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Das hört man als Bürger gerne
Überaus flink sind die Wehrleute vor Ort

NIcht nur um Brandkatastrophen bewältigen zu können, müssen die Feuerwehren bestens ausgestattet sein.
NIcht nur um Brandkatastrophen bewältigen zu können, müssen die Feuerwehren bestens ausgestattet sein. FOTO: A3462 Marcus F¸hrer / dpa
Friedrichsthal. Experte der Berufsfeuerwehr referierte über den Stand der Dinge in der Stadt Friedrichsthal mit erstaunlichen Erkenntnissen.

Der Tagesordnungspunkt kam kurzfristig auf die Agenda des Friedrichsthaler Stadtrates, auch weil er wichtig ist. Einstimmig billigte der Rat in seiner jüngsten Sitzung die Fortschreibung des Brandschutzbedarfs- und Entwicklungsplans. „Vor einigen Jahren wurde gesetzlich festgelegt, dass dies alle fünf Jahre passieren muss“, sagte Friedrichsthals Bürgermeister Rolf Schultheis und hob hervor, dass dies auch für ihn mehr ist, als eine reine Formalität:


„Die Leute bei der Feuerwehr, dem Roten Kreuz oder dem Technischen Hilfswerk versehen ein ganz besonderes Ehrenamt. Und so lange es läuft, nimmt kaum jemand davon Notiz. Erst wenn etwas passiert, wird uns der Wert so richtig bewusst.“ Dass diese Wertigkeit auch Kosten verursacht, ist Rat und Verwaltung gleichermaßen klar. Dass es dafür aber keine zusätzliche Unterstützung beispielsweise vom Land gibt, hält Schultheis schlichtweg für falsch: „Da träumen einige von der schwarzen Null, sehen aber nicht, was für ein Bedarf wirklich besteht.“

Diesen Bedarf und den Zustand der Wehren in Friedrichsthal und im Stadtteil Bildstock hatte sich Michael Theobald von der Saarbrücker Berufsfeuerwehr genau angesehen und dem Rat in einer Präsentation vorgestellt.

Dabei nannte er auch die Probleme, die bei der großen Übung im Bildstocker Eisenbahntunnel (wir berichteten ausführlich) zu Tage getreten sind. Die Hilfsfrist von 15 Minuten wurde nicht eingehalten, die Menschenrettung sei unmöglich gewesen. Die Wasserversorgung vor Ort habe ebenso Probleme bereitet wie die Belüftung des Tunnels. Es fehlte auch eine Wärmebildkamera. Doch was jetzt dramatisch klingt, ist nur das Ergebnis eines Tests in einer Extremsituation. Das „tägliche“ Geschäft stellt sich ganz anders dar. Hier bekommen die Wehren der Stadt mit wenigen Abstrichen Bestnoten. „Bei über 70 Prozent der Einsätze ist man schneller vor Ort als gefordert“, lobte Theobald beispielsweise die Ausrückzeit, „auch bei den Fahrzeugen ist man noch sehr gut aufgestellt. Es fehlt alleine ein Einsatzleitwagen, ELW genannt“.

Doch das rollende Inventar kommt in die Jahre. Ein Mercedes Benz Tanklöschfahrzeug (TLF) hat schon 30 Jahre auf dem Buckel. Und auch ein Mannschaftstransportfahrzeug (MTF) ist längst nicht mehr im Bestzustand. Eine Ersatzbeschaffung ist unumgänglich. Experte Theobald riet zu einer Kombi-Lösung: Ein MTF, das gleichzeitig ELW sein kann. Am neuen und teuren TLF führe kein Weg vorbei. „Es ist ein Fahrzeug, das sehr viel Löschwasser mit sich führt“, erklärte der Experte, „gerade in einigen Bereichen auf dem Hoferkopf, der Erkershöhe und eben am Eisenbahntunnel reicht der Wasserdruck aus den Leitungen nicht aus.“



Vorbildlich aufgestellt ist die Jugendwehr mit 39 Kindern und Jugendlichen. Das ist wichtig auch im Hinblick auf die Zukunft und die sogenannte Tagesverfügbarkeit. Immer weniger Wehrleute arbeiten in Friedrichsthal und stehen damit in der Zeit zwischen 10 und 16 Uhr nicht zur Verfügung. Noch werde aber die notwendige Sollstärke erreicht. Die Bürgerinnen und Bürger können sich also auf ihre Wehr verlassen. Verwaltung und Rat müssen allerdings die Brandschutzsatzung und die Brandschutz-Gebührensatzung zeitnah auf einen aktuellen Stand bringen. Bürgermeister Schultheis war dennoch mit dem Ergebnis zufrieden: „Es zeigt, dass wir auch in unserer schwierigen Situation alles dafür getan haben, die Wehr auf einem guten Stand zu halten.“