. Dass das überhaupt als Forderung formuliert werden muss!