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Öffentlicher Nahverkehr in Saarbrücken: Verspätungen sind Ärgernis Nummer eins

Öffentlicher Nahverkehr in Saarbrücken : Verspätungen sind Ärgernis Nummer eins

Fahrgastbeirat der Saarbahn GmbH greift Kritik am Nahverkehr auf. Aber er sagt auch: Das Unternehmen ist nicht an allem schuld.

102, 105, 107, 108, 124, 125, 175. Das sind sieben der vielen Saarbrücker Buslinien, die für Tausende Saarbrücker den Alltag prägen. 45 Minuten für fünf Kilometer. Das ist eine Zahl und eine Distanz aus einem typischen Saarbrücker Fahrgast-Leben, dem Hantieren mit Haltestellen, Verbindungen, Umwegen – und Verspätungen.

Erika Schäfer und Martin W. Dick spüren die Stimmung in den Bussen jeden Tag. Auf dem Weg zur Arbeit, nach Feierabend, vor dem Hobby, auf dem Heimweg. Beide organisieren ihr Leben ohne eigenes Auto. Also ohne dessen Folgekosten und ohne Parkplatzsuche. Das sind Vorteile, die Dick und Schäfer durchaus sehen, und auf die sie hinweisen.

Im Gegenzug müssen die beiden Vielfahrer ihre Tagesabläufe ständig nach Linien und Fahrplänen ausrichten. Damit das so gut wie möglich klappt, und zwar für alle Kunden in den Bussen und Saarbahnen, melden Schäfer und Dick sich, sobald es irgendwo hakt. Dick ist der Sprecher des 18-köpfigen Saarbahn-Fahrgastbeirates, Schäfer seine Stellvertreterin.

Der Beirat tagt zweimal im Jahr. Genauso oft holt das Verkehrsunternehmen auf detaillierten Fragebögen die Meinungen der Beiratsmitglieder ein. Das ist aber nur das Grundgerüst der Beiratsarbeit. Vor allem die beiden Sprecher kontaktieren das Unternehmen regelmäßig, um Verbesserungen anzumahnen, Missstände abzustellen, auf dem Laufenden zu bleiben.

Sie finden meist offene Ohren. Dicks Ansprechpartner sind die Leute vom Qualitätsmanagement der Saarbahn. Reaktionen? Rasch bei kleinen Dingen, wenn etwa fehlende Fahrpläne an einer Haltestelle zu ersetzen sind. Den großen Herausforderungen wie dem immer noch großen Personalmangel ist dagegen nicht so leicht beizukommen. Das hat Folgen.

Die versierten Vielfahrer vom Beirat bekommen die Stimmung in der Kundschaft an den Haltestellen und in den Bussen mit. „Die Leute sind unzufrieden“, sagt Schäfer. Für ihr persönliches Linien-Paket verzeichnet Schäfer eine Unpünktlichkeitsquote von 30 Prozent. Dabei zählt sie Verspätungen bis zu fünf Minuten nicht einmal mit.

Pünktlichkeit und die Fahrt-Ausfälle seien denn auch die großen Themen an den Haltestellen. Wer da wichtige Termine einhalten will, müsse einen Bus früher nehmen, rät Schäfer.

„Das sieht bei mir besser aus“, sagt Martin Dick. Er nennt für seine Fahrten zwischen Alt-Saarbrücken und dem Rodenhof auf der 124 und der 125 eine Unpünktlichkeitsquote um die zehn Prozent.

Die Ursachen sehen Schäfer und Dick nicht nur im Unternehmen, das noch immer gegen großen Personalmangel ankämpfe. „Aber wie sollen schnell neue Busfahrer ins Unternehmen bekommen, wenn der Arbeitsmarkt auf diesem Sektor fast leergefegt ist?“, fragt Dick.

Dauerbaustellen, Falschparker an Haltestellen – gerade erst wieder in der Eisenbahnstraße zu beobachten –, Staus mit Folgen bis hin zu den Lenkzeiten und damit verbundenen Zwangspausen verzögern Busfahrten in Saarbrücken ja auch. Außerdem sei die Saarbahn nicht einmal immer für das zuständig, was die Fahrgäste bemängeln. So müsse die Deutsche Bahn und nicht die Saarbahn GmbH Toiletten im Brebacher Bahnhofsgebäude einbauen und die Aufzüge funktionstüchtig halten.

Geht es nach dem Beirat, dann hat sich über das Saarbahn-Liniennetz hinaus etwas im saarländischen öffentlichen Nahverkehr zu wandeln. „Das komplizierte Wabensystem muss grundlegend geändert werden“, sagt Martin Dick. Damit noch mehr Menschen aus Überzeugung auf Bahn und Bus umsteigen und das nicht bereuen.

Dick und Erika Schäfer werden auch an diesem Tag genau hinschauen und Bescheid geben. Etwa über den Fall der Rollstuhlfahrerin, die der Bus trotz Reklamation auch ein zweites Mal nicht mitgenommen habe.

Dick und Schäfer verstehen, dass das nervt. Aber an die richtige Adresse müsse so etwas doch gelangen. Dafür sorge der Fahrgastbeirat. „Und wir werden bei den entsprechenden Stellen im Unternehmen nachhaken.“

Die beiden Beiratssprecher fahren weiterhin mit Saarbahn und Bus durch die Stadt. Sie warten damit eben nicht, bis Saarbrückens Verkehrsentwicklungsplan bessere Bedingungen für das Umsteigen auf die „Öffentlichen“ geschaffen hat – auf den Straßen der Stadt, wie Schäfer hofft. Und nicht nur auf dem Papier.

Kontakt: Als häufige Bus- und Saarbahnnutzer empfehlen Erika Schäfer und Martin Dick, Fragen zum Fahrplan und zu aktuellen Ausfällen an das Saarbahn Service Center in St. Johann zu richten. Es ist in der Nassauer Straße 2-4, Tel. (06 81) 50 03 377. Geöffnet ist es montags bis freitags von 9 bis 17.45 Uhr und am letzten Samstag im Monat von 9 bis 13 Uhr.

www.saarbahn.de/
service/fahrgastbeirat