Das Wichtigste war die Magie

Soll er wieder einen Christbaum kaufen, fragt sich SZ-Mitarbeiter Jürgen Kück. Und erinnert sich an vergangene Kindertage, als alles bescheidener war.

Weihnachten rückt näher. Soll ich wirklich wieder einen Baum kaufen? Die Kinder sind herangewachsen, und schon in den letzten Jahren hielt sich ihre Begeisterung in Grenzen. Ich frage sie. "Ja, vielleicht", höre ich, "wäre ja ganz nett, gehört doch irgendwie dazu." Eigentlich hatten sie, als Kinder ihrer Zeit, glaube ich, nie so ein intensives Gefühl von Zauber für diesen Abend des 24. Dezember wie ich in meiner Kindheit. Waren wir materiell arm? Im Vergleich zu heute schon. Obwohl auch heute noch viele Leute im Land arm sind. Damals hatte man noch nicht viele Dinge, und die wenigen, die man besaß, wurden als sehr wertvoll angesehen.


Tage vor Heiligabend war ein Zimmer abgesperrt. Die Eltern flüsterten oft miteinander. Alles wurde geheimnisvoll, und am Nachmittag des 24. stieg die Spannung. Sogar die Büsche und Bäume draußen waren voll Erwartung. Nein, es ging nicht um Geschenke. Es war, als ob der Tag immer dichter werden würde, gegen Abend schwerer, ernster und ganz neu. Mir schien, alles verharrte wie verzaubert. Christkind , Lichterfest, Weihnachtsmann - das war mir egal. Wichtig war der Zauber des Abends, die Magie . Dann erklang ein Glöckchen, die Tür ging auf, "O du fröhliche" erklang von einer Schallplatte, glückliche Tränen in den Augen der Eltern, sanftes Licht von Kerzen am Baum, darunter ein paar Spielsachen, ein Buch, neue Schuhe. Glück, jedes Jahr, bis dann mit sieben oder acht Jahren der Zauber schwand.

Fröhlich? Nein, fröhlich nicht, eher feierlich, fast dramatisch für das Kind, gar nicht sentimental, unvergesslich. Vorbei. Ich werde keinen Baum kaufen, sondern ein paar Tannenzweige aus dem Garten holen. Ich werde mit meinen Kindern Geld spenden für arme Kinder.