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Ingo-Busfahrer in St. Ingbert streiken

Ingo-Busfahrer streiken : Busfahrer kämpfen für mehr Lohn

Die Saar-Mobil-Fahrer streikten in St. Ingbert. Doch zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber liegen noch Welten.

Rund 50 Busfahrerinnen und Busfahrer der Saar-Mobil GmbH haben am Mittwoch in St. Ingbert und Bexbach gestreikt. Die Gewerkschaft Verdi hatte zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Der Grund: Bereits am 9. Juli hat Verdi die Saar-Mobil GmbH zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Bis Dienstag hat das Unternehmen, das für den öffentlichen Nahverkehr im Saarpfalz-Kreis und weiteren Landkreisen im Saarland zuständig ist, keine Reaktion gezeigt.

„Wir haben unsere Forderungen übermittelt und Verhandlungswillen gezeigt“, sagte Christian Umlauf, zuständiger Verhandlungsführer bei Verdi für den Bereich Verkehr auf dem Rendez-vous-Platz in St. Ingbert. Um ihn herum etwa 30 Ingo- und Regio-Fahrer, die sich für bessere Arbeitsbedingungen stark machten. Ihr Protest richtete sich ausschließlich gegen jene Arbeitgeber, die seit 2016 keine Erhöhung mehr gezahlt haben. „Wir wollen doch nur eine anständige Bezahlung als Anerkennung für unsere Arbeit“, sagte ein Fahrer.

Für Gisbert Hurth, neben Arne Bach einer der beiden Geschäftsführer der Saar-Mobil GmbH mit Sitz in Püttlingen, kam der Streik tatsächlich unerwartet. „Das hat mich schon überrascht“, sagte Hurth, „und er ist meiner Meinung nach ungerecht.“ Zum einen hätten die Ingo-Fahrer von den jährlichen Tariferhöhungen von je zwei Prozent zum 1. Januar 2017 und 2018 profitiert, zum anderen sei schon mit dem 1. Januar 2016 die Wochenarbeitszeit von 42 auf 41 Stunden reduziert worden.

Die andere Hälfte der Fahrer, die über die Ausschreibung des Saarpfalz-Kreises Besitzstandsschutz hinsichtlich ihres früheren Tarifvertrages und ihrer Betriebsvereinbarung genießen, sagt Hurth, haben in der Tat noch keine tarifliche Anpassung erfahren. Dem Betriebsrat der Saar-Mobil habe die Geschäftsführung noch vor dem 9. Juli ein Angebot unterbreitet. Auf eine Antwort warte die Geschäftsführung bis zum heutigen Tag. Stattdessen der Streik.

Die ausnahmslos in der Gewerkschaft organisierten Fahrer fordern unter anderem ein Stundenentgelt in Höhe von 17 Euro brutto, 30 Tage Urlaub, Zuschläge für Wochenend- und Feiertagsdienste sowie für Spät- und Nachtarbeit. Weitere Forderungen sind eine Jahressonderzahlung und 750 Euro Urlaubsgeld. Für die Beschäftigten der ehemaligen Saar-Pfalz-Bus wird außerdem eine Einmalzahlung in Höhe von 1000 Euro und die dauerhafte direkte Übernahme der Tarifvertrag-Nahverkehr-Saar Erhöhungen gefordert.

Forderungen, die für Hurth nicht nachvollziehbar sind. „Die Busfahrer verdienen im Schnitt 13,20 Euro pro Stunde“, sagte Hurth. Eine Erhöhung auf 17 Euro käme einer Erhöhung um etwa 30 Prozent gleich. „In der Summe entsprechen die Forderungen einer Lohnerhöhung um fast 50 Prozent“, sagte Hurth.

Für Verdi und die Busfahrer geht es darum, „ein Zeichen zu setzen und unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen“, sagte Umlauf. Wohlwissend, dass vor allem die Fahrgäste vom Streik betroffen sind, wandten sich die Busfahrer in einem öffentlichen Brief an sie, in dem sie die Situation erklärten.

„Die Branche geht vor die Hunde“, sagte Umlauf, der sich wunderte, bei den Arbeitgebern auf taube Ohren zu stoßen. Denn die Probleme Personal zu bekommen seien offensichtlich und demnach so groß, dass bereits Fahrer aus dem europäischen Ausland, wie etwa Griechenland oder Spanien engagiert würden. Die Kollegen sind bereits jetzt am Limit. „Leute, die hier beschäftigt sind bewerben sich“, sagt Umlauf. Nicht etwa zu einem anderen Arbeitgeber, sondern um der Branche den Rücken zu kehren. Besonders attraktiv sei der Beruf für junge Leute zudem nicht. Viel Verantwortung und gleichzeitig schlechte Arbeitsbedingungen.

In vielen Gesprächen wurde deutlich, wie verärgert einige Busfahrer sind. Darüber, dass die Verantwortung nur von einem zum nächsten geschoben würde. Dass auch ihre Bezahlung unterschiedlich sei. So verdienten Regio-Fahrer etwa 300 Euro brutto mehr als Ingo-Fahrer. Besonders die sogenannten „geteilten Dienste“ seien eine Zumutung. In diesem Fall beginne der Dienst um 4 Uhr morgens und ende um 20 Uhr. Dazwischen müssten die Fahrer „irgendwo in der Pampa“ vier Stunden Pause machen. Zudem würden die wöchentlichen Lenk- und Ruhezeiten oftmals nicht eingehalten oder kontrolliert. So würden Fahrer in manchen Fällen zwei oder drei Wochen durchfahren, ohne einen Tag frei zu haben, nur um sich noch etwas dazu zu verdienen.

Deshalb seien sie auch heute hier: Für die Saar-Mobil-Beschäftigten. Um ernsthaft zu verhandeln. „Wenn keine Reaktion von Seiten des Arbeitgebers kommt, werden wir nicht um weitere Arbeitskampfmaßnahmen herum kommen“, sagt Umlauf. Doch diese folgte noch am selben Tag. Wie St. Ingberts Oberbürgermeister Hans Wagner erklärte, habe ihm Saar-Mobil-Geschäftsführer Arne Bach telefonisch mitgeteilt, zu Gesprächen bereit zu sein.