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Limberg-Ärger hat lange Tradition

Limberg-Ärger hat lange Tradition

Wallerfangen. "Die Prozessionen vollzogen sich ohne viel Frömmigkeitsgeist, zudem mit viel Unordnung." Nach Prozession und Messe in der Kapelle ging es in Wallerfangen und Oberlimberg weiter "mit Tänzen, Trinkereien, fast tödlichen Prügeleien"



Wallerfangen. "Die Prozessionen vollzogen sich ohne viel Frömmigkeitsgeist, zudem mit viel Unordnung." Nach Prozession und Messe in der Kapelle ging es in Wallerfangen und Oberlimberg weiter "mit Tänzen, Trinkereien, fast tödlichen Prügeleien". Dort wurde auch "besonders zum Verderben der Jugend beiderlei Geschlechts und zum Ärger der Guten" bis zum folgenden Tage gezecht. So beklagte der Itzbacher Pastor Johann Franz Motte 1783 dem Trierer Bischof gegenüber die Situation auf dem Limberg. Nachzulesen in den Büchern von Theodor Liebertz und Guido Müller.

Demnach hatten ab 1680 französische Arbeiter nahe der heutigen Kapelle Steine für die Festung Saarlouis gebrochen. Eine Barackenstadt habe es dort gegeben, mit "sonntäglichen Zechereien und Schlägereien". Gegen die Ausschreitungen und um umliegende Dörfer vor den Arbeitern zu bewahren, ließ Festungsgouverneur Thomas de Choisy 1680 eine Holzkapelle auf dem Limberg errichten. Dort las jeden Sonntag ein Karmeliterpater die Messe. Als die Arbeiterbaracken gegen 1685 verschwanden, hatte sich bereits ein reger Wallfahrtsbetrieb entwickelt. Die Holzkapelle war nun aus Stein, der Eremit Claude Virion setzte sich für die Schaffung eines Kreuzweges ein.

Dieser ursprüngliche Kreuzweg zog sich in Wallerfangen vom unteren Teil der Sonnenstraße den steilen Hang hinauf. Dafür meißelte der Bildhauer Pierrar de Corail aus Metz um 1722 acht biblische Gruppen in Lebensgröße. 1723 setzten seine Schüler das Werk fort. Den Ausgangspunkt am Fuße des Limbergs bildeten die schlafenden Jünger am Ölberg. Am Endpunkt entstand eine geweihte Wallfahrtskapelle mit drei Altären und dem nachgebildeten heiligen Grab.

Dieser beeindruckende Weg zog die Pilger an. "Der größte Andrang herrschte alljährlich am 16. Juli, dem Hauptfesttag", schrieb Liebertz. Den Wirten in Wallerfanger und Niederlimberger brachte es Geld in die Kassen, Händler und fahrendes Volk schlugen Stände und Schaubuden auf. Doch 1794 zogen von der Französischen Revolution in Wallung gebrachte Bürger los und schlugen den Statuen Köpfe und Hände ab. Die Reste der Bildwerke wurden etwa 1930 geborgen und am Waldrand deponiert. Sie seien inzwischen in sicherer Verwahrung, war vom Villeroy'schen Rentamt zu erfahren.

Der heutige Kreuzweg geht auf Louis Villeroy zurück. Dazu gehört die kleine Kapelle auf dem Limberg von 1827, einfache Steinmale am Wegesrand symbolisieren die Stationen, auf dem Bergplateau steht die dreiteilige Kreuzigungsgruppe von 1840.

Die dreiteilige Kreuzigungsgruppe von 1840 am Wallerfanger Kreuzweg. Foto: Johannes A. Bodwing.

An vier Tagen zogen die Pilgerströme früher den steilen Kreuzweg hinauf. Am St.-Josefs-Tag (19. März), an Maria Verkündigung (25. März), Karfreitag und "Maria vom Berge Karmel" (16. Juli). Davon blieb laut Liebertz um etwa 1900 allein der Karfreitag übrig. Und der zieht heute die "modernen Pilger" zügig zum Kässchmeer-Essen nach Oberlimberg.