1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Landeshauptstadt

„Wir sind die Fahrschule für die Kunst“

Museumsdirektor Roland Mönig : „Wir sind die Fahrschule für die Kunst“

Für Museumsleiter Roland Mönig gehört Kunst zum Leben dazu. Eines seiner Lieblingsmuseen ist das Musée Marmottan in der französischen Hauptstadt.

Mit dieser Frage tut er sich etwas schwer. Die Frage, welches denn sein Lieblingsmuseum sei, das er außerhalb seiner Funktion als Museumsdirektor gerne besuche. „Das Wandern durchs Museum wird auch ein bisschen zur Berufskrankheit“, sagt Roland Mönig: „Man hat irgendwann so viel gesehen, dass sich da die Perspektiven sehr verschieben.“ Es lohne sich zwar selbstverständlich immer in die großen bekannten Museen wie den Louvre oder die National Gallery in London zu gehen. „Aber für mich sind heute eigentlich die Museen am Schönsten, die abseits der Hauptlinien liegen“, sagt er. Doch spontan fallen ihm zu viele ein, um sich auf ein oder zwei festzulegen.

Roland Mönig, 51 Jahre alt, groß, schlank, weißgraues Haar, ist seit knapp vier Jahren Direktor des Saarlandmuseums und des Museums für Vor- und Frühgeschichte. Außerdem ist er „Kunst- und Kulturwissenschaftlicher Vorstand“ der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Seine größte und wichtigste Aufgabe in dieser Rolle momentan: die Eröffnung der Modernen Galerie im November dieses Jahres. Baulich ist sie fertig, genug zu tun gibt es trotzdem noch. Das Museum mit einer Ausstellungsfläche von insgesamt rund 5000 Quadratmetern werde komplett neu eingerichtet, die Sammlung ganz neu konzipiert. Vieles müsse beachtet werden, von der Restaurierung verschiedener Werke bis zur Koordinierung der Klimatechnik, dass die Bilder im Sommer „nicht ins Schwitzen kommen. Das ist ein sehr intensiver Sommer für uns“, sagt er.

Doch durch diese Erweiterung habe das Museum endlich die Chance, seine Möglichkeiten voll auszuspielen und größere Teile der Sammlung auszustellen. Denn wie Roland Mönig sagt, sei die Moderne Galerie im Umkreis von 150 Kilometern die wichtigste Sammlung für die Kunst vom Impressionismus, also der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, bis heute.

Auch als er noch in Bochum studiert habe, habe er die Moderne Galerie bereits als eines der schöneren Landesmuseen gekannt. Mönig kommt aus Bochum, hat dort 1994 promoviert, mit einem Thema an der Schnittstelle von Kunstgeschichte und Germanistik. Knapp 17 Jahre half er das Museum Kurhaus Kleve zu prägen, ganz zu Beginn, bei der Eröffnung 1997 als Volontär, später sogar zwei Jahre als kommissarischer Leiter.

Die Kunst, nicht nur die Bildende, sondern auch die Literatur und die Musik, gehöre für ihn unmittelbar zum Leben dazu. „Künstler helfen uns, die Welt mit anderen Augen zu sehen, mit anderen Ohren zu hören“, sagt er. Die Welt nicht nur intellektuell, sondern auch emotional anders zu verstehen. „Ich glaube auch, dass Kunst eine wichtige Aufgabe in der Gesellschaft hat, weil sie für etwas steht, das man nicht wägen und nicht messen kann, aber dennoch in der geistigen Entwicklung einen messbaren Effekt hat.“

Deshalb sieht er auch das Museum in der wichtigen gesellschaftlichen Rolle, Kunst für Menschen zugänglich zu machen, ihnen zu vermitteln was Kunst bedeutet. „Wir sind die Fahrschule für die Kunst“, vergleicht er. Jede Altersstufe könne dabei unterschiedlich für die Kunst begeistert werden, von der Vorschule bis zum Seniorenheim. „Und ich finde auch, dass Kunst ein Breitensport sein kann“, sagt Mönig. Deswegen müsse auch für die Eröffnung geplant werden, welche Programme zu welchen Kunstwerken vermittelt werden und welche Werke für welche Zielgruppe interessant sind.

Nach einem Rundgang durch den Neubau der Modernen Galerie, wo auch am Nachmittag noch an einer neuen Installation gearbeitet wird, hat er sich dann schließlich entschieden. Zwei Museen nennt er, die Frick Collection in New York und das Musée Marmottan in Paris. Speziell das Museum in New York sei ein „zauberhafter Ort abseits des Trubels, an einem Ort, an dem es viel Trubel gibt“.  Und gerade das sei eben so spannend, Museen, die nicht so sehr im Fokus stehen. „Das sind für mich die, die noch Entdeckungen bieten und in die man sich vielleicht in besondere Weise verliebt“, sagt er.