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Das geht ins Geld: Teure Sicherheitsauflagen verhindern Feste

Das geht ins Geld : Teure Sicherheitsauflagen verhindern Feste

Wer in seinem Stadtteil feiern will, muss mittlerweile sehr viel Geld ausgeben, um seine Gäste vor Terroranschlägen zu schützen.

An Zulauf mangelte es nie, wenn das „Chinesenviertel“ in den vergangenen Jahren zum Nauwieser Fest rief. Dicht an dicht drängte sich das Publikum durch die Gassen – und die Gäste mussten sich im Menschenstrom treiben lassen, um zum Beispiel an eine der Bühnen zu gelangen. Dieses Jahr fällt das Nauwieser Fest flach.

Ebenso, wie das Burbacher Dorfspektakel, das wegen Terminfindungsproblemen aussetzt. Kein Fest gibt’s auch in Ensheim, Bischmisheim und Brebach.  Und die Liste ließe sich bequem verlängern.

Die SZ hat versucht, die wichtigsten Gründe für das Feste-Sterben aufzuspüren. Die Spurensuche führte über Duisburg, Nizza, Paris, Berlin und weitere internationale Schauplätze.

Denn: „Die Sicherheitsbestimmungen wurden erheblich verschärft“, weiß Willi Maas, Mitorganisatoren eines der wenigen verbleibenden Stadtteilfeste. Maas ist mit etwa 18 Personen der Arbeitsgemeinschaft St. Arnual einer der Macher des Daarler Dorffestes.

Bei der Loveparade im Ruhrpott waren es noch Planungsmängel, die zur Katastrophe mit vielen Toten und Verletzten führten. An den anderen Schauplätzen sorgten Terroranschläge für Katastrophen. Und die Behörden reagierten damit, dass sie den Festorganisatoren immer mehr Auflagen machten.

Neben vielen Dingen, die sich im Hintergrund der Veranstaltungen abspielen, nennt Maas die für alle Festbesucher offensichtlichsten: „Die Absperrungen an den Zufahrtsstraßen mit Betonklötzen oder Lkw, damit keine größeren Fahrzeuge in die Menschenmnge rasen können.“ Verständnis dafür ist da – spätestens seit ein Terrorist mit einem Sattelschlepper in den Weihnachtsmarkt auf den Berliner Breitscheidplatz gerast ist.

Die Kosten für die Absperrungen lassen die Festveranstalter dann aber blass werden. „Die Sicherheitskosten sind horrend geworden“, berichtet Norbert Küntzer. Er ist einer der Hauptverantwortlichen für eines der größten Volksfeste im Land, das Saarbrücker Altstadtfest. Küntzer organisierte bereits vor mehr als 20 Jahren kleinere Feste wie den „Molschder Jugendwahn“ an der Westspange.

Die konkreten Zahlen für das Altstadfest nennt er nicht, aber einen Vergleich: „Noch 2007 lagen die Kosten für die Sicherheit bei einem Zehntel der heutigen Kosten.“ Denkt er an den „Jugendwahn“ zurück, dann muss er lachen: „Verglichen mit heute, war das aus der Portokasse zu zahlen.“

Auch die eigentlichen Veranstaltungskosten stiegen, wie er berichtet: „Die Veranstaltungstechnik ist besser geworden, kostet also auch mehr.“ Die Lohnkosten für die Veranstaltungstechniker sind aus zwei Gründen gestiegen: „Zum einen hat man da jetzt ausgebildete Fachkräfte, zum anderen gilt auch hier der Mindestlohn, was ich für absolut richtig halte.“

Zurück zur Sicherheit, in die nicht nur viel Geld, sondern auch viel Zeit zu investieren ist. „Unzählige Besprechungen mit Polizei, Unterer Bauaufsicht (UBA) und anderen Beteiligten“, sagt Küntzer. Und Maas bestätigt das.

Küntzer und seine Abteilung erledigen das zwar als Hauptjob, dennoch sagt er: „Wenn es auf die Veranstaltungen zugeht, dann sind wir personell auf Kante genäht.“ Maas und andere Ehrenamtler müssen für solche Besprechungen sogar knappe Freizeit opfern. Küntzer: „Bei solchen Besprechungen werden die Veranstaltungen eingestuft, Risiken abgeschätzt und die entsprechenden Forderungen formuliert, und davon rücken weder UBA noch Polizei einen Millimeter ab.“

Maas nennt ein Beispiel: „Neuerdings muss es im Bühnenbereich auch noch ein Megafon geben.“ Und zwar ein vom Stromnetz unabhängiges, damit der Platz auch im Falle eines Stromausfalls, wenn weder Mikrofone noch Beschallungsanlage funktionieren, geordnet geräumt werden kann.

So sieht es aus, wenn das „Daarler Dorffest“ beginnt.     Foto: BeckerBredel

„Und nicht zuletzt muss das auch noch alles im Sicherheitskonzept schriftlich festgehalten werden“, zählt Küntzer auf. Hinzu komme, dass die Vereine, auf deren Schultern einst die Feste in den Stadtteilen lasteten, personell immer schwächer würden. So sei das Ensheimer Dorffest unter anderem deshalb vom Veranstaltungskalender verschwunden, weil der Gesangsverein kaum noch Personal für den eigenen Stand aufbringen kann. Ersatzweise veranstaltet der Musikverein Arion hin und wieder ein kleineres Sommerfest. Und da wegen der enorm gestiegenen Kosten immer weniger für die Vereinskasse übrig bleibt, sinkt verständlicher Weise auch die Motivation der Ehrenamtlichen. Schließlich ist es ja mit der Bewirtung und Unterhaltung während des Festes alleine nicht getan. Maas: „Dazu kommen ja dann noch neben Vor- und Nachbereitung viele, viele Stunden für Auf- und Abbau.“