Landratswahl: CDU sieht historische Chance

Landratswahl: CDU sieht historische Chance

Im nächsten Jahr wählt der Saarpfalz-Kreis einen neuen Landrat. Mit Theophil Gallo steht der SPD-Bewerber schon seit geraumer Zeit fest. Jetzt stellt die CDU die Weichen. Innerhalb eines Monats soll die wichtige Personalie entschieden sein.

Bis zur Bundestagswahl haben die Christdemokraten ihre Entscheidung hinausgezögert, wer für den Landratsposten ins Rennen geht. Sie wollten erst abwarten, ob MdB Alexander Funk das Direktmandat verteidigen und für eine weitere Amtszeit nach Berlin gehen konnte. Nachdem dies geglückt war, müssen nun die Würfel fallen. Zwei Namen sind noch im Rennen: Peter Nagel und Ulli Meyer. Landräte werden im Saarland von der Bevölkerung gewählt. Jedenfalls im Normalfall. Im September 2011 war es im Saarpfalz-Kreis anders. Da verlängerte der Kreistag die Bestellung des volksnahen Amtsinhabers Clemens Lindemann (SPD) "bis maximal 2015". Ein aufwändiger Urnengang war entbehrlich geworden, weil sich außer Lindemann kein weiterer Bewerber fand. Auch die stärkste Partei im Kreistag, die CDU, hatte auf einen Kandidaten verzichtet, dafür allerdings einen politischen Handel mit Lindemann verabredet. Dieser sagte seinerzeit verbindlich zu, dass er seine letzte Amtszeit abkürzen werde. Dieser Zeitpunkt rückt nun mit Riesenschritten näher. Noch steht nicht fest, wann der Nachfolger gewählt wird. Vieles spricht aber dafür, auch diesen Urnengang noch auf den 25. Mai 2014 zu packen. An diesem Tag ist das Wählervolk ohnehin aufgerufen, diverse Kreuze zu machen. Die Europawahl und allgemeine Kommunalwahlen sind bereits angesetzt, ferner wird in Homburg ein neuer Oberbürgermeister gekürt.

Bislang ist bekannt, dass die SPD bei der Landratswahl mit dem Juristen Theophil Gallo (Bexbach) antreten will. Die Entscheidung der CDU steht jetzt bevor. Am 9. November, beim Kreisparteitag in Niederwürzbach, wollen 250 Delegierte ihren Kandidaten auf den Schild heben. Bis dahin möchte der Kreisvorstand unter Federführung von Finanzminister Stephan Toscani einvernehmlich die Weichen stellen. Toscani zur SZ: "Wir haben ein personelles Luxusproblem." Will sagen: Er hält Ulli Meyer wie Peter Nagel für hervorragend qualifizierte Bewerber. So oder so - Toscani ist überzeugt, dass die CDU "nach 30 Jahren Lindemann eine historische Chance" hat.

Peter Nagel (52) kam in Blieskastel zur Welt und wuchs dann in Reinheim auf. Nach dem Abi am Von-der-Leyen-Gymnasium studierte er in Saarbrücken Politikwissenschaft im Hauptfach, außerdem Volkswirtschaftslehre und Geschichte. Heute zeichnet Peter Nagel als Geschäftsführer bei der Industrie- und Handelskammer für den wichtigen Bereich Weiterbildung verantwortlich. In der Kreispolitik ist er seit vielen Jahren unterwegs. 1999 zog er in den Kreistag ein, wurde gleich CDU-Fraktionsvorsitzender und Erster Beigeordneter. Beide Ämter hat er bis heute inne.

Auch der etwas jüngere Ulli Meyer (39) verfügt bereits über viel politische Erfahrung auf verschiedenen Ebenen. Das Abi legte er am Albertus-Magnus-Gymnasium St. Ingbert ab, studierte dann in Saarbrücken und in Schweden. Der promovierte Jurist ist Ortsvorsteher von St. Ingbert-Mitte. Beruflich bekommt er in Saarbrücken hautnah die Landespolitik mit. Sein Schreibtisch steht in der Staatskanzlei. Dort leitet der Ministerialdirigent die Abteilung Haushalt und Personal. Das ist ein Job, der sogar noch eine Besoldungsstufe höher eingestuft ist als der spannende Landratsposten im Saarpfalz-Kreis.