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Grenzerfahrungen
Grenzerfahrungen im Blickpunkt

Eine dreitägige Fahrradtour im Juni durch das lothringische Grenzgebiet gehört zum Projekt „Grenzerfahrungen“.
Eine dreitägige Fahrradtour im Juni durch das lothringische Grenzgebiet gehört zum Projekt „Grenzerfahrungen“. FOTO: picture-alliance/ dpa / Wolfgang Thieme
Püttlingen. Mehrgenerationenhaus Püttlingen startet ein Projekt für gemeinsames und generationsübergreifendes Erleben. Von Walter Faas

„Ein solches Projekt gab es im Saarland noch nie“, betont Gerhard Ballas, Vorsitzender des Landesseniorenrates. Er meint die Veranstaltungsreihe „Grenzerfahrungen“, die nun im Püttlinger Mehrgenerationenhaus (MGH)  vorgestellt wurde. Dabei geht es, in Zusammenarbeit mit Jo Leinen, Mitglied des Europäischen Parlamentes, weiteren Sponsoren, dem MGH-Team sowie ehrenamtlichen Helfern zum einen darum, auf die besondere Rolle des Saarlandes als Grenzregion aufmerksam zu machen und zum anderen darum, den Teilnehmern „geografische, psychologogische und körperliche Grenzen erleb- und erfahrbar zu machen.“


Hört sich akademisch an, Gabriele Marx, Leiterin des MGH, erläuterte die Hintergründe: „Wir wollen, altersunabhängig, in acht Modulen den Teilnehmern eine abwechslungsreiche Veranstaltungsreihe mit Vorträgen, Gesprächsabenden und vor allen Dingen gemeinsamen Exkursionen vermitteln.“

Eröffnet wird die Reihe am Donnerstag, 8. März, 18 Uhr, mit einer Lesung aus dem Buch „Marthe & Mathilde – eine Familie zwischen Frankreich und Deutschland“. In dieser Veranstaltung im Schlösschen, bei elsässischem Wein und Flammkuchen, werden das MGH-Team und die Modulbetreuer das Projekt „Grenzerfahrungen“ Interessierten noch einmal ausführlich vorstellen, sagt Marx.

Es folgt, am 19. März, ebenfalls im Schlösschen, ein Vortrag eines Mitarbeiters aus dem „Büro Jo Leinen“ mit dem Titel „Die Entstehung des modernen Europas nach dem Zweiten Weltkrieg“. Danach geht es, am 14. April, zum ersten Mal an die körperlichen Grenzen, bei  einer gemeinsamen und geführten Wanderung in den Saargau mit Teufelsburg, Europadenkmal, Orannakapelle beziehungsweise dem „Maison Lorraine“ in Oberdorff. Schwerstes, aber auch hochinteressantes Modul der Veranstaltungsreihe dürfte eine dreitägige, ebenfalls geführte, Fahrradtour durch das lothringische Grenzgebiet mit Umrundung der Seenlandschaft um Puttelange-aux-Lacs sein. Übernachtet wird im Schlafsack auf einem Feldbett im Dorfgemeinschaftshaus Puttelange (Termin: 8. bis 10. Juni).

Ebenfalls nicht leicht werden dürfte das Erwandern des „Kasteler Felsenpfades“ unter Führung von Gerhard Müller vom Wander- und Unterhaltungsverein Edelweiß Püttlingen, der Termin ist am am 4. August. Neu am Projekt sei aber auf jeden Fall, dass sich Teilnehmer, denen einzelne Module zu schwer erscheinen, auch als Helfer einbringen können, betonte Marx: „Es besteht dann die Möglichkeit, sich beim Gepäcktransport zu engagieren, die Mittagsrast vorzubereiten, die Feldbetten aufzubauen oder sich in sonstiger Weise um die Verpflegung der Teilnehmer zu kümmern.“



Man merkt: Es geht bei dem Projekt, neben dem gemeinschaftlichen Erlebnis, auch um gegenseitige Rücksichtnahme, Verantwortung, Vertrauen. Letzteres kommt besonders beim Erlebnis-, Kreativ- und Mitmachabend an einem noch zu bestimmenden Termin im Oktober zur Geltung, wenn es darum geht, dass die Teilnehmer, auf freiwilliger Basis, persönliche Grenzerfahrungen in ihrem Leben schildern können. Davor, am 11. September, bietet das Projekt, auf Einladung von Jo Leinen, eine Tagesfahrt zum Sitz des Europäischen Parlamentes in Straßburg an.

Abschluss und Höhepunkt von „Grenzerfahrungen“ soll dann (eine bisher noch nicht terminierte) Berlin-Fahrt werden. Die Kosten für die Teilnahme an den Modulen eins bis sieben betragen 70 Euro. Die Teilnahmegebühr für die viertägige Berlin-Tour müsse noch kalkuliert werden, hieß es. Ebenfalls neu an dem Projekt sei, so Marx, die Möglichkeit, Stipendien zu vergeben. Es sei gelungen, Sponsoren zu finden, die das Vorhaben mit Spendengeldern fördern. Marx: „Wir wollen unter allen Umständen verhindern, dass die Teilnahme von Interessierten am Geld scheitert. Wer auf seiner Anmeldung das Feld ‚Stipendium prüfen!’ ankreuzt, mit dem werden wir vertraulich Kontakt aufnehmen, eine Lösung suchen und auch finden.“  Spendenbereite Menschen können anderen Teilnehmern auch ein Stipendium ermöglichen.

Auf Nachfrage der Saarbrücker Zeitung versicherte die Projektleiterin darüber hinaus, dass sich durchaus auch „Nicht-Püttlinger“ anmelden könnten. Marx: „Hier kommt es aber auf die Nachfrage an. Natürlich müssen wir Bewohnern unserer Stadt den Vorrang geben.“

Zum Abschluss fahren die Teilnehmer des Projektes „Grenzerfahrungen“ nach Berlin, hier das Brandenburger Tor.
Zum Abschluss fahren die Teilnehmer des Projektes „Grenzerfahrungen“ nach Berlin, hier das Brandenburger Tor. FOTO: dpa / Paul Zinken