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Festakt in der Hugenottenkirche
Sie will nicht von der Kanzel herab predigen

Annette Vollmer in der Hugenottenkirche in Ludweiler. Dort darf sie vom Sonntag an auch predigen oder taufen.
Annette Vollmer in der Hugenottenkirche in Ludweiler. Dort darf sie vom Sonntag an auch predigen oder taufen. FOTO: BeckerBredel
Ludweiler. Anette Vollmer (36), seit langen Jahren Jugendmitarbeiterin der evangelischen Kirchengemeinde Völklingen-Warndt, wird am Sonntag in der Hugenottenkirche als Prädikantin ordiniert. Sie will auch in dieser neuen Rolle ganz dicht bei den Menschen bleiben.

„Evangelische Jugend Völklingen-Warndt, Annette Vollmer“. Würde die freundliche Stimme am Telefon alle Funktionen in der Kirchengemeinde aufzählen, müsste die Meldung länger ausfallen. Annette Vollmer (36) ist nicht nur Jugendmitarbeiterin, sondern seit 2015 auch Diakonin. Und schon bald wirkt sie zusätzlich noch als Prädikantin. Vollmer wird jetzt am Sonntag feierlich ordiniert.


Ist Annette Vollmer schon ein bisschen aufgeregt? „Natürlich, das wird spannend“, verrät Vollmer am Mittwoch beim Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung im Johannes-Calvin-Haus. Das Wort Prädikant kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Prediger. Vollmers erste Predigt in neuer Funktion ist noch nicht ganz fertig. Das Thema wird sich an ihrem Segensspruch orientieren, einem Vers des Evangelisten Lukas: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“

Viele Menschen in der Region kennen die gelernte Erzieherin noch unter ihrem Geburtsnamen Kaufmann. Als Prädikantin wird sie einen Talar tragen, für ihre Predigten steigt sie aber nicht auf die Kanzel. Annette Vollmer möchte nicht von oben herab zu den Menschen sprechen, sie will ihnen auf Augenhöhe begegnen. „Es ist mir wichtig, dass die Gemeinde mich anspricht“, sagt die Kirchenmitarbeiterin. Die Gläubigen können zu ihr kommen, wenn sie etwas auf dem Herzen haben.

Prädikanten dürfen nicht nur predigen, sondern auch taufen, trauen und beerdigen. Sie haben dieselben Rechte und Pflichten wie ein Pfarrer, erklärt Annette Vollmer.

Menschen, zu denen sie bereits eine Beziehung aufgebaut hat, kann sie als Prädikantin zukünftig noch intensiver begleiten. Zwei Beispiele: In den von ihr gestalteten Kindergottesdiensten durfte sie bisher nicht mit dem Nachwuchs das Abendmahl feiern. Außerdem war es ihr verwehrt, Jungs und Mädchen aus ihrer Krabbelgruppe zu taufen.



Auf dem Weg zur Prädikantin stand Vollmer Pfarrer Otto Deutsch aus Klarenthal als Mentor mit Rat und Tat zur Seite. Für die Diakonin war die Ausbildung – genannt Zurüstung – nicht so intensiv wie für Kollegen, die nicht aus kirchlichen Berufen kommen.

Im Prinzip kann jeder Prädikant werden, der der evangelischen Kirche angehört. Allerdings bewirbt man sich nicht um dieses Amt, man wird vorgeschlagen. Annette Vollmer ist keine ehrenamtliche, sondern eine „beruflich mitarbeitende Prädikantin“.

Zukünftig ist sie vielfältig einsetzbar, aber nicht unbegrenzt verfügbar. Vollmer arbeitet wie bisher 30 Stunden in der Woche für die Kirchengemeinde. Zwei Trauungen, erzählt die zukünftige Prädikantin, habe sie bereits angenommen.

Annette Vollmer lebt in Ludweiler. Sie fühlt sich wohl im Ort und in der Kirchengemeinde. An ihren ersten Kontakt mit der Hugenottenkirche erinnert sie sich genau. Ihr Opa war damals Presbyter. Die kleine Annette durfte den Knopf drücken, mit dem das Glockenläuten ausgelöst wird.

Vollmers Familie ist in dem Warndtort fest verwurzelt, vor etwa 300 Jahren flüchteten die Vorfahren von Metz nach Ludweiler. Der französische Name wurde einfach ins Deutsche übersetzt: aus „Marchand“ wurde „Kaufmann“.

In ihrer Freizeit verbessert Vollmer zurzeit ihre Französischkenntnisse. Zwei weitere Hobbys lassen sich bei Bastelaktionen gut in die kirchliche Jugendarbeit einbinden: Vollmer filzt gern, und sie stellt selbst Seife her.

Am Sonntag, 17. Juni, wird Annette Vollmer von Superintendent Pfarrer Christian Weyer als Prädikantin eingeführt. Die feierliche Ordination in der Ludweiler Hugenottenkirche beginnt um 14 Uhr. Im Anschluss lädt die Evangelische Kirchengemeinde Völklingen-Warndt zum Empfang ins Johannes-Calvin-Haus ein.