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Kritik am Wildtierverbot
Das Wildtierverbot stößt auch auf Bedenken

Wenn es nach der FDP-Fraktion im Stadtrat geht, wären Elefanten bei Zirkusgastspielen in Saarbrücken nicht mehr zu sehen.
Wenn es nach der FDP-Fraktion im Stadtrat geht, wären Elefanten bei Zirkusgastspielen in Saarbrücken nicht mehr zu sehen. FOTO: picture alliance / dpa / Tobias Hase
Saarbrücken. Befürworter von Exoten im Zirkus schreiben an Oberbürgermeisterin und Ratsfraktionen. Sie sehen ein „Kulturgut“ in Gefahr.

Zirkussen mit Elefanten, Löwen, Tigern und anderen großen Exoten soll die Saarbrücker Verwaltung keine städtischen Plätze mehr geben. Über diesen Antrag will die FDP-Fraktion des Stadtrats in der Mai-Sitzung abstimmen lassen.


Geht er durch, würde Saarbrücken es rund 80 deutschen Städten gleichtun, in denen es derartige Beschlüsse bereits gibt.  Damit das nicht geschieht, schaltet  sich jetzt, wie schon 2017,  „Tiere gehören zum Circus“, ein „Zusammenschluss ehrenamtlich tätiger Zirkusfreunde“, in die Diskussion ein.

Im vorigen Jahr scheiterte ein erster Anlauf der FDP-Fraktion für ein Wildtierverbot. Sie geht diesmal einen anderen Weg, beruft sich auf die Gefahren, die ein reisendes Unternehmen wie ein Zirkus mit sich bringe. Gefahren, die mit dem Wildtierverbot zu vermeiden seien.



Wegen dieses zweiten Anlaufs schrieb das Bündnis einen offenen Brief an Oberbürgermeisterin Charlotte Britz und an alle Stadtratsfraktionen. Es gehe um den Erhalt des Kulturguts „Klassischer Zirkus“ auf der Basis von „modernen Standards guter Tierhaltung“.

Die Befürworter richten ihre Argumente für Wildtiere im Zirkus an den Thesen aus, mit denen die Organisation Peta gegen diese Betriebe argumentiert. Diese behauptet, Wildtiere könnten in reisenden Zirkusunternehmen nicht tiergerecht gehalten werden.

Doch es gebe dazu gar keine unabhängige Studie, wie ein Gutachten vom Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages belege, sagen die Wildtierfans. Vielmehr seien fast alle Wissenschaftler bei Vor-Ort-Untersuchungen zu dem Schluss gekommen, „dass eine tiergerechte Unterbringung von Wildtieren in einem reisenden Zirkus sehr wohl möglich ist und in modernen, verantwortungsvollen Unternehmen auch praktiziert wird“. Das Training in der Manege habe eine stimulierende Wirkung auf die Tiere und fördere deren körperliche und geistige Fitness.

Peta argumentiere, dass es bei der Hälfte aller amtstierärztlichen Kontrollen zu Beanstandungen komme. Dem entgegnen die Wildtierbefürworter, es gebe bundeseinheitliche Regeln, wie Veterinärämter in jedem Gastspielort zu kontrollieren haben. Der Zirkus sei der meist kontrollierte Tierhaltungsbetrieb Deutschlands.  Die behaupteten Mängel bei jeder zweiten Kontrolle halten die Wildtierbefürworter für unzureichend dokumentiert.  Tatsächlich übertreffe die Zahl der Kontrollen ohne beanstandete Mängel die Zahl der Beanstandungen um ein Vielfaches.

Die Behauptung, zwei Drittel der Deutschen unterstützten repräsentativen Umfragen zufolge ein Wildtierverbot im Zirkus, halten die Kritiker des Vorhabens für nicht  glaubhaft. Das Ergebnis solcher Umfragen hänge immer von der Art der Frage ab. Für die Beliebtheit der klassischen Tier-Nummern spricht demnach der „enorme Erfolg“ des Circus Krone bei seiner Tournee durch Bayern. Binnen weniger Wochen hätten Zehntausende die Vorstellungen des wildtierreichsten Zirkus in Deutschland mit seinen Elefanten, Löwen, Tigern, Seelöwen, Zebras und Papageien gesehen. Da der Circus seine Wildtiere in der Werbung groß herausstelle, „kann man davon ausgehen, dass sich diese Menschen bewusst für einen Besuch in einem traditionellen Zirkus mit Wildtieren entschieden haben“.

„Auch unter dem Aspekt der Gewährleistung der Sicherheit (…) ist die Haltung exotischer Tiere im reisenden Zirkusbetrieb abzulehnen“, argumentiert die Organisation Peta. Genau dieses Argument greift nun die FDP in ihrem  Antrag auf und beruft sich auf schwere Zwischenfälle, die es mit ausgebrochenen Zirkustieren gegeben habe. Dem hält das Aktionsbündnis entgegen, „von einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit durch die Wildtierhaltung im Zirkus, wie sie als Grund für ein Verbot angeführt wird, kann keine Rede sein“. Großwildtiere wie Elefanten, Nashörner oder Flusspferde, die von einem Wildtierverbot im Zirkus betroffen wären, seien mangels relevanter Vorkommnisse in keinem einzigen deutschen Bundesland auf den Listen gefährlicher Tierarten geführt. Die meisten Unfälle mit wilden Tieren gebe es mit Reptilien in Privathaushalten. Unfälle mit Zirkustieren spielten praktisch keine Rolle. Dass Tierrechtler „Einzelfälle“ wie den unter ungeklärten Umständen 2015 aus einem Zirkus entlaufenen Elefanten  immer wieder aufgreifen, spreche für diese These (Anmerkung der Redaktion: Der Elefant hatte damals einen Fußgänger getötet). Tatsächlich sei im Zirkus das Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier Grundlage für jede Dressur und Garant für Sicherheit. Außerdem stünden kommunale Wildtierverbote  im Gegensatz zu Regelungen des Bundes und seien deshalb immer fragwürdig.

Die Wildtierbefürworter listen entsprechende Urteile auf. Was allerdings die FDP-Stadtratsfraktion in diesem politischen Streit auch tut und gute Aussichten für sich in Anspruch nimmt, diesmal mit einem neuen juristischen Ansatz vor der Kommunalaufsicht zu bestehen.

Die Antragskritiker argumentieren, kommunale Wildtierverbote führten nicht zu einem Verschwinden der Wildtiere im Zirkus, sondern verschlechterten nur die wirtschaftliche Lage der Unternehmen. „Dies könnte zu einem unkontrollierten Zusammenbruch der Zirkusszene führen – mit allen damit verbundenen Nachteilen und Risiken für die Tiere.“ Deshalb solle der Stadtrat den Antrag für ein Wildtierverbot in Saarbrücken ablehnen.

Im Mai wird sich zeigen, wessen Argumente durchdringen.

Raubkatzen gehören zu den Attraktionen des Circus Krone. Seine Tournee-Erfolge sind für die Wildtierbefürworter ein Beweis, dass Exoten in der Manege nach wie vor gut beim Zirkuspublikum ankommen.
Raubkatzen gehören zu den Attraktionen des Circus Krone. Seine Tournee-Erfolge sind für die Wildtierbefürworter ein Beweis, dass Exoten in der Manege nach wie vor gut beim Zirkuspublikum ankommen. FOTO: dpa / Tobias Hase