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Die Rücklagen sind aufgebraucht

Die Rücklagen sind aufgebraucht

Dillingen. Wenn ein Bürgermeister den aktuellen Haushalt seiner Stadt als "nicht einfach" bezeichnet, steht normalerweise Schlimmes zu befürchten. In Dillingen ist das nicht so einfach zu beantworten: Hier weist der Ergebnishaushalt ein hohes Defizit von 13,9 Millionen Euro aus

Dillingen. Wenn ein Bürgermeister den aktuellen Haushalt seiner Stadt als "nicht einfach" bezeichnet, steht normalerweise Schlimmes zu befürchten. In Dillingen ist das nicht so einfach zu beantworten: Hier weist der Ergebnishaushalt ein hohes Defizit von 13,9 Millionen Euro aus. Der Haushalt gilt dennoch als ausgeglichen, da dieses Defizit durch die vorhandene Ausgleichsrücklage von 16,02 Millionen Euro komplett aufgefangen werden kann.

Das Defizit erklärt sich größtenteils aus der Kreisumlage, zu der Dillingen in diesem Jahr 23,5 Millionen Euro beitragen muss. Das sind 7 Millionen Euro mehr als im Vorjahr und 21 Prozent der gesamten Kreisumlage. Für die Höhe der Umlage wird die Steuerkraft aus dem sehr guten Jahr 2011 zugrunde gelegt - diese trifft die Stadt aber in einem Jahr mit mittelmäßigem Steuereinkommen. Unter dem Strich zahlt Dillingen 27,9 Millionen Euro an Umlagen und Transferleistungen - bei Gesamtsteuereinnahmen von 29,5 Millionen Euro bleibt von diesen kaum noch etwas zur Deckung der Personalkosten oder der Sach- und Dienstleistungen übrig.

Und doch herrscht in Dillingen keinerlei Investitionsstau. Insgesamt 9,7 Millionen Euro stehen für Sanierungen und Infrastrukturmaßnahmen zur Verfügung. Den größten Teil mit 2,3 Millionen Euro verschlingt dabei die in die Endphase gehende Gestaltung des Lokschuppenumfeldes. Der Bau der neuen Logistikhalle an der Werderstraße ist derzeit in vollem Gang. Nach Ostern sollen die übrigen Maßnahmen beginnen: Das Eingangsareal wird komplett neu gestaltet, außerdem wird eine Erschließungsstraße parallel zur Merziger Straße angelegt.

Ebenfalls eingeplant ist die Kanalsanierung in der Stummstraße. "Glücklicherweise müssen wir nicht den kompletten Belag entfernen, sondern können die Sanierung mit dem so genannten Inliner-Verfahren bewältigen", freut sich Franz-Josef Berg. Die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes ist im Plan mit 600 000 Euro anfinanziert. "Diese kann allerdings nur gestemmt werden, wenn die in Aussicht gestellten Landeszuschüsse fließen", räumt der Bürgermeister aber ein. Außerdem fließen größere Summen in den Umbau des Dorfgemeinschaftshauses sowie die Erschließung neuer Baugebiete "Fuchshöhl" auf der Pachtener Heide sowie "östlich Litermontstraße" in Diefflen. Knapp 1,5 Millionen Euro gehen in den Neubau einer Kinderkrippe in der Industriestraße sowie die Sanierung weiterer Kinderbetreuungseinrichtungen. Ganze 750 000 Euro kostet die dringend notwendige Sanierung der Wallerfanger Brücke - das Land sowie die Gemeinde Wallerfangen unterstützen diese Maßnahme allerdings mit über 75 Prozent. "Der Bahnhofs-

umbau kann nur mit Zuschüssen gestemmt werden."

Franz-Josef Berg

Nur nicht neidisch werden

Von SZ-Redakteur

Sascha Sprenger

Es gibt im Saarland kaum noch eine Kommune, die ein Haushaltsdefizit von fast 14 Millionen Euro aus einer Rücklage ausgleichen kann. Eine komfortable Situation, die bei anderen Kommunen auch schon mal eine Neid-Debatte entfacht.

Doch diese ist völlig Fehl am Platz. Denn was viele vergessen: Geht es Dillingen gut, geht es auch dem Kreis - und damit anderen Kommunen - besser. Sie profitieren durch die Kreisumlage direkt oder indirekt von der Hüttenstadt und deren Einnahmen.

Am Lokschuppen entsteht derzeit eine Logistikhalle. Foto: Stadt Dillingen/Theobald.

Aber auch Dillingen kann sich so etwas nicht oft leisten und muss in Zukunft - wenn die Vorhersagen über das Steueraufkommen eintreffen - den Gürtel wohl oder übel etwas enger schnallen.