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Förderschüler aus Saarlouis: Warum dieser Schultyp wichtig ist

Saarlouis. Wir, die Klasse 10 der Anne-Frank-Schule Saarlouis, möchten unsere Meinung zum Thema "Abschaffung der Förderschule" äußern. Wir haben in letzter Zeit viel über das Thema diskutiert und dabei festgestellt, dass wir aufgrund unserer eigenen Erfahrungen wichtige Aspekte zur Diskussion beitragen können

Saarlouis. Wir, die Klasse 10 der Anne-Frank-Schule Saarlouis, möchten unsere Meinung zum Thema "Abschaffung der Förderschule" äußern. Wir haben in letzter Zeit viel über das Thema diskutiert und dabei festgestellt, dass wir aufgrund unserer eigenen Erfahrungen wichtige Aspekte zur Diskussion beitragen können. Zurzeit ist es leider so, dass ein Förderschüler an einer Regelschule keine Zugangsberechtigung zum Hauptschulabschluss hat. Was spricht für den Besuch einer Förderschule?Zunächst einmal haben wir die Erfahrung gemacht, dass man in der Regelschule aufgrund der hohen Klassengröße mehr auf sich selbst und seine Mitschüler angewiesen ist. Im Gegensatz dazu lernen in den Klassen im Schnitt zehn bis 15 Schüler. Der Vorteil liegt doch klar auf der Hand, es ist übersichtlicher und die Lehrer/innen können besser auf die einzelnen Schüler eingehen. An Regelschulen kommt es durch die stoffliche Überforderung der Schüler häufig zu Verhaltensauffälligkeiten oder Lernschwierigkeiten. Ein Schüler berichtet, dass er in der Regelschule öfters des Unterrichts verwiesen wurde, weil er Probleme hatte, dem Unterricht zu folgen. Er wurde sich selbst überlassen und sollte beispielsweise einfach die vorbeifahrenden Autos zählen. Im Vergleich dazu wird man in der Förderschule auf seiner individuellen Lernstufe angesprochen. Auf diese Weise kommt es nicht zu Langeweile. Durch den hohen stofflichen Druck und die Auffälligkeiten der Schüler verlieren die Lehrer an der Regelschule schneller die Geduld und werden laut. Laut Aussagen einer Schülerin wurde sie in der Regelschule bloßgestellt, wenn sie etwas nicht wusste oder ihre Arbeitsmaterialien vergaß. An der Förderschule haben wir so etwas noch nie erlebt. Klassenlehrer-PrinzipAußerdem ist es an der Regelschule sehr schwierig, eine gute Lehrer-Schüler-Beziehung aufzubauen, da jedes Fach durch einen anderen Lehrer unterrichtet wird. An der Förderschule hingegen herrscht das Klassenlehrerprinzip. Daher ist es einfacher, eine Vertrauensbasis zum Lehrer aufzubauen. In der Regelschule haben die Lehrer weniger Zeit, den Schülern den Stoff beizubringen. Der Hauptschulabschluss wird hier bereits nach neun Schuljahren erreicht. Dagegen haben wir an der Förderschule ein Jahr länger Zeit, um die großen Mengen an Stoff zu verarbeiten. In der Regelschule gibt es viele Fächer und Fremdsprachen. In der Förderschule konzentriert man sich mehr auf die Kernfächer, und die Fremdsprachen fallen weg. Mittlerweile können aber auch an der Förderschule ab Klassenstufe sieben Englischkenntnisse erworben werden. Für Schüler mit einer akuten Lernbeeinträchtigung ist die Förderschule eine gute Option. Jedoch sollte nicht zu voreilig gehandelt werden, und bevor es zu einer Umschulung kommt, sollten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Darüber hinaus haben wir im Nachhinein das Gefühl, dass unsere Meinung nicht beachtet wurde und über unsere Köpfen hinweg entschieden wurde. Wir sind der Ansicht, dass der Hauptschulabschluss auf der Förderschule weniger angesehen ist und uns weniger Chancen im Berufsleben bietet. Des Weiteren würden wir uns wünschen, dass wir an Regelschulen genauso gefördert werden, um zu gleichen Ergebnissen zu kommen wie an einer Förderschule Lernen. Eine Akzeptanz der Förderschulen in der Gesellschaft wäre ein erster Schritt, dass wir uns nicht mehr an den Rand gedrängt fühlen. Michelle Brunk, Klassensprecherin, und 13 weitere Namen der Klasse zehn der Anne-Frank-Schule Saarlouis




Auf einen BlickDie Anne-Frank Schule - Schule für Lernbehinderte - hat 15 Klassen und einen Hort. Ein Teil der Schüler wird auf den Hauptschulabschluss vorbereitet. red