Die Liebe zum Verborgenen

Carl Büch war Natur- und Heimatkundler, er war Maler, Zeichner, Dichter, Fotograf und Geisteswissenschaftler. Er arbeitete bei einer Bank und führte mit seiner Frau eine Wäscherei und Färberei. Und er war „eine tragische Figur“, schreibt Friedrich Peter Wilhelm in seinem Buch über den Mann aus Gersweiler – und lässt durch den Buchtitel: „Sonderling oder Genie?“ zunächst einiges offen.

Den Mann zu begreifen, war offenbar nicht so einfach. Zu sagen, wer denn dieser Carl Büch nun war, nicht weniger. "Eine Charakteristik des Herrn Büch ist schwierig, da er viele Gesichter hatte, die alle zu seiner Natur gehörten", schrieb Hans Bernhard Schiff, der Mann, nach dem die Landeshauptstadt Saarbrücken ihren Literaturpreis benannt hat.

Schiff begegnete Büch - wo sonst? - in Gersweiler . Dort war Schiff Lehrer. Und es sei vorgekommen, schreibt er, dass Büch ihn und seine Klasse "zu einem Spaziergang" abgeholt hat. "Er lehrte uns die Gersweiler Umwelt und vor allem den Gersweiler Wald kennen, entdecken", erinnerte sich Schiff. Weil er auch ab und zu mit Insekten in den Unterricht kam, um den Schülern die Biologie dieser Lebewesen zu erklären, hieß er bei vielen von ihnen "der Mücken-Carl".

Carl Büch habe ganz mit der Natur gelebt, sie sei "sein Laboratorium" gewesen, "sie konnte ihn von Tag zu Tag verändern", schrieb Schiff in seinem Text aus dem August 1996. Und in dem Text, den Friedrich Peter Wilhelm in sein gerade erschienenes Buch über Büch eingefügt hat, kommt er zu der Einschätzung: "In jedem Menschen erkannte er seinesgleichen wieder, die Menschen nicht unbedingt in ihm."

In der "Liebe zum Verborgenen" vermutet Hans Bernhard Schiff die Vielseitigkeit Büchs. Die zwischen Buchdeckel zu pressen, dürfte für Friedrich Peter Wilhelm und das Redaktionsteam des Heimatkundlichen Vereins Gersweiler-Ottenhausen, der das Buch herausgegeben hat, nicht einfach gewesen sein.
Verein wahrt das Erbe

Der Verein bewahrt seit seiner Gründung 1983 das Erbe Carl Büchs. Dessen Aufarbeitung der Ortsgeschichten von Gersweiler , Ottenhausen, Neu-Aschbach, Stangenmühle, Klarenthal, Krughütte und der näheren Umgebung sind bis heute Grundlagen der Vereinsarbeit.

Geboren wurde Carl Büch am 17. Dezember 1892 in Gersweiler . "Sein Interesse für Krabbeltiere", schreibt Wilhelm, sei bereits in der Kindheit geweckt worden - bei Spaziergängen über die Grenze nach Lothringen, wo die Großeltern wohnten. Er war offenbar nicht nur neugierig, sondern auch klug, bekam eine Empfehlung zum Gymnasium, ging zur Königlich-Preußischen Oberrealschule am St. Johanner Landwehrplatz. Die Schule heißt heute Otto-Hahn-Gymnasium.

Nach der Schule absolvierte Carl Büch 1908 eine Banklehre. Die durch den Ersten Weltkrieg unterbrochene Arbeit bei einer Bank beendete er in den 30er Jahren. Er betrieb mit seiner Frau eine Wäscherei und Färberei.

Am 3. März 1978 starb Carl Büch im Alter von 85 Jahren in einem Saarbrücker Altenheim. Hinterlassen hat er unter anderem unzählige Artikel zur Heimatgeschichte, Gemälde, Zeichnungen, Fotos, Gedichte, Erzählungen, Märchen, eine Steingut- und eine Glassammlung - und seine Insekten , nahezu 4000 Exemplare sollen es am Ende gewesen sein, schreibt Karl Ernst Kugler vom Heimatkundlichen Verein im Carl-Büch-Buch.

Büch, erinnert sich die Saarbrücker Kunsterzieherin Katja Mathieu im Buch, sei "ein Augenmensch" gewesen, "einer, der mit den Augen sammelt". Ein Multitalent also. Und einer, der sein Wissen durch Vorträge, Ausstellungen und Unterrichtsbesuche zu vermitteln versuchte. Und damit auch einer, der vielen Menschen nicht geheuer war.

Der Lehrer und Autor Hans Bernhard Schiff kam zu dem Schluss: "Jeder Stadtteil braucht solche Außenseiter, die mehr wissen als alle anderen."

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HintergrundFriedrich Peter Wilhelms Buch "Carl Büch - Sonderling oder Genie? - Leben und Werk eines Gersweiler Heimatforschers" ist vom Heimatkundlichen Verein Gersweiler Ottenhausen herausgegeben worden und kostet 19,80 Euro. Die Redaktion des 213 Seiten dicken und reich bebilderten Buches haben Volker Arnold, Julia Baltes, Winfried Jung, Christoph Küntzer, Karl Ernst Kugler, Klaus Klein, Markus Körbel, Hans-Hermann Körner, Edith Nest, Peter Nest, Jürgen Schneider und Friedrich Peter Wilhelm übernommen.Noch zu haben sind unter anderem auch folgende ältere Bücher des Vereins: "Heimatbuch 300 Jahre Gemeinde Klarenthal", 1962, "Jubiläumsschrift 325 Jahre Klarenthal", 1987, "Der lange Weg zum Wasserbewusstsein, Geschichte der Gersweiler Wasserversorgung", 1988, "Gersweiler in alten Ansichten, Band 2", 1989, "Chronik der Volksschule Ottenhausen", 1989, "Walter Neutzling: Die Glasmacherfamilie Raspiller", 1989, "Walter Neutzling: Die Glasmacherfamilie Herb", 1990, "Bilder der Zerstörung Gersweilers", 1990, "Die Gersweiler Wassernot, geschildert von Friedrich Kraus, Bürgermeister in Gersweiler 1874-1880", Peter Nest: "200 Jahre Fenner Glashütte - Das Glaskarré Clarenthal, Forbach, Carlsbrunn, Fenne", 2014.Buchbestellungen: Tel. (0681) 7 05 00, Tel. (06 81) 70 03 86, Tel. (06 81) 5 01 41 33, E-Mail hkv@hkv-gersweiler.de ols