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Saarland-Modell ermöglicht den Fußball-Saarlandligisten den Neustart

Fußball-Saarlandliga : Nach 158 Tagen wieder auf dem Platz

Als erster Fußball-Saarlandligist aus dem Regionalverband Saarbrücken haben die SF Köllerbach nach Inkrafttreten des „Saarland-Modells“ das Training wieder aufgenommen. Weitere Clubs wollen bald nachziehen, andere zögern noch.

Die lange Leidenszeit der Amateurfußballer im Saarland aufgrund des Sportverbots wegen der Corona-Pandemie ist – momentan – vorbei: Nachdem Mannschafts-Training auf dem Platz mehr als fünf Monate lang nicht erlaubt war, kehrten die Kicker der SF Köllerbach am Dienstagabend nach 158 Tagen ohne Übungseinheit auf das Spielfeld zurück. „Das war schon ein wenig Gänsehaut, seine ganzen Kumpel nach so langer Zeit wieder zu sehen“, sagte Köllerbachs Spielertrainer Robin Vogtland. Und ergänzt: „Es hatten alle richtig viel Spaß. Daran sieht man auch wieder, wie wichtig die gesellschaftliche Rolle des Fußballs ist.“

 Kapitän Jerry Laloe von den SF Köllerbach wird im Trimm-Treff ein Abstrich genommen. Ein tagesaktueller negativer Corona-Test ist Voraussetzung, um in einer Kontaktsportart wie Fußball regulär trainieren zu dürfen.
Kapitän Jerry Laloe von den SF Köllerbach wird im Trimm-Treff ein Abstrich genommen. Ein tagesaktueller negativer Corona-Test ist Voraussetzung, um in einer Kontaktsportart wie Fußball regulär trainieren zu dürfen. Foto: Ruppenthal

Die SF Köllerbach waren der erste Saarlandligist aus dem Regionalverband Saarbrücken, der seinen Spielern nach den Lockerungen im Rahmen des „Saarland-Modells“ ein Training anbot – und das, obwohl die Saison 2020/2021 nicht fortgesetzt wird. Sie wurde abgebrochen (wir berichteten). „Wir wollen als Verein unseren Mitgliedern dieses Angebot ermöglichen“, erklärt Sportvorstand Bernd Gillet. Mannschaftsmanager Manfred Maurer-Philippi, der auch als sogenannter Hygiene-Beauftragter der SF Köllerbach fungiert – und damit eine der wichtigsten Aufgaben beim Neustart hat – berichtet: „Das Hygienekonzept, das wir noch aus dem vergangenen Jahr hatten, haben wir entsprechend der neuen Vorgaben angepasst.“

Die wichtigste Neuerung im Hygienekonzept: Nach aktueller Verordnungslage dürfen nur Personen mit tagesaktuellem Schnelltest am Training teilnehmen. Für diese haben die SF Köllerbach mit dem benachbarten Testzentrum im Püttlinger Trimm-Treff ein Zeitfenster von 20 Minuten zwischen 18 Uhr und 18.20 Uhr gebucht. „Normalerweise schließt das Center um 18 Uhr. Es hat sich aber bereit erklärt, uns danach noch zu testen“, sagt Gillet, der sich über die gute Zusammenarbeit freut: „Dass wir diese Möglichkeit haben, kam uns natürlich entgegen. Wir hätten aber auch anders versucht, ins Training zurückzukehren.“

Kurz nach 18.30 Uhr konnte Maurer-Philippi am Dienstagabend erleichtert verkünden: „Alle 16 Tests sind negativ.“ Der Hygienebeauftragte kontrolliert die Tests jedes einzelnen Spielers auf deren Smartphones und trägt das Ergebnis in einer Liste ein. So kann der Verein dokumentieren, dass nur negativ getestete Spieler am Training teilgenommen haben. Noch durfte allerdings nicht der komplette Kader des Saarlandligisten auf das Spielfeld. „Die drei Spieler von uns, die aus Frankreich sind oder dort wohnen, müssen sich noch ein wenig gedulden“, berichtet Gillet. Zudem fehlte ein Akteur, der nach einem Besuch in seinem Heimatland noch in vorsorglicher Quarantäne ist.

Verzichten mussten die Spieler der SF Köllerbach nach dem Training auf eine heiße Dusche, die sich der ein oder andere bei vier Grad Außentemperatur und leichtem Schnee-Geriesel am Dienstagabend nach dem Training sicher gewünscht hätte. „Duschen wäre zwar eigentlich erlaubt, aber nur mit drei Spielern gleichzeitig“, erzählt Gillet. Um lange Wartezeiten bei immer noch kalten Temperaturen zu verhindern, entschied der Club, dass es besser ist, wenn die Akteure deshalb direkt nach dem Training nach Hause fahren.

 Thomas Bettinger von der Spvgg. Quierschied.
Thomas Bettinger von der Spvgg. Quierschied. Foto: Heiko Lehmann

Sportlich begann die erste Einheit der SF Köllerbach mit Passübungen. Als diese absolviert waren, erklärte Trainer Vogtland: „Die Bälle kommen jetzt weg, holt die Laufschuhe raus.“ Einigen Spielern dürfte da kurz der Schreck in die Glieder gefahren sein. Spätestens beim Blick auf das Grinsen im Gesicht des 31-Jährigen dürften sie aber schnell gemerkt haben, dass diese Ankündigung nicht ernst gemeint war.

Statt mit Läufen ging es mit einem Koordinations-Parcours weiter. Anschließend standen sich zwei Mannschaften 30 Minuten in einem Abschluss-Spiel gegenüber. Mit Vogtland in einer ungewöhnlichen Rolle: Da mit Moritz Bohnenberger nur einer der etatmäßigen Torhüter der SF Köllerbach zur Verfügung stand, ging der Außenbahnspieler zwischen die Pfosten. Eine Zweitkarriere als Torwart strebt Vogtland nach dieser Erfahrung nun aber definitiv nicht an: „Ich habe eher weniger Glanzparaden gezeigt, sondern eher mal einen Rüffel für meine Leistung bekommen“, erzählt der Übungsleiter, der im Sommer als hauptamtlicher Trainer ins Nachwuchsleistungszentrum des Regionalligisten SV Elversberg wechselt (wir berichteten) – und lacht.

 Jan Berger vom SV Auersmacher.
Jan Berger vom SV Auersmacher. Foto: Heiko Lehmann

Bei den SF Köllerbach trainiert nicht nur der Saarlandliga-Kader. Am Mittwoch waren auch die „Alten Herren“ in einer Übungseinheit am Ball. Am Donnerstag kickten die zweite und dritte Mannschaft. „Das Interesse ist riesengroß. Sogar aus der Dritten haben sich 18 Spieler angemeldet“, sagt Gillet.

Während die Köllerbacher schon trainieren, möchte der Ligakonkurrent Spvgg. Quierschied an diesem Freitag zum ersten Mal nach der Zwangspause auf dem Spielfeld stehen. „Wir haben dazu eine Teststrategie entwickelt. Ab nächster Woche ist zwei Mal wöchentlich ein Training geplant“, berichtet Trainer Thomas Bettinger.

 Martin Peter vom SC Halberg Brebach.
Martin Peter vom SC Halberg Brebach. Foto: Andreas Schlichter

Jan Berger, Trainer des SV Auersmacher, der vor dem Saisonabbruch auf Rang eins der Saarlandliga lag, berichtet: „Wir wollen auf den Platz zurück, aber wir werden nichts überstürzen. Wir müssen auch noch abwarten, was mit dem Saarlandpokal ist.“ Der Saarländische Fußball-Verband plant, den Pokalwettbewerb für die Amateurvereine abzubrechen und mit den drei Proficlubs 1. FC Saarbrücken, SV Elversberg und FC Homburg zu Ende zu spielen (wir berichteten). Eine endgültige Entscheidung ist allerdings noch nicht gefallen. Berger sagt: „Wenn entschieden wird, dass der Pokal doch noch zu Ende gespielt wird, würden wir antreten. Wir wären also auf Abruf dabei.“

In der „Prüfungsphase“, ob wieder trainiert wird, befindet sich auch der FV Bischmisheim. „Wir sind aktuell am klären, wie man den Trainingsbetrieb wieder aufnehmen kann. Ein Training mit tagesaktuellen Schnelltests halte ich im Amateurbereich für sehr schwer umsetzbar. Bei der momentanen Situation ist die Verantwortung und der Aufwand noch zu groß“, erläutert Trainer Stephan Otte. Und er ergänzt: „Wir sind im Austausch und wollen uns spätestens Anfang nächster Woche nochmal über eine Videokonferenz besprechen.“

 Frank Seibert vom SV Saar 05 Saarbrücken.
Frank Seibert vom SV Saar 05 Saarbrücken. Foto: Andreas Schlichter

Beim amtierenden Vizemeister SC Halberg Brebach plant man keine Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs. „Ich denke, aufgrund der Corona-Zahlen ist diese Möglichkeit spätestens in zwei Wochen ohnehin nicht mehr gegeben“, sagt Trainer Martin Peter, „wir planen stattdessen eine verlängerte, acht- oder neunwöchige Vorbereitung auf die neue Saison.“

Da die aktuelle Runde beendet ist, will auch der SV Saar 05 Saarbrücken erst wieder trainieren, wenn die Vorbereitung auf die Saison 2021/2022 ansteht. „Sportlich macht es keinen Sinn, jetzt wieder anzufangen. Das ist auch mit dem Trainer-Team und den Verantwortlichen so besprochen, dass wir da mit den Aktiven nicht mehr tätig werden“, berichtet der Vorsitzende Frank Seibert.

 Bernd Eichmann vom TuS Herrensohr.
Bernd Eichmann vom TuS Herrensohr. Foto: Heiko Lehmann

Ähnlich sieht es der TuS Herrensohr. Dort hält man vor allem die tagesaktuelle Schnelltests für nicht durchführbar. Deshalb ist noch unklar, wann der TuS wieder aufs Feld zurückkehrt, erklärte Trainer Bernd Eichmann, der hierzu auch Rücksprache mit Abteilungsleiter Sebastian Richter hielt.