Keine Tabus beim Kirchenkonzert

Weltliche Musik erreicht in der Kirche eine völlig neue Dimension. Diese Erfahrung machten die Besucher des Herbstkonzertes des Musikvereins Harmonie, der dafür immer die Ballweiler Pfarrkirche St. Josef auswählt. Das Publikum reagierte begeistert auf die Titelauswahl.

. Der Musikverein Ballweiler ist ein Zusammenschluss, der Wert auf Tradition legt. Dabei spielt nicht nur die Bewahrung von kulturellen Gepflogenheiten aus der Vergangenheit eine Rolle. Auch beim Verein selbst hat man so seine Dinge, an denen man gerne festhält. Dazu zählt beispielsweise, dass das zweite eigene Konzert eines Jahres, welches man im Ort spielt, immer in der Pfarrkirche St. Josef - und nicht wie beim Frühjahrskonzert in der Mehrzweckhalle - stattfindet. So war auch am vergangenen Sonntag das Gotteshaus in der Biesinger Straße das Mekka der örtlichen Kulturbeflissenen.

Und auch ein weiteres Mal kam man bei dieser Aufführung nicht an der Tradition vorbei: Das Jugendorchester (Leitung: Frank Hahnhaußen) machte den Anfang. Und das hieß dieses Mal Filmmusiken satt. "Conquest of Paradise", den Vangelis-Titel zum Kinofilm "1492 - Die Eroberung des Paradieses" hatte sich das Jugendorchester für den Einstieg ausgesucht. Amerika-Fahrer Christophorus Columbus entdeckte das Land nur durch Zufall und glaubte bekannterweise zunächst in Indien zu sein. Auch in Ballweiler gab es einen Zufall: Die Titelmusik aus "Forrest Gump", die man bereits beim Frühjahrskonzert spielte, fand sich auch dieses Mal im Programm.

Stimmung durch Soundtracks

Dass Titelthema der acht Folgen von "Harry Potter", der erfolgreichsten Serie vor "James Bond", kam getragen dramatisch daher. Für "The Liberty Bell", die Musik der TV-Serie "Monty Pythons Flying Circus" von John Philipp Sousa, erhielt der Nachwuchs "Bravo!"-Rufe und Zu-gabeforderungen. Das Stück sei kirchenuntypisch, hatte Moderator Frank Hahnhaußen gemeint. Dafür passte "Canticle of the Saints" von Ed Huckeby, welches das Große Orchester (Leitung: Sandra Pontius) zuerst zum Besten gab, besser in die Kirche. Der "Lobgesang der Heiligen" konnte mit einer Stelle beim "Phantom der Oper" jedoch nicht mithalten: dem lauten Schrei, als das Phantom "entdeckt" wird. Ganz so blutrünstig ging es bei "Fridericus Rex", dem Marsch zu Ehren der Friedrich des Großen, von Ferdinand Radeck nicht zu. Auch "Choreography" von Robert Sheldon erinnert wegen der massiven Klangelemente eher an "Die glorreichen Sieben", als an Balletttänze, wie eigentlich vom Komponisten gedacht.

Mit dem Medley "Let me entertain you" von Robbie Williams schaffte es das Große Orchester Kribbeln und Gänsehaut beim Publikum zu erzielen. Der Tiroler Marsch und "Gabriellas Song" (Letzteres von beide Orchester zusammengespielt) wurden die Zugabenwünsche erfüllt. Im Rahmen des Konzerts ehrte man Mitglieder und ernannte ein Ehrenmitglied. > Bericht folgt.

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