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Im Gegensatz zur so genannten Sterbehilfe
„In Würde leben bis zum letzten Moment“

Ziel der Hospizbewegung ist es, Sterbende zu begleiten.
Ziel der Hospizbewegung ist es, Sterbende zu begleiten. FOTO: dpa / Sebastian Kahnert
Völklingen/köllertal. Drei Frauen in Völklingen haben eine gemeinsame Aufgabe: Sie machen Sterbenden den Weg bis ans Lebensende leichter und trösten die Angehörigen. Von Bernhard Geber

„Jeder von uns ist auf unterschiedliche Weise für die Menschen da“, sagt Andrea Schwindling. Es geht um Schwerstkranke, die dem Tod ins Auge sehen müssen. Und um ihre Angehörigen, die mit ihnen leiden. Schwindling ist Theologin und Gemeindereferentin in der Völklinger Pfarreiengemeinschaft St. Eligius. Sie versieht unter anderem den Beerdigungsdienst. Wir haben Andrea Schwindling mit Heike Steuer und Gisela Rink zum Redaktionsgespräch eingeladen. Heike Steuer vertritt das Ambulanten Hospiz St. Michael mit Sitz in der Kreppstraße in Völklingen. Das Ambulante Hospiz kümmert sich darum, dass Betroffene möglichst lange zu Hause betreut werden können. Wenn das nicht oder nicht mehr möglich ist, hilft eine stationäre Einrichtung wie das Hospiz St. Barbara in Bous. Gisela Rink, die dritte Gesprächspartnerin, ist dort engagiert. Die frühere Landtags-Vizepräsidentin aus Völklingen hat den Vorsitz des Fördervereins übernommen.


Die Arbeit läuft innerhalb der saarländischen Hospizbewegung. Im Land engagieren sich auf diesem Feld derzeit 29 stationäre oder ambulante Einrichtungen und Dienste und über 600 ehrenamtlich Tätige. Beim Ambulanten Hospiz St. Michael, zuständig für Völklingen, Köllertal und Warndt, sind es derzeit an die 60, fast ausschließlich Frauen.

Gisela Rink hat einen Leitspruch, aufgedruckt auf einem handlichen Lesezeichen, mitgebracht. „Gestorben wird immer, darüber gesprochen wird zu wenig.“ Und genau darüber wollen wir kurz vor den Gedenktagen Allerheiligen, Allerseelen und Totensonntag sprechen.



„Man verdrängt das Thema einfach“, sagt Rink. „Obwohl jeder weiß, dass der Tag für ihn kommt.“ Schwindling: „Tod und Sterben wird vielfach aus der Gesellschaft ausgeblendet. Früher gehörte der Tod mit zum Leben. Im Haus zu sterben, war das Normale.“ Steuer meint: „Die Kompetenzen, mit Schwerstkranken umzugehen, sind verloren gegangen.“

Wie können Betroffene und Angehörige mit der Situation umgehen? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Beratungsgespräche, die die drei Hospizfachkräfte anbieten. „Zu uns kann man immer kommen“, versichert Heike Steuer. Wobei neben der medizinischen und pflegerischen Seite vor allem das Menschliche eine Rolle spielt. Wie die Überlegung: „Was will ich noch ins Reine bringen? Es stirbt sich leichter, wenn man nichts mehr zu bedauern hat“, sagt Steuer. Ohne Fachkräfte läuft nichts. Aber die Ehrenamtlichen spielen eine wichtige Rolle. Wenn sie den zu Betreuenden, derzeit 119, Zeit und Zuwendung schenken, entlasten sie damit auch die pflegenden Angehörigen. Und man nimmt auch selbst etwas mit. „Menschen, die sich mit dem Thema beschäftigen, lernen es, jeden guten Tag zu genießen“, weiß Heike Steuer.

Erstes Ziel der Hospizbewegung ist es, dass Menschen bis zum letzten Moment in Würde zu Hause leben können. Aber vielleicht fällt  auch die Entscheidung für das stationäre Hospiz. Neben dem St. Barbara-Hospiz in Bous (zehn Plätze) gibt es in der Nähe das Paul-Marien-Hospiz am Evangelischen Krankenhaus in Saarbrücken (16 Plätze). Gisela Rink legt Wert darauf, dass die Menschen in Bous nicht als Patienten, sondern als „Hospizgäste“ betrachtet werden. Rink: „Es gibt keine sterile Krankenhausatmosphäre und keinen starren Tagesablauf. Wir wollen die Lebensqualität erhalten, und, wenn es geht, auch fördern.“ Im Hospiz werde sogar zusammen gekocht und auch mal gefeiert.

Seelsorger sind schon zuvor gefragt. Doch wenn die letzte Stunde schlägt, ist Andrea Schwindling besonders gefordert. Mittlerweile ist es gang und gäbe, dass auch Frauen bei den Katholiken in Völklingen Beerdigungen vorbereiten und durchführen. „Ich gehe zunächst zu den Menschen und höre ihnen zu“, sagt Schwindling. „Der Glaube ist nur ein Angebot. Meine persönliche Botschaft lautet: Wir dürfen als Christen daran glauben, das nach dem Tod ein neues Leben bei Gott beginnt.“

Die Betreuung hat auch ihre Kostenseite. Den Löwenanteil übernehmen die Kranken- und Pflegekassen. Doch fünf Prozent der laufenden Kosten müssen die Hospize selbst über Spenden aufbringen. Darum kümmert sich in Bous der Förderverein. Und Gisela Rink ist stolz darauf, dass es möglich ist, diese Summe von rund 60 000 Euro pro Jahr aufzubringen. Auch das Ambulante Hospiz St. Michael hat einen Förderverein. Vorsitzender ist Dr. Dietrich Wördehoff, früherer Chefarzt und Begründer der Palliativstation am ehemaligen Michaelskrankenhaus in Völklingen.

Die Gesprächspartner: (von links) Andrea Schwindling, Gemeindereferentin St. Eligius; Gisela Rink, Förderverein St. Barbara-Hospiz Bous, und Heike Steuer, Ambulantes Hospiz St. Michael Völklingen, das auch für das Köllertal zuständig ist.
Die Gesprächspartner: (von links) Andrea Schwindling, Gemeindereferentin St. Eligius; Gisela Rink, Förderverein St. Barbara-Hospiz Bous, und Heike Steuer, Ambulantes Hospiz St. Michael Völklingen, das auch für das Köllertal zuständig ist. FOTO: BeckerBredel