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Luisenthaler warten auf Taten

Luisenthal. Luisenthal lebte früher mit und vom Bergbau. 2007 setzten die Einwohner ihre Hoffnung auf ein Stadtteilentwicklungskonzept. Nachdem sich bisher nichts rührte, geht es nun an die Ausweisung eines großräumigen Sanierungsgebietes. Bernhard Geber

Auf der Bahnhofsuhr in Luisenthal ist die Zeit stehen geblieben. Konstant zeigt sie seit Jahren Elf vor elf. Und ebenso ist auch die Entwicklung in dem 1600-Einwohner-Stadtteil stehen geblieben - seit dem Entwicklungskonzept von 2007. "Bisher ist nichts von dem Ganzen passiert", sagt Wolfried Willeke, Sprecher der SPD-Fraktion im zuständigen Ausschuss. Und in der Zeit, in der das Stadtteilentwicklungskonzept beschriebenes Papier blieb, hat auch die Aufbruchsstimmung merklich nachgelassen. Über 200 Bürger, erinnert sich die Luisenthaler CDU-Stadtverordnete Ulrike Müller, hätten damals die Präsentation verfolgt. Zu einem Zeitpunkt, als der heutige Bürgermeister Wolfgang Bintz noch als Chef der RAG Montan Immobilien GmbH im Saarland amtierte. Jetzt könne man bei Bürgerversammlungen vielleicht noch mit 40 Teilnehmern rechnen.

Der große Anschub mit dem Energiepark-Plan der RAG mit der Tagesanlage Luisenthal ist bekanntlich gescheitert. Und nun geht es zunächst weiter mit Gutachter-Beauftragung und Papier . Der Völklinger Stadtrat hat im vergangenen Oktober einstimmig beschlossen, in dem Stadtteil ein großräumiges Sanierungsgebiet (siehe "Auf einen Blick") auszuweisen. Das gilt als Voraussetzung für Zuschüsse aus Städtebau-Förderungsprogrammen von Bund und Land. Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU ) hat nun das Vorhaben per öffentlicher Bekanntmachung gestartet. "Vorbereitende Untersuchungen zur Prüfung der Sanierungsbedürftigkeit des Stadtteils Luisenthal " heißt zunächst das Thema, und diesen Job soll die Planungsfirma Kernplan aus Illingen übernehmen.

"Wir würden uns wünschen, dass von den Dingen aus 2007 auch mal was umgesetzt wird", sagt derweil Ulrike Müller. Sie kann von ihrem Haus aus direkt auf die Grube und den maroden Bahnhof blicken. Dort hängt bereits seit Monaten ein Schild, auf dem die Main Asset GmbH, übrigens auch beim gescheiterten City-Center-Projekt in der Innenstadt im Spiel, das Gebäude zum Verkauf anbietet. Weitere Beispiele aus einer langen Liste, die Müller anspricht: Luisenthal lebt weiter mit dem Zustand, dass die Bahnlinie das Oberdorf vom Unterdorf trennt. Die einzige Passage an der Altenkesseler Straße zeigt sich nach wie vor als Nadelöhr für Autos und Fußgänger. Eine Aufweitung ist nicht in Sicht - und auch nicht eine Rampe, die in Höhe Bahnhof über die Gleise führen könnte. Ein Fußgängertunnel, der früher in der Nähe verlief, ist aus Sicherheitsgründen gesperrt worden. Und Müller vermisst schmerzlich einen Treffpunkt für die vielen Vereine im "Dorf", wie sie ihren Stadtteil nennt. Die alte Turnhalle sei nicht mehr zu nutzen. Und inzwischen stehe auch dem Bergmannsverein sein früheres Domizil, die Kaffeeküche der Grube, nicht mehr zur Verfügung.

Von vormals 17 Gaststätten zur Blütezeit in Luisenthal ist, wie Wirt Heiner Jochum registriert, nur sein Lokal "Zum Kumpel" als Treffpunkt übrig geblieben. "Alles müsste geändert werden", sagt uns dort spontan am Tresen SPD-Kommunalpolitiker Heinz-Peter Brandt - vom Bahnhof über das Grubengelände bis hin zum Verkehrs-Dauerlärm. Und da wäre man in Luisenthal auch schon froh über kleine Schritte.

Oberbürgermeister Lorig äußerte kürzlich beim CDU-Neujahrsempfang die Erwartung, dass bald zumindest einige Ruinen auf der Tagesanlage abgerissen würden, "bei deren Anblick man das Schaudern kriegt". Bewegung zeigt sich bei der Deutschen Bahn AG. Sie hat ein Lärmschutzprogramm angekündigt, das ab 2018 greifen könnte. Frisch renovierte Häuser beweisen derweil, dass Bürger die Hoffnung auf ein schöneres Luisenthal nicht aufgegeben haben. Und die frühere Grundschule ist mit einem VHS-Lernzentrum zu neuem Leben erwacht.



Zum Thema:

Auf einen BlickDer Untersuchungsauftrag für das Kernplan-Institut umfasst derzeit ganz Luisenthal , über 130 Hektar Fläche einschließlich Tagesanlage und Halde. Erste Ergebnisse der Untersuchung sollen am 11. Februar im zuständigen Ausschuss des Völklinger Stadtrates vorgestellt werden. er

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