Neuer Bordstein nur für die „Upper Class“?: Riegelsberg und der Bordstein des Anstoßes

Neuer Bordstein nur für die „Upper Class“? : Riegelsberg und der Bordstein des Anstoßes

Bauamt erklärt, warum bei gleichen Sanierungsarbeiten in drei Straßen nur in einer die Bordsteinkanten erneuert wurden.

Fast abgeschlossen sind die umfangreichen und zusammenhängenden Sanierungsarbeiten in Kurzestraße, Langestraße und Pflugscheider Straße in Riegelsberg-Pflugscheid. Dass es dabei einen Unterschied bei den ausgeführten Arbeiten gibt, löste die Nachfrage eines Anwohners aus: Warum eigentlich seien die Bordsteinkanten nur in der Kurzestraße komplett erneuert worden, nicht aber in den beiden anderen Straßen? Tatsächlich fanden wir die Bordsteine in der Kurzestraße fast durchgehend, in den beiden anderen Straßen nur vereinzelt erneuert. Eine Ungleichbehandlung wegen prominenter Anwohner, wie der Beschwerdeführer mutmaßte? „Nein, sicher nicht, wir wollen bestimmt keinen schlechter behandeln“, sagte dazu gestern Hans-Jürgen Naumann vom Bauamt der Gemeinde Riegelsberg.

Der Grund für die ungleiche Bauausführung liege ganz einfach in der ungleichen Beschaffenheit der Gehwege: In der Kurzestraße sind auf den Gehwegen überwiegend Verbundsteine verlegt, und die bleiben unbeschädigt, wenn man die Randsteine austauscht – „die kann man leicht wieder schließen“. In der Langestraße dagegen seien die Gehwege überwiegend asphaltiert, und das fast „komplett neu“, nach kürzlichen Arbeiten der Energis. „Da macht man dann beim Austausch der Randsteine mehr kaputt als gut“ und verursache einen Flickenteppich, so Naumann, zumal die Grundsubstanz der Wege noch gut sei. So habe man nur in der Kurzestraße, dort, wo die Verbundsteine liegen, alle Randsteine austauschen lassen.

Nachdem gestern noch letzte Teerarbeiten anstanden, soll heute um die Mittagszeit – wenn alles nach Plan läuft – der gesamte Straßenkomplex wieder uneingeschränkt für den Verkehr freigegeben werden.

Die Kurzestraße auf einer Postkarte aus dem Jahr 1907 – Bordsteinkanten waren vermutlich noch kein großes Thema.

Die Straßensanierung dürfte auch ein altes Problem gelöst haben: Hohe, auch vor Hauseinfahrten nicht abgesenkte Bordsteinkanten hatten Autofahrern besonders in der unteren Langestraße deutliche Probleme bereitet. Auffahrhilfen in den Rinnsteinen – zwar vielerorts gebräuchlich, aber offiziell nicht erlaubt –  hatten Anfang 2016 für zusätzliche Verärgerung gesorgt, nachdem die Gemeindeverwaltung deren Eigentümern Ordnungswidrigkeitsverfahren angedroht hatte. Doch nun ist das Straßenniveau etwa vier bis fünf Zentimeter höher als bisher, wodurch die Bordsteinhöhe entsprechend „geschrumpft“ ist.

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