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„Impericon Never Say Die!“: Ein hübsch verschnürtes Metal-Paket

„Impericon Never Say Die!“ : Ein hübsch verschnürtes Metal-Paket

Heute in der Garage: Das „Impericon Never Say Die!“-Festival für Fans der härteren Musik.

In den letzen Jahren ist es zur schönen Gewohnheit geworden, bekannte und jüngere Bands aus einem Musiksektor zu einem Paket zu schnüren und auf Tour zu schicken. Das „Impericon Never Say Die!“-Festival mit Gruppen aus dem Hardcore- und Metalcore-Sektor, das am heutigen Donnerstag in Saarbrücken in der „Garage“ über die Bühne geht, ist ein Konzept, das schon seit zehn Jahren europaweit gut zu funktionieren scheint.

Dieses Jahr sind sieben Bands am Start, was bedeutet, dass man für nur 29,20 Euro Gruppen von „Polaris“ über „Sworn In“ bis „Deez Nuts“ erleben kann. Das heißt weiter, dass einerseits mit „Lorna Shore“ die erste Gruppe um 17.35 Uhr auf der Bühne stehen und die Spielzeit selbst für den Headliner „Emmure“ nie länger als 45 Minuten wird.

Andererseits zeigt das auf, dass es mit sehr kurzen Umbaupausen ein komprimiertes und knallhartes „Best Of“ der einzelnen Gruppen auf die Ohren geben wird.

Spieltechnisch und qualitativ unterscheiden sich Hardcore-Bands von heute nicht allzu sehr: Über die Jahrzehnte hat sich eine Spielkultur entwickelt, die internationale Standards einhalten muss, will man in dieser Liga halbwegs erfolgreich mitmischen.

„Lorna Shore“ aus New Jersey besticht zum Beispiel aus einer Kombination aus Growl-Gesang, vielen Breaks und filigranen Gitarrensoli. Und das ist nur das Niveau der Auftaktgruppe.

„Kublai Khan“ überzeugt bei ihrem Metalcore mit sehr wuchtiger Bass- und Drum-Fraktion, worauf sich die geshouteten Vocals von Matt Honeycutt auftürmen. Und so ein Stück fährt wirklich wie „The Hammer“ auf den Kopf des Zuhörers nieder.

Hört man hingegen von „Chelsea Grin“ das Eröffnungsstück „Welcome Back“ von der CD „Self Inflicted“ aus 2016, wird man gleich von der Schnelligkeit, der absoluten Präzision und unendlichen Abfolge von Blastbeats des Drummers Pablo Viveros durchgeschüttelt. Und Sänger Alex Koehler? Erst noch flüstert er dir scheinbar etwas ins Ohr, dann schreit er dich mit voller Lautstärke an und lässt nicht eher ab, bevor der Song nicht zu Ende ist.

Dagegen klingen „Deez Nuts“ aus Melbourne – seit 2007 auf den Bühnen der Welt unterwegs – als Hardcoreband fast schon konventionell: Auf ihrer neuen CD „Binge And Purgatory“ marschieren sie stur geradeaus und bemühen sich um eine gewisse Eingängigkeit, wie man sie auch von langjährigen Erfolgsbands der Marke „Suicidal Tendencies“ her kennt. Bei den vier sticht eine gnadenlos sägende Gitarre und der hohe Rap-Anteil und Chorgesang hervor, was in diesem Fall die Wucht verstärkt.

Dass „Emmure“ aus New Fairfield, Connecticut, seit 2003 musikalisch aktiv sind, könnte der eheste Grund innerhalb des Großaufgebots an eher jungen Bands sein, dass sie den Abschluss des Festivals bilden, denn von der Originalformation ist nur noch Sänger Frankie Palmeri übrig. Gemäß ihrer neuen CD werden sie den Fans kompromisslos den Spiegel vorhalten: „Look At Yourself“!

Dieser hyperaggressiven und gnadenlosen Rockmaschine ist man schutzlos ausgesetzt, wenn man da nicht was entgegenstellt und selber mitmacht, sich wie wild gebärdet, tanzt und schreit. Und wenn man nach sechs Stunden schweißgebadet vielleicht am Bierstand steht und Flüssigkeit tankt, dann ist es auch wirklich gut.

www.impericon.com/de/impericon-never-say-die