Eventsamstag: „Laissez-faire“ in der Fußgängerzone

Eventsamstag : „Laissez-faire“ in der Fußgängerzone

Viele Elemente französischer Lebensart bestimmten den Eventsamstag in der St. Ingberter Innenstadt.

Einfach mal Fünfe gerade sein lassen, sich freimachen von schlechten Gedanken oder alles „laafe lasse“, wer wünscht sich das nicht öfter mal im Alltag. Vielen gelingt es nicht, doch die Saarländer mit ihrer geografischen Lage zu Frankreich haben sich das „laissez-faire“ von ihren französischen Nachbarn abgeschaut und schon lange verinnerlicht. Die Saarländer werden manchmal von Besuchern anderer Bundesländer dafür beneidet, wie sie auch wochentags vor den Gaststätten sitzen, sich unterhalten und sehr entspannt wirken.

Wo, wenn nicht hier, ist also das deutsche Pendant dieses besonderen Lebensgefühls so gegenwärtig, dass sogar ein Eventsamstag, wie am Samstag mit „laissez-faire“ in die Innenstadt lockte. Es war kein Halligalli auf den Straßen, keine Spielmöglichkeiten für Kinder, es ging dem Motto entsprechend eher etwas gemütlich zu. In der Kaiserstraße gab es einige Stände mit handgemachtem Käse vom Bauernhof, Schinken, Oliven und Leckereien aus südlichen Gefilden, um dieses sommerlich leichte Gefühl noch etwas auszudehnen und auch geschmacklich mit nach Hause zu nehmen. Bereits zur Mittagszeit genossen einige Passanten leichten Sommerwein, auch mal einen roten Hugo mit Erdbeeren oder einen Aperitif und hörten der Musik zu, die die Band „Les Frenchis“ vor der Alten Kirche zu bieten hatte. Chansons aber auch Rock 'n' Roll, französisch und englisch gemixt, wurden mit tollen Stimmen vorgetragen und sorgten, ganz unaufdringlich aber wirkungsvoll, für eine super Stimmung.

„Das ist wie im Urlaub“, meinten einige der Randgäste, die vor den Restaurants saßen oder sich an den Ständen kulinarisch verwöhnen ließen. Beim Angebot von Wolfgang Moser, der ausgesuchte Weine aus seinem Blieskasteler Geschäft „Genuss vom Feinsten“ nach St. Ingbert mitgebracht hatte, suchte man französische Tropfen vergebens. Er kredenzte ein paar besondere Rebsäfte, von der Mosel bis in den Bliesgau. Ein Sauvignon Blanc aus Reinheim ist Mosers Liebling und Geheimtipp. Auf das Motto des Tages „laissez-faire“ angesprochen und mit scherzhaft erhobenem Zeigefinger auf das Fehlen der französischen Standardweine, lacht er entspannt und erwidert nur: „Wir versuchen dieses lässig-leichte Lebensgefühl rüberzubringen und das geht auch auf unsere eigene Art“. Recht hat er und es funktioniert.

Natürlich gab es auch Gallettes und Crêpes, sogar aus einem VW-Bulli heraus serviert, aber auch Dinge, mit denen man seine Kindheit und Jugend verbindet und die nostalgisch stimmten. So wie an dem kleinen Zelt, an dem es „Latwerge wie früher“ zu kosten und kaufen gab und „Quetscheschlaegel mit Confiture de Mirabelles“. Vor einer benachbarten Damenboutique gab es nicht nur musikalische Tulpen aus Amsterdam, sondern noch viele Lieder mehr, die einen gleich beschwingter über das Pflaster gehen ließen. Die Akkordeonspielerin war die Mutter der Geschäftsinhaberin – eine klasse Idee. Außerdem wurde auf zwei Bahnen, zum vierten Mal organisiert von den „Outdoorern St. Ingbert“, ein Boule-Turnier angeboten. Trotz des vorangegangenen Unwetters waren die Bahnen relativ gut zu bespielen.

Spielen konnte man, wie jeden Tag, auch in der „Grünen Neune“ in der Ludwigstraße. Kinder und Erwachsene lieben das relativ neue Angebot gleichermaßen, aber Inhaberin Andrea Martin war nicht ganz glücklich damit, dass dieser Bereich der Fußgängerzone vom Stadtmarketing ausgespart und so stiefmütterlich behandelt wurde. Sie hatte extra für diesen Tag einen DJ engagiert, doch als sie in der Zeitung las, dass sich alle Aktionen auf die Kaiserstraße beschränken, sagte sie dem Musikmacher ab.

Trotz dieses kleinen Wermutstropfens kam der Eventsamstag bei den St. Ingbertern gut an, die auch über die Mittagszeit hinaus die Gelegenheit nutzten, bei Musik durch die gute Stube St. Ingberts zu flanieren – entspannt und mit einem Lächeln auf den Lippen.

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