„Soviel Besinnlichkeit und zigtausend Menschen“

Auch wenn das Wetter nicht immer ideal war: Der Alt-Saarbrücker Weihnachtsmarkt entfaltete am Wochenende auch im 41. Jahr seines Bestehens seinen ganz besonderen Charme.

Festliche Blasmusik erklingt an der Schlosskirche. Musiker des Posaunenkorps der evangelischen Kirchengemeinde Herrensohr stimmen beim 41. Alt-Saarbrücker Weihnachtsmarkt auf die Festtage ein. Andächtig lauschen viele Marktbesucher. So auch Peter Arendt, der in einer Musikpause schwärmt: "So viel Besinnlichkeit und zigtausend Weihnachtsmarktbesucher ringsum - das gibt es nur hier". Arendt ist Stammgast auf dem Alt-Saarbrücker Markt, der erste Adventssamstag in Schlossnähe ein Pflichttermin. "Es gab hier schon immer etwas, das mich begeistert hat: Als Kind der Weihnachtszauber an sich, in meiner Jugend hat sich die ganze Clique hier zum Glühwein getroffen, und dieses Mal ist es eben diese wunderschöne Musik."

Auch für Ewald Blum hat mit dem Weihnachtsmarkt das große Kribbeln angefangen. Als Kulturamts-Mitarbeiter gehört er zum Organisationsteam. "Heute gibt es bei dieser Veranstaltung erstmals Austern und Champagner und das auch noch aus einem historischen Lieferwagen aus den 1950er Jahren", sagt er so voller Überschwang, dass man fast erwartet, dass er gleich in die Rolle seiner Bühnenfigur Elfriede Grimmelwiedisch schlüpfen möchte. Nach einem genüsslichen Zug an seiner Pfeife erläutert er, was es außerdem Neues auf dem jahrzehntealten Markt gibt: "Wir haben zwei Plätze im Bereich des Nanteser Platzes mit dazugenommen, so haben dieses Mal zirka 230 Stände Platz".

Besonders freut sich Blum, dass sich im Gebäude der Volkshochschule am Schloss diesmal 18 Kunsthandwerker eingerichtet haben. "Das ist ja ganz filigrane Arbeit, das dauert sicher unzählige Stunden", staunt dort Stefan Meier. Was ihm gefällt: bunte Glaskunst von Steffen Lang. Dessen Kunst: Buntes Glas erhitzen und daraus Blumen formen, die er zum Strauß oder zur Blumenwiese kombiniert.

Auf dem Schlossplatz und in den Gassen im Schlossviertel drängen sich derweil immer mehr Besucher. Etwas abseits fällt ein in blauen Plüsch gekleideter Nikolaus auf, der fröhlich aus einem gemütlichen Zelt winkt. Bei genauem Hinsehen wird klar, dass es sich eher um Frau Nikolaus handelt. Rita Baer, die Präsidentin der Groß-Saarbrücker Karnevalsgesellschaft, lockt mit "närrischem Kakao." Was den Schokotrunk so närrisch macht? "Ein Schuss Kokoslikör."

Neben vielen schönen Ständen mit Dekorationsartikeln, Schmuck, kuscheligen Schals, originellen Geschenken oder auch manchem Leckerbissen sind auch viele Vereine und Organisationen dabei. Neben den Nassauern zum Beispiel der Kiwanis-Club, der mittels Gebäck- und Glühwein Geld für soziale Projekte erwirtschaftet.

Ans Soziale denkt auch Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz, die an der Seite von Regionalverbandsdirektor Peter Gillo den Weihnachtsmarkt offiziell eröffnet. Die Flüchtlinge, die zu uns kommen, liegen ihr am Herzen. "Wir haben diese Menschen untergebracht, jetzt gilt es, sie zu integrieren in Arbeit, Kindergarten und Schule." Sie meint: "Dafür steht doch schließlich die Weihnachtszeit."

Wenn die Polizei über Grenzen geht

Die deutsch-französische Streife ist Tradition auf dem Weihnachtsmarkt

Christoph Groß und Aline Kirchhoff von der Polizei Alt-Saarbrücken und der Gendarm Gilles Raymond aus Farebersviller (blaue Jacke) gehen Patrouille auf dem Alt-Saarbrücker Weihnachtsmarkt. Foto: Becker & Bredel. Foto: Becker & Bredel

Ein alljährliches Ritual zum Alt-Saarbrücker Weihnachtsmarkt ist die Polizeistreife der Inspektion Alt-Saarbrücken in Zusammenarbeit mit der Gendarmerie aus Frankreich. So trafen sich auch am Samstagmorgen wieder Polizisten vor dem alten Rathaus in Saarbrücken, um für Sicherheit auf der Veranstaltung zu sorgen. "Wir kontrollieren die Flucht- und Rettungswege und achten insgesamt auf die Einhaltung des Sicherheitskonzeptes der Veranstaltung", erklärt Uwe Wilhelm, Dienststellenleiter. "Unsere Fußstreife besteht aus zwei deutschen Polizisten und einem Gendarm aus Farebersviller. Er ist unter anderem für die Verständigung notwendig, da wir auch viele französische Gäste haben. Zusammen werden die Drei den ganzen Tag Präsenz auf dem Weihnachtsmarkt zeigen und hierdurch auch Taschendiebstähle vermindern", erklärt er.

Gisela Alt und ihr Ehemann Alban sind froh, dass die Polizei präsent ist: "Das gibt uns einfach mehr Sicherheit. Es gibt immer Leute, die an die Taschen gehen und durch die Polizisten habe ich weniger Bedenken, dass etwas passieren wird. ", so Gisela Alt.

Dieser besondere Einsatz der Polizei findet jedes Jahr im gleichen Rahmen statt und ist keine besondere Sicherheitsvorkehrung auf Grund der Pariser Terroranschläge.