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Kleines Risiko gegen großes getauscht

Kleines Risiko gegen großes getauscht

In der unteren Lange Straße in Riegelsberg haben Anwohner die zehn Zentimeter hohen Bordsteine dank selbst gebauter Auffahrhilfen überwunden. Bis die Gemeinde einschritt – zwar ohne konkretes Argument, aber mit dem Recht im Rücken. Die Anwohner wehren sich.

Die Saarländer wissen sich zu helfen, wenn die Bordsteine vor ihren Häusern zu hoch sind: Damit sie ihr Auto ohne Schäden an Rädern und Fahrwerk in die Einfahrten bugsieren können, legen sie Auffahrhilfen in die Rinnen, meist Rund- oder Dreikanteisen. So sieht man es in zahlreichen Wohnstraßen im ganzen Land, und so machten es auch die Bewohner der unteren Lange Straße in Riegelsberg in den vergangenen Jahrzehnten. Schließlich sind die Bordsteinkanten vor den Anwesen 17 bis 29 (in Richtung Pflugscheider Straße) an den meisten Stellen neun bis elf Zentimter hoch. Mit einem Geländeauto kommt man leicht drüber, Kleinwagen und tief liegende Fahrzeuge tun sich schwer.

Nun teilte aber die Ortspolizeibehörde Riegelsberg per Hauswurfsendung allen Anliegern mit, dass das "Anbringen und Liegenlassen von Verkehrshindernissen im öffentlichen Verkehrsraum" nach Paragraf 32 der Straßenverkehrsordnung verboten sei. Unter Androhung einer Ordnungswidrigkeitenanzeige wurden die Haushalte gebeten, bis zum 1. Februar alle Gegenstände aus der Rinne zu entfernen. Außer dem Beharren auf die Vorschrift wurde kein sachlicher Anlass für diese Aufforderung genannt. Es ist kein Unfall und keine Gefährdung des Straßenverkehrs bekannt, die auf eine Auffahrhilfe zurückzuführen wäre. Es geht wohl ums Prinzip.

Anwohner berichteten unserer Zeitung, man habe ihnen gesagt, die Polizei habe die Auffahrhilfen beanstandet. Recherchen ergaben allerdings, dass das nicht stimmt. "Die Polizei " kümmert sich nicht um Rinnenbeschaffenheiten. Auf Nachfrage teilte Bürgermeister Klaus Häusle mit, dass womöglich auch "ein Polizist" die Sache ins Rollen gebracht habe. Wie auch immer, wenn ein Bürger solch einen Sachverhalt mitteile, dann sei die Ortspolizei auch gefordert, den ordnungsgemäßen Zustand herbeizuführen.

Die Anlieger haben tatsächlich ihre Konstruktionen weggeräumt, wenn auch Zähne knirschend und teilweise wütend. Man ärgert sich offen über eine Verwaltung, die "so etwas" von ihren Bürgern verlangt. Manche, wie Claudia Rollewitz, parken auf der Straße, andere, wie der kräftige junge Yannik Paris, räumen die 30 Kilo schwere Auffahrhilfe bei jedem Kommen und Gehen neu hin und wieder weg.
Ortstermin geplant

Nun ist das Risiko eines Schadens für die Allgemeinheit auf null gesenkt, für die Bewohner ist das Risiko eines Schadens am Auto aber massiv gestiegen - ein miserabler Tausch, der zu einer Protest-Initiative mit Unterschrift aller Betroffenen führte. Nächste Woche kommt der Bürgermeister mit seinen Mitarbeitern zum Ortstermin, da will man gemeinsam erörtern, wie alle Beteiligten aus dieser unglücklichen Geschichte herauskommen. Klar ist: Wenn die Gemeinde den Bordstein noch einmal zu verlegen hätte, dann wäre er nur sechs Zentimeter hoch.

Und es ist jedem Riegelsberger unbenommen, vor seinem Haus eine Bordsteinabsenkung gegen Bezahlung zu bestellen. Das sehen die Leute aber nicht ein. Zumal gerade in dem betroffenen Straßenabschnitt Straßenbauarbeiten laufen, bei denen erst kürzlich beschädigte Randsteine ersetzt wurden. - Und die Gelegenheit wurde nicht genutzt, entsprechend der schon länger zurückreichenden Forderung der Anlieger tiefere Randsteine zu setzen. Statt dessen wurden wieder hohe Randsteine eingebaut.