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Jamaika-Koalitionen in zwei Saarbücker Bezirksräten.

Kommende Woche werden die Bezirksbürgermeister gewählt : Saarbrücker Personalkarussell dreht sich

Daniel Bollig bleibt Bezirksbürgermeister in Halberg. Ralf-Peter Fritz wird neuer Bezirksbürgermeister in Dudweiler.

Wenn Daniel Bollig und Ralf-Peter Fritz sich an Jamaika erfreuen, sind sie nicht in der Karibik, nicht mal in Gedanken. Zumindest nicht in diesen Tagen. Jamaika, das ist das, was den einen der beiden Männer fünf weitere Jahre im Amt hält, und den anderen ins Amt bringt. Beide CDU-Kommunalpolitiker werden aller Voraussicht nach kommende Woche mit den Stimmen eines sogenannten Jamaika-Bündnisses, also mit den Stimmen von CDU, Grünen und FDP, zu Saarbrücker Bezirksbürgermeistern gewählt. Bollig im gut 25 000 Einwohner zählenden Bezirk Halberg, Fritz im gut 27 000 Einwohner zählenden Bezirk Dudweiler.

Gestern haben CDU, Grüne und FDP ihre Bündnisvereinbarung für die kommenden fünf Jahre im Bezirksrat Dudweiler unterzeichnet. Für den Bezirksrat Halberg werde es so eine schriftliche Vereinbarung vermutlich nicht geben, sagt Bollig. „So wie es aussieht, ist meine Wahl aber gesichert“, sagt er. Man arbeite im Saarbrücker Osten parteiübergreifend gut zusammen. „Viele Dinge, die uns wichtig sind, haben wir schon im Konsens im alten Rat auf den Weg gebracht“, erklärt Bollig.

Stefan Brand Foto: CDU
Daniel Bollig Foto: Robby Lorenz
Alexander Schrickel Foto: Björn Heib
Isolde Ries Foto: SPD-Landtagsfraktion/Tom Gundelwein
Ziehen in Dudweiler an einem Strang, von links: Xenia Löckmann (Grüne), Ralf-Peter Fritz (CDU) und Annabelle Sonntag (FDP) Foto: BeckerBredel

In den Stadtbezirken Mitte (knapp 97 000 Einwohner) und West (knapp 33 000 Einwohner) ist die Lage noch unübersichtlich. Im Bezirksrat West will die Landtags-Vizepräsidentin Isolde Ries Bürgermeisterin werden. Eine Jamaika-Koalition hat dort keine Mehrheit. Vor fünf Jahren kam SPD-Bezirksbürgermeister Claus Theres mit den Stimmen seiner Partei und der Linken ins Amt. Vor allem durch Verluste der SPD von acht Prozentpunkten, reicht die Mehrheit für Rot-Rot aber nicht mehr.  Ries konnte noch kein festes Bündnis mit Linken und Grünen schmieden. Als Spitzenkandidatin der immer noch stärksten Partei, erhebe sie aber Anspruch auf das Amt. Sie werde kommende Woche im Bezirksrat kandidieren. „Wie es ausgeht, sehen wir dann“, sagt Ries.
In Mitte fallen die Entscheidungen am Wochenende. Die Grünen, die stärkste Partei sind, verhandeln parallel mit CDU und SPD.  Sie wollen den 26 Jahre alten Mathematik- und Geschichtsstudenten Alexander Schrickel zum ersten grünen Bezirksbürgermeister machen. Sollten CDU und SPD zu einem Bündnis bereit sein, werde man am Sonntag entscheiden, mit wem man zusammenarbeiten wolle, sagt der Grünen-Ortsvorsitzende Patrick Ginsbach.
Es gibt aber noch eine Alternative zu Grün-Schwarz oder Grün-Rot. Auch CDU und  SPD verhandeln miteinander. Stefan Brand (CDU) und Thomas Emser (SPD) würden sich, falls man sich einig wird, die Amtszeit als Bezirksbürgermeister teilen. Auch da soll am Wochenende eine Entscheidung fallen. Mehr Zeit zum Verhandeln bleibt nicht, denn die Bezirksbürgermeister müssen in den konstituierenden Sitzungen der Bezirksräte gewählt werden – und die sind am Mittwoch beziehungsweise Donnerstag kommender Woche.
Zwei Jamaika-Bündnisse und womöglich eine schwarz-Grüne Zusammenarbeit – wäre das ein Signal, dass CDU; Grüne und FDP auch im Saarbrücker Stadtrat koalieren? Da sei noch alles offen, sagen sowohl der Grüne Ginsbach als auch der CDU-Bezirksvorsitzende Alexander Keßler. Ob die bisherige rot-rot-grüne Koalition weitermacht (wofür SPD und Linke werben) oder es zu einem Jamaika-Bündnis kommt, scheint offen. Keßler kann sich auch vorstellen, dass CDU und SPD eine Koalition bilden. Im Stadtrat gibt es anders als in den Bezirksräten keinen Zeitdruck. Erst nach der Sommerpause ist wohl klar, mit welcher Mehrheit der neue CDU-Oberbürgermeister Uwe Conradt nach seinem Amtsantritt am 1. Oktober auskommen muss.