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Hexenspektakel in Rentrisch am Fetten Donnerstag

Kostenpflichtiger Inhalt: Narren in Rentrisch an der Macht : Hexen machen in Rentrisch mit dem Ortsvorsteher kurzen Prozess

Narrenschar stellt Dieter Schörkl vors Tribunal und entreißt ihm die Macht im kleinsten Stadtteil.

Während in den anderen Stadtteilen St. Ingberts bei den gestrigen Rathausstürmen beinahe „bis aufs Blut“ um den Machterhalt beziehungsweise die Machtergreifung gefeilscht und verhandelt wurde, entschied man sich in Rentrisch eher für eine XS-Variante. Das war aber vor allem einer Krankheitswelle geschuldet, die sogar die Oberhexe erwischte. Und so sprang die Tochter der ehemaligen Oberhexe ein, um Ortsvorsteher Dieter Schörkl am Vereinsheim des TuS Rentrisch das Leben schwer zu machen.

Gemeinsam mit ihren Mit-Hexen sei sie auf dem Besen hierher geflogen, wie Bettina Hoffmann sagte. „Um die Macht zu übernemme – bis no de Faasend dei Job se stemme.“ Seit sie Rentrisch mit ihrem Besen vor einem Jahr den letzten Besuch abgestattet hatte, habe sich viel getan. Neuer Kindergarten, neuer Platz fürs Dorffest, das Kulturhaus fertig renoviert, und dann hat sich noch eine Bügelstube angesiedelt. Sie zeigte sich zufrieden, dass der Spielplatz neu angelegt werde und ein Bouleplatz entstehe. Dem Ortsvorsteher gab sie mit auf den Weg: „Dann Tschüss mei Gudda, hall Dich fit – dann darfschde nochher noch e bissje mit.“

Der Angesprochene antwortete schörkllos, Verzeihung, schnörkellos: „Jetzt macht se wedder enner off ganz groß – ich frooh mich nur, wann werre ich die endlich los?“ Sollten die Hexen übernehmen, nehme er erst mal ein paar Tage frei zur Erholung. Denn: „Ich muss monatelang repariere – was ihr han kaputtgemacht in ener Woch regiere.“ Am besten sollten sie zurück an den Herd und ihren Männern auf die Nerven gehen. Er freue sich, wenn er bald weiter regieren dürfe. An seine Leidensgenossen gerichtet sagte er: „Off eich, ihr Schlipsknipser un Männerjoch – halle dorsch bis Aschermittwoch noch.“

Nach seinem Tribunal wurde er fachfraulich an einen Träger gefesselt. Doch der Vorschlag, ein gemeinsames Bierchen zu trinken, fruchtete, und so ließ man Dieter Schörkl kurz darauf bereits wieder frei. Einige Spenden für die kleine Machtprobe waren von Händlern und Gewerbetreibenden aus dem Ort gekommen, wie Geldhexe Traudel Lindegaard erfreut erzählte.

Der Ortsvorsteher erklärte noch, dass die zwei großen Spielgeräte hinter dem Vereinsheim bereits von der Stadt errichtet wurden und einsatzbereit seien. Das kleine Gerät werde noch versetzt, weil an dieser Stelle besagte Boulebahn mit Bundesmaßen entstehe. Mit der Errichtung soll im Frühjahr begonnen werden. Der Tisch mit Bank wird dafür ebenfalls noch an die gegenüberliegende Seite versetzt. Der Spielplatz ist öffentlich zugänglich und kann von allen Kindern genutzt werden.

Schon gefesselt bekam Rentrischs Ortsvorsteher Dieter Schörkl von den Hexen noch die närrischen Leviten gelesen. Foto: Stefan Bohlander

Zwei Rathausstürme stehen noch aus: An diesem Samstag wird in St. Ingbert-Mitte das Rathaus gestürmt. Angeführt von dem Fanfarenzug NKV Elversberg werden verschiedene St. Ingberter Karnevalsvereine und gutgelaunte Narren um 11.11 Uhr zum Rathaus ziehen, um den Schlüssel zum Verwaltungssitz zu erbeuten. Ebenfalls ab 11.11 Uhr wird in Oberwürzbach das ehemalige Bürgermeisteramt gestürmt, anschließend folgt der Schlorum in der Unterkirche bei den Knipsern.