Kolumne Unsere Woche : Es wird schon alles gut geh’n

Rituale braucht der Mensch. Und Gewohnheiten. Das ist wohl auch der Grund, warum so viele Leute die Fastnachtszeit nicht missen möchten. Wie die herrlichen Umzüge in unserer Region.

Die erste krasse Hürde ist genommen, die Rathäuser in unserer Region sind erobert. Oh, Wunder! Oder? Selbstredend decken sich die Bürgermeisterin in Mandelbachtal und die restlichen Herren im Chefsessel der Verwaltungen von St. Ingbert, Blieskastel und Gersheim sehr selten bis gar nicht mit den durchschlagenden Produkten des Unternehmens Heckler&Koch ein, um die illustre Narrenschar mit Grandezza zu vertreiben.

Nein, das tun sie nicht. Schon deshalb nicht, weil sie sich wohl freuen, mal über eine kurze Zeitspanne ihren Aktenbergen auf dem Schreibtisch Adieu zu sagen. Tut bestimmt gut, es verschafft ein wenig Luft. Dann sich doch gerne abführen lassen von marodierenden, kostümierten Horden, die sich spätestens am Aschermittwoch wieder eingekriegt haben und dem Alltag (notgedrungen) die Tür aufhalten.

Der Mensch braucht Rituale, er braucht feste Gewohnheiten in einer als mehr und mehr unsicher empfundenen Welt. Er braucht das, was die Heimat zu bieten hat. Dazu gehören auch und vor allem die Fastnachtsumzüge, mit denen wir von St. Ingbert bis Gersheim die Schönsten haben. Farbenfrohe wie lustige Gaudiwürmer mit unzähligen Gruppen und Wagen sowie Tausenden von Zuschauern am Straßenrand. Teils heftige Böen und vereinzelt Regen sind bislang gemeldet, doch nach Orkanstärke und Wegfliegen sieht es nicht aus. Es wird schon alles gutgehen die nächsten Tage.

Mal was anderes: Diese Woche war ich zum ersten Mal im ehemaligen Amtsgericht in Blieskastel. Und zwar im Sitzungssaal des vor knapp 70 Jahren errichteten Gebäudes. Der Saal blieb bislang unverändert. Holz an den Wänden, die wunderschönen alten Lampen hängen auch noch da. Alles raus – Resopal rein: Diesem Drang, der vornehmlich die Möbel-Mode der 1950er Jahren bestimmte, ist man hier nicht gefolgt. Und das ist gut so. Mit ein bisschen Fantasie kann man so vor sich einen noch vor Jahrzehnten wetternden Richter in Robe sehen, der die armen Sünder reihenweise gedachtelt, ergo zusammengefaltet, hat.

Gedachtelt wurden übrigens früher ausgelassen feiernde junge Leute von ihren Eltern, wenn sie nicht rechtzeitig von der Faasenacht zu Hause waren, um demütig ihr Aschenkreuz beim Klerus abzuholen. Muss ja nicht sein, es reicht doch schon, dass die Fastenzeit beginnt. Und sich das schlechte Gewissen wieder regt...