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Sl-1204.wanderfalken.nicSo leben die Wanderfalken auf dem Kraftwerksturm

Sl-1204.wanderfalken.nicSo leben die Wanderfalken auf dem Kraftwerksturm

Seit wann lebt ihr in Ensdorf?Artur: Nach dem unsere Art in den 60er Jahren fast ausgestorben war, sind die ersten von uns vor 20 Jahren wieder ins Saarland gekommen. Wir wohnen seit sechs Jahren im Kraftwerksgelände Ensdorf

 Das Weibchen Lisa im Wanderfalken-Horst in 80 Metern Höhe.
Das Weibchen Lisa im Wanderfalken-Horst in 80 Metern Höhe.

Seit wann lebt ihr in Ensdorf?Artur: Nach dem unsere Art in den 60er Jahren fast ausgestorben war, sind die ersten von uns vor 20 Jahren wieder ins Saarland gekommen. Wir wohnen seit sechs Jahren im Kraftwerksgelände Ensdorf.Wie seid ihr zu eurem Zuhause gekommen?Lisa: Dank der Initiative der Nabu-Arbeitsgruppe Wanderfalkenschutz im Saarland haben wir Ende 2005 vom Kraftwerksbetreiber VSE eine neue Wohnung samt Einrichtung erhalten.Wie lange seid ihr schon ein Paar?Lisa: Artur und ich haben uns hier 2004 kennengelernt. Außer uns leben im Saarland noch etwa 15 weitere Paare.Und wie sieht es mit dem Nachwuchs aus?Artur: In unserer vorherigen Behausung hatten wir 2005 zusammen zwei Kinder. In der neuen Wohnung hat Lisa in den Jahren danach acht Junge ausgebrütet, die wir gemeinsam zum Ausfliegen gebracht haben. Letztes Jahr haben wir eine Babypause eingelegt, und gerade brütet meine Liebste vier Eier aus. Lisa und ich teilen uns das Brutgeschäft. Bei manchen Paaren brütet fast nur die Mutter und der Vater muss das Essen ranschaffen. Wir sind da anders: Ich beteilige mich tagsüber oft am Brüten. Nachts aber will Lisa das alleine machen..Wovon lebt ihr denn?Lisa: Wir leben, wie andere Greifvögel auch, von kleineren Tieren. Aber wir jagen ausschließlich in der Luft. Vorgestern hat mir mein Schatz zum Frühstück eine Amsel gebracht. Solange ich brüte, versorgt er mich zu den Mahlzeiten. Wenn die Kleinen dann da sind, müssen wir beide ranschaffen. Man sagt, wir seien das schnellste Tier der Welt, wenn wir mit weit über 200 Stundenkilometern unsere Beute verfolgen.Womit vertreibt ihr euch die Zeit, wenn ihr nicht brütet?Artur: Wenn im August unsere Jungen selbstständig werden und wegziehen, ruhen wir uns erst einmal von den Strapazen aus. Bei schlechtem Wetter und wenig Sicht im Herbst ist es nicht einfach, an Futter zu kommen, und die Jagd kostet viel Zeit, zumal dann zahlreiche Vögel in den Süden geflogen sind. Lisa und ich legen zwar immer einen kleinen Vorrat an, aber im Winter ist der oft schnell aufgebraucht. So versuchen wir, uns in dieser Zeit möglichst wenig zu bewegen, damit unsere Kraftreserven über den Winter halten.Seit Februar liefert eine Kamera 16 Mal pro Minute Bilder vom Brutgeschehen aus dem Horst. Zum Ende der Saison werden die Bilder ausgewertet, um Aussagen über durchschnittliche Verweildauer im Horst, Brutwechselhäufigkeiten, Fütterungsgewohnheiten und anderes mehr zu treffen. An diesem Wochenende wird im Ensdorfer Kraftwerksturm das Schlüpfen der jungen Falken erwartet.