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Das tiefe Loch will einfach nicht kommen

Die ehemalige Burbacher Pfarrerin Eva Pollmann nimmt sich jetzt viel mehr Zeit für sich, für Familie, Freunde und für ihre Bücher. Foto: Becker&Bredel
Die ehemalige Burbacher Pfarrerin Eva Pollmann nimmt sich jetzt viel mehr Zeit für sich, für Familie, Freunde und für ihre Bücher. Foto: Becker&Bredel FOTO: Becker&Bredel
Burbach. Ersehnt und gleichzeitig gefürchtet: der Ruhestand. Was passiert, wenn Menschen nicht mehr arbeiten müssen? Wie groß ist die Angst, nicht mehr zur Arbeitswelt zu gehören? Wir haben Saarbrücker gefragt, wie sie ihren Ruhestand erleben. Heute: die ehemalige Gemeindepfarrerin Eva Pollmann. Jennifer Siegler,Frank Bredel (beide SZ)

33 Jahre lang war Eva Pollmann Gemeindepfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Burbach. In dieser Zeit hat sie viel erlebt, zumal sie die erste Pfarrerin im Saarbrücker Stadtteil war. 2010 kam die Pensionierung. Was sie heute macht, haben wir sie bei einem Besuch zuhause gefragt.

"Das Presbyterium hat mich zur Pfarrerin gewählt. Ich habe mich natürlich gefreut, aber hatte auch Bedenken, wie die Gemeinde wohl eine Pfarrerin annehmen würde. Zu meinem Erstaunen wurde ich sehr gut aufgenommen. Man muss bedenken, dass der Pfarrberuf damals von Männern gekennzeichnet war", erklärt Pollmann. Geprägt wurde sie durch ihren Vater, der selbst den Pfarrberuf ausübte. "Dass ich einmal Pfarrerin werde, war nicht von vorneherein klar. Aber dass ich gerne mit Menschen arbeiten wollte, wusste ich schon sehr früh. Ich begann ein Theologiestudium. Meine erste Station war das Saarland", berichtet die gebürtige Düsseldorferin, die heute in Güdingen wohnt.

Ein Ereignis, welches die 68-Jährige nicht vergisst, war 1982/83 die Schließung der Drahtzieherei Georg Heckel. "Damals belagerten die Arbeiter die Produktionshallen, um die Schließung zu verhindern. Die Menschen hatten schreckliche Existenzängste. Ich habe die Arbeiter im Werk besucht und ihnen Mut zugesprochen. Es kamen sowohl Männer auf mich zu als auch ihre Frauen , die mit ihnen litten. Die Menschen verbrachten sogar Weihnachten im Werk. Unser geplanter Weihnachtsgottesdienst vor Ort wurde von der Werksleitung verboten. Also hielten wir ihn einfach draußen auf der Straße. Die war in kürzester Zeit voller Menschen, die mit der Schließung nichts zu tun hatten. Sie traten der Messe bei, um ihre Anteilnahme zu zeigen. Ein ergreifender Moment. Letzten Endes wurde das Werk geschlossen aber diese Zeit hat mich sehr bewegt", schildert sie.

Als Eva Pollmann in den Ruhestand ging, erzählte man ihr, sie würde nun erst einmal in ein tiefes Loch fallen. "Statt in ein Loch zu fallen, bin ich auf meinen Ellenbogen gefallen", verrät uns die ehemalige Pfarrerin lachend. Nach dem Sturz und einigen Arztterminen hatte sie zunächst keine Pläne. Für sie war es schön, sich Zeit für sich nehmen zu können, auch wenn sie immer gerne für andere da war. "Nach und nach kam die Arbeit zu mir. Mittlerweile treffe ich mich einmal im Monat mit den Frauen des Mütterkreises, eine Gruppe von älteren Frauen , die vor einigen Jahren entstand und sich immer noch hält. Zusammen hören wir uns Vorträge von Referenten über verschiedene Themen an. Zwei Mal im Jahr halte ich selbst Vorträge in der Runde", berichtet sie. Häufig besucht Eva Pollmann auch Kindergärten, in denen sie Geschichten für die Kinder vorliest. Manchmal wird sie auch gefragt, ob sie Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen gestaltet.

Auf Freunde und Familie legt sie sehr viel Wert. Mehrmals im Jahr fährt sie nach Magdeburg, Stuttgart, Marburg oder Bonn, um ihre Familie und Verwandten zu besuchen. Wenn die Güdingerin Zeit für sich hat, dann liest sie sehr gerne Bücher. Geschichtliche Ereignisse, Gedichte und auch Sachbücher . Klassische Musik von Brahms, Bach, Mozart und Maler tönt häufig aus ihrem CD-Spieler. Ihre beiden Lieblinge sind die schwarzen Katzenbrüder Moritz und Blacky, die sie vor dem Tierheim bewahrte. "Die beiden sind trotz ihrer elf Jahre immer noch sehr aufmerksamkeitsbedürftig, und ich kümmere mich sehr gerne um sie", sagt sie. Und vom tiefen Loch hat sie bis heute nichts gemerkt. > wird fortgesetzt