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In zwei Kulturen groß geworden

Alexander Lenhoff hat gut lachen: Er ist sowohl in Amerika als auch in Uchtelfangen aufgewachsen.Foto: Anika Meyer
Alexander Lenhoff hat gut lachen: Er ist sowohl in Amerika als auch in Uchtelfangen aufgewachsen.Foto: Anika Meyer
Orlando/Uchtelfangen. "Wenn ich in Amerika bin, bin ich 'der Deutsche', wenn ich in Deutschland bin, bin ich 'der Ami'", berichtet Alexander Lenhoff und muss grinsen. In Wahrheit ist er beides. Heute lebt der 24-Jährige in Orlando (Florida) und arbeitet bei einer Firma, die im Bereich Ausbildung forscht Von SZ-Mitarbeiterin Anika Meyer

Orlando/Uchtelfangen. "Wenn ich in Amerika bin, bin ich 'der Deutsche', wenn ich in Deutschland bin, bin ich 'der Ami'", berichtet Alexander Lenhoff und muss grinsen. In Wahrheit ist er beides. Heute lebt der 24-Jährige in Orlando (Florida) und arbeitet bei einer Firma, die im Bereich Ausbildung forscht. Seit der High School befindet sich sein Erstwohnsitz bei der amerikanischen Mutter, in den Kindergarten und zur Grundschule gegangen ist er beim deutschen Vater in Uchtelfangen. Schon als Kleinkind war es normal für ihn, mehrmals im Jahr zehn Stunden über den großen Teich zur jeweils anderen Familienhälfte zu fliegen.In Amerika hat Alexander schon in verschiedenen Staaten gewohnt, "wegen des Jobs meiner Mutter", erzählt er: Von Kansas in der Mitte der USA ging es ins westlichere Tennessee, dann nach Oklahoma, dann ganz in den Norden nach Minnesota und schließlich in den "Sunshine State" Florida in der subtropischen Zone. "Hier ist es am coolsten", meint er und das lässt sich nachvollziehen: Palmen, Strand und vor allem Sonne das ganze Jahr über. Selbst im Winter sind Temperaturen um 25 Grad die Regel. "Man kann surfen, in den Quellen Kanu fahren, oder die zahlreichen Naturparks genießen."



"In Deutschland mag ich den Wechsel der Jahreszeiten - Frühling mit Osterglocken und Weihnachten mit Schnee - außerdem den regeren Kontakt innerhalb der Familie." Auch die geliebte Linsensuppe und "alles, was die Oma immer gekocht hat", fehlen ihm bisweilen in Amerika.

Am meisten jedoch fehlen natürlich immer die Freunde und Familienmitglieder. Das war vor allem als Kind nicht immer einfach, ebenso wie der Umgang mit den beiden Kulturen. "Amerikanische Dinge fanden die deutschen Kinder bei mir immer seltsam. Ein paar Jahre später war es dann plötzlich cool, und alle hatten es." Dabei erinnert Alexander sich an einen Halloween-Kürbis als Kindergartentasche oder Erdnussbutter aufs Pausenbrot.

Doch die Zeiten ändern sich: Alexanders Welten wachsen zusammen. Wochenlang transportierte Briefe sind durch E-Mails ersetzt, Videotelefonie schafft eine neue Nähe, Deutsche und Amerikaner kommunizieren auf Facebook. Fliegen wird üblicher und so freut er sich besonders über Besuch aus Deutschland. "Außerdem ist es jetzt, wo viele meiner Bekannten auswärts studieren, sowieso normaler, nicht immer da zu sein", meint er. Bei seinem eigenen Auslandsjahr in Spanien habe er festgestellt, dass Deutsche und Amerikaner sich eigentlich sehr ähnlich seien.

Alles in allem sieht Alexander sein Aufwachsen in zwei Kulturen als großen Gewinn: "Der Blickwinkel ist einfach weiter. Es fällt einem einfacher, weitere Kulturen und Sprachen aufzunehmen. Wenn ich einmal Kinder habe, wünsche ich mir für sie ähnliche Erfahrungen."