1. Saarland
  2. Saarbrücken

Regelmäßige Darmspiegelungen minimieren das Darmskrebs-Risiko

Früherkennung : Warum Vorsorgeuntersuchungen bei Darmkrebs so wichtig sind

Das Caritasklinikum St. Theresia in Saarbrücken setzt bei Darmspiegelungen auf Künstliche Intelligenz, was eine Früherkennung noch verlässlicher mache.

Die Entwicklung ist besorgniserregend. Seit Beginn der Corona-Pandemie scheuen viele Menschen den Gang zum Arzt. „Vor allem Vorsorgeuntersuchungen werden aus Angst oder Unsicherheit aufgeschoben. Das geht zu Lasten der Gesundheit“, warnt Professor Manfred Lutz. Der Chefarzt der Gastroenterologie am Caritasklinikum Saarbrücken wirbt anlässlich des in Deutschland jetzt wieder ausgerufenen Darmkrebsmonats März für die Vorsorge-Darmspiegelung. „Gerade beim Darmkrebs, der gut behandelbar ist, wenn er früh entdeckt wird, sind Vorsorgeuntersuchungen unerlässlich. Eine Darmspiegelung, bei der schon Vorstufen von Krebs erkannt werden können, ist schmerzlos und wird als Standardverfahren von jedem niedergelassenen Gastroenterologen angeboten“, sagt Lutz.

Zur Verfeinerung ihrer Untersuchungsmethoden bedient sich die Medizin immer neuer Technologien. So setzt das Caritasklinikum St. Theresia neuerdings bei der Darmspiegelung, auch Koloskopie genannt, Künstliche Intelligenz (KI) ein. Die KI unterstütze den Arzt beim Erkennen verdächtiger Veränderungen der Darmschleimhaut, wie zum Beispiel Polypen. Es sei enorm wichtig, die Polypen zu entdecken und bei der Koloskopie gleich zu entfernen, denn sie könnten sich später zu bösartigen Tumoren entwickeln. Mit Hilfe der KI-Software würden Bilder der Darmspiegelung bereits während der Betrachtung auf dem Monitor laufend analysiert und verdächtige Veränderungen angezeigt. „Dieses zusätzliche künstliche Auge ermüdet nicht und sieht noch zuverlässiger kleinste Stellen in der Darmwand, die selbst geübte Ärzte manchmal übersehen könnten. Eine weitere Qualitätsverbesserung in der Krebsvorsorge und -früherkennung“, erklärt Lutz im Gespräch mit unserer Zeitung.
Wird die Diagnose Krebs gestellt, so haben sich die Aussichten auf Heilung und die Therapien in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. „So wenig belastend wie möglich ist unsere Maxime. So können die meisten Tumore inzwischen endoskopisch entfernt werden. Auf einen großen Bauchschnitt wird möglichst verzichtet“, erklärt Professor Ralf Metzger, Chefarzt der Chirurgie am Caritasklinikum. Auch die Chemotherapie nach einer OP werde sparsamer eingesetzt. Es habe sich gezeigt, dass die Behandlungsdauer bei bestimmten Tumoren von sechs auf drei Monate verkürzt werden könne. Professor Lutz weist auf einen Paradigmenwechsel hin, der Betroffenen inzwischen neue Perspektiven bietet: „Auf Grundlage dessen, was wir heute wissen, können wir Therapien individueller gestalten. Denn jeder Krebs ist anders.“ Bei allen Patienten werde der Tumor inzwischen molekularbiologisch auf genetische Veränderungen untersucht. Diese Analyse biete die Möglichkeit, eine genauere Diagnose zu stellen und individuell „passende“ Medikamente auszuwählen. Lutz: „Es gibt keine Standardtherapie. Wir schauen uns den Patienten und seine Erkrankung sehr genau an und bieten sozusagen maßgeschneiderte Behandlungswege an.“