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Vereine und Datenschutz
Datenschutz: Vereine kämpfen sich durch

Carsten Hauck vom Bienenzuchtverein Völklingen – hier beim Warndt Weekend aufgenommen – sieht gelassen auf die neuen Datenschutz-Regeln. Denn sein Verein ist klein.
Carsten Hauck vom Bienenzuchtverein Völklingen – hier beim Warndt Weekend aufgenommen – sieht gelassen auf die neuen Datenschutz-Regeln. Denn sein Verein ist klein. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Seit drei Wochen gilt die neue Daten­schutz-Grundverordnung. Bei Verstößen dagegen drohen hohe Strafen. Wie gehen Vereine in der Region damit um? Von Stephanie Schwarz

Es macht Vereinen das Leben schwer, das neue bürokratische Monstrum mit fünf Buchstaben: DSGVO. Konkret: Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union. „Seit März versuchen wir, die neue Verordnung umzusetzen, und sind damit noch lange nicht fertig“, sagt Jürgen Ehlen, Leiter der Geschäftstelle des Turnvereins (TV) Völklingen. Mit über 1500 Mitgliedern und 25 Abteilungen ist der TV der größte Verein in Völklingen. Seit drei Wochen jedoch sind die neuen Datenschutzregeln verpflichtend, an die sich Unternehmen, Vereine und auch Blogger halten müssen. Wer die Vorgaben nicht erfüllt, dem drohen Abmahnungen bis hin zu hohen Sanktionen: Bußgelder bis 20 Millionen Euro oder vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes eines Unternehmens.


Vereine bedeuten für viele Völklinger Familie, Geselligkeit und Zugehörigkeit. Ein Verein verbindet Menschen, man kennt und vertraut sich. Datenschutz? Bislang oft kein wirkliches Thema. Handynummern wurden weitergegeben, um Fahrgemeinschaften zu bilden, Vereine haben Spielerlisten auf ihrer Internetseite veröffentlicht oder Starterlisten für sportliche Wettbewerbe öffentlich ausgehängt. Das geht nun nicht mehr ohne Weiteres. Denn jetzt müssen Vereine für jegliche Art der Datennutzung oder Datenweitergabe, beispielsweise auf der Vereins-Seite, die Erlaubnis der Mitglieder einholen.

Um die Änderungen auf der Vereins-Homepage haben sich Ehlen und sein Team, in dem auch Ehrenamtliche arbeiten, als erstes gekümmert. Zum Beispiel den Aufnahmeantrag angepasst, die neue Datenschutzerklärung auf die Webseite gestellt oder auch die Berufe der Mitglieder von der Homepage gelöscht. Mit den Änderungen auf der Homepage seien sie rechtzeitig fertig geworden, sagt Ehlen. Aber in der vereinsinternen Bürokratie sei noch einiges zu tun.

Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass ein Verein mit einer Strafe in Millionenhöhe verfolgt wird, haben die Vereine trotzdem Angst, die neuen Regeln falsch umzusetzen. Denn auch geringe Strafen können für kleine Vereine existenzbedrohend sein. Das Problem: „Die rechtliche Grundlage der DSGVO ist sehr schwammig und nicht immer eindeutig“, erklärt Ehlen. Ein Beispiel: „Auf einer Informationsveranstaltung des Regionalverbandes zur neuen Verordnung erklärte ein Anwalt, dass auch Telefon- beziehungsweise Handynummern nicht mehr gespeichert werden dürfen“, erinnert sich Ehlen. Das sei für den Turnverein ein Problem: „Wenn Eltern ihre Kinder zum Training vor der Turnhalle absetzen, das Training jedoch ausfällt, benötigen wir einfach die Telefonnummern, damit die Eltern ihre Kinder abholen können. Die Nummern nicht zu speichern, ist dann doch fahrlässig.“

Das Speichern der Nummern, so habe der Anwalt ihm dann erklärt, sei zulässig, da es „Daten seien, die im berechtigten Interesse des Vereins sind“. „Dieser Punkt der DSGVO ist jedoch nicht im Detail definiert und kann je nach Bedarf ausgelegt werden“, sagt Ehlen. Die Rechtsunsicherheit sei dabei so groß, dass der Turnverein seit Monaten prüfe, was die Geschäftsführung nun genau tun müsse oder auch nicht, um keine Abmahnung zu erhalten. Oder schlimmer noch: eine Geldstrafe. „Deshalb wird uns die Umsetzung dieser Verordnung noch das ganze Jahr beschäftigen“, sagt Ehlen.



Ein weiterer Umstand verstimmt den Geschäftsstellenleiter sehr: „Wir haben die selben Daten gespeichert wie das Einwohnermeldeamt. Wie kann es sein, dass das Amt Anschriften an Firmen verkaufen darf und Vereine verklagt werden können, wenn sie zu viele Daten speichern?“

Auch kleine Vereine in Völklingen haben sich dem Bürokratie-Monstrum gestellt und alles erledigt. „Es war sehr viel Arbeit, aber wir sind mit den Änderungen rechtzeitig fertig geworden“, sagt Pascal Zimmer, Vizepräsident der Baskets 98 – mit rund 220 Mitgliedern. Allein an der neuen Datenschutzerklärung für die Webseite habe er rund fünf Stunden gesessen.

Auch Carsten Hauck vom Bienenzuchtverein in Völklingen – 99 Mitglieder – sieht den neuen Richtlinien gelassen entgegen. „Wir haben die Satzung geändert, die Schränke mit den Mitglieder-Ordnern sind eingesperrt und die Computerdaten mit einem Passwort gesichert“, sagt Hauck. Auch hier sollte es also keine Probleme geben.

Ein Ende der Datenschutzanpassungen ist beim TV Völklingen noch nicht in Sicht. Aber Jürgen Ehlen freut sich darauf, wenn die Bürokratie endlich ein Ende hat und er sich im Turnverein wieder um das Wesentliche kümmern kann: den Sport und die Mitglieder.