1. Saarland
  2. Saarlouis
  3. Dillingen

Abends noch die Schulbank drücken

Abends noch die Schulbank drücken

An der Schule am Römerkastell haben Schüler auch die Möglichkeit, den Mittleren Bildungsabschluss zu erwerben. Das abends.

"Diese Schulform ist ein tolles Sprungbrett für jeden, der beruflich aufsteigen will". Dabei sind sich der 32-jährige Valerij Kistner aus Schmelz und der 27-jährige Eugene Kuhlmann, der in Oberkorn in Luxemburg lebt, einig. Sie befinden sich gerade mitten in den Prüfungen zum Mittleren Bildungsabschluss, wobei sich ihr Alltag ganz und gar von dem anderer Schüler unterscheidet.

Die Schule am Römerkastell in Dillingen hat sich in den letzten fast 60 Jahren zu einer Gemeinschaftsschule entwickelt, in der wissbegierige Schüler bereits seit 1984 auch die Möglichkeit haben, den Mittleren Bildungsabschluss nachträglich zu erwerben. Und zwar am Abend. Das heißt, die Schüler besuchen den Unterricht abends neben dem Berufsleben oder als Hauptbeschäftigung. Wie stressig das wirklich ist und ob sich die Schule zu so später Stunde gut mit dem Alltag vereinen lässt, erzählen die zwei Absolventen.

Valerij Kistner ist ein aktiver Zeitsoldat und hat sich auf zwölf Jahre verpflichten lassen. Nachdem seine Frau vor zwei Jahren ihren Abschluss an dieser Abendrealschule absolviert hat, ist auch er auf die Idee gekommen, sich dort weiter zu bilden. "Tagsüber gehe ich arbeiten und baue im Moment mit meiner Frau zusammen ein Haus. Aber mit Eifer und Fleiß ist die Schule wirklich machbar. Der Wille zählt", sagt Kistner. Zudem nimmt seine Motivation kein Ende: "Nach dem Abschluss möchte ich noch das Fachabitur machen und mich dann verbeamten lassen."

Mit dem gleichen Antrieb geht auch Eugene Kuhlmann an seinen Abschluss ran. Er kommt aus Luxemburg und hat erst in Deutschland seinen Hauptschulabschluss gemacht. Jetzt holt er auch noch seinen Mittleren Bildungsabschluss hier nach und arbeitet dafür das Wochenende durch. In seine Tätigkeit bei einer Sicherheitsfirma wird er an Orten wie der belgischen Grenze oder in Saarbrücken eingesetzt und nimmt somit teilweise enorme Fahrstrecken auf sich.

"Wer immer im Unterricht ist und mitarbeitet, der muss zu Hause nicht mehr viel wiederholen. Die Lehrer unterrichten uns so, dass wir es sofort verstehen. Man braucht nur Durchhaltevermögen", sagt Eugene Kuhlmann. Er möchte ebenso wie Valerij Kistner in Dillingen das Fachabitur machen.

"Die Schule hat ein riesiges Einzugsgebiet, da es diese Schulform neben Dillingen im Saarland nur noch in Saarbrücken an einer Schule gibt. In der Pfalz gibt es so etwas überhaupt nicht", sagt Schulleiter Hans-Peter Berdin. Er erklärt weiter, dass die Schüler an 20 Stunden in der Woche, montags bis donnerstags von 18 bis 22 Uhr, in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch als erste Fremdsprache, Geschichte, Erdkunde, Sozialkunde, Physik, Chemie und Biologie unterrichtet werden. Am Ende der zwei Jahre nehmen sie dann an der Abschlussprüfung der Tagesform teil. "Eine Hürde besteht noch darin, das erste Probehalbjahr zu bestehen. Wenn die Noten passen, kann es weiter gehen. Wenn nicht, haben die Schüler einmal die Chance, dieses zu wiederholen", merkt Berdin an.

Jeder, der mindestens 16 Jahre alt und im Besitz des Hauptschulabschlusses ist, kann aufgenommen werden. Für das Schuljahr 2017/18 können noch bis Freitag, 7. Juli, Anmeldungen beim Sekretariat der Schule am Römerkastell Dillingen, montags bis freitags von 8 bis 13 Uhr, abgegeben werden. Bei der Anmeldung sind ein Lebenslauf mit Darstellung des bisherigen Bildungsweges und eines etwaigen Berufsweges sowie das Original oder eine beglaubigte Kopie des Hauptschulabschlusszeugnisses vorzulegen. Außerdem ist noch ein Kopiergeld in Höhe von 30 Euro für die beiden Schuljahre zu entrichten.

Weitere Informationen: Für Rückfragen steht das Sekretariat zur Verfügung: Schule am Römerkastell Dillingen, Industriestraße 29, Telefonnummer (0 68 31) 9 86 96 00.