Industrie-Architektur trifft Kunst

St. Ingbert. Die sechsten Kunsttage in den Räumen des Beckerturms konnten schon zu Beginn mit einem Erfolg aufwarten

St. Ingbert. Die sechsten Kunsttage in den Räumen des Beckerturms konnten schon zu Beginn mit einem Erfolg aufwarten. Bereits bei der Vernissage am vergangenen Samstag tummelten sich rund 200 Besucher zwischen den Sudkesseln, um bei Häppchen und dem obligatorischen Glas Schaumwein dem Grußwort des Oberbürgermeisters Hans Wagner und der Musik der Band "C & H unplugged" zu folgen. "Mit so vielen Leuten hatten wir heute gar nicht gerechnet", zeigte sich Vanessa Hambach, eine der ausstellenden Künstlerinnen, überrascht. Natürlich freute man sich über jeden Gast, ob er wegen der Bilder, der Metallkunst, der restaurierten Möbel, des Schmucks, der präsentierten Filme oder der Führung durch den Sudturm gekommen war. Der Mix macht's. Genau das lieben die Künstler und die Besucher an der "Kunst im Beckerturm".Aufpassen, wo sie hintraten, mussten Besucher beim Rundgang mit Laudatorin Nicole Baronsky-Ottmann, denn die Ausstellungsräume befinden sich an einem ehemaligen Arbeitsort, an dem nicht alles begradigt und wie geleckt ist. "Das hier ist eine beeindruckende Kulisse, aber keine Kunst", richtete die Kunstexpertin den Blick auf die Umgebung, die erst durch die Farbtupfer und das Interieur auf Zeit so richtig in Szene gesetzt wird. Das macht den Charme der Veranstaltung aus, die es auch am nächsten Wochenende noch zu besuchen gilt. Und weil die Künstler, die ihre Ateliers meist unweit vom Ort des Geschehens auf dem Gelände des Innovationsparks haben, vom Projekt überzeugt sind, gelingt es ihnen auch immer wieder, neue "Gesichter" und deren Werke bei der Kunst im Beckerturm zu präsentieren. 2012 waren dies Margarete Stief, Helga Robert und Markus Jost, die sich mittlerweile in den Räumlichkeiten der ehemaligen Brauerei eingemietet haben und deren Ambiente "verfallen" sind.

Ganz egal, ob abstrahierte Formen und dunkle Farben einer Toscana-Landschaft, ein alter Kabinettschrank aus Kirschbaumholz, in dem bis zu 200 Arbeitsstunden stecken, Farbexplosionen, Schmuckstücke, Farbfeldmalerei, Skulpturen, Abstraktes oder Alltagsfotografie - das alles ging eine perfekte Symbiose mit dem Industriedenkmal ein und setzte es damit in ein neues Licht.

"Stolzes Design" gab es schon im Ausland zu sehen, tragbarer Schmuck aus ungewöhnlichen Materialien. Formen, die wie Edelsteine anmuten und doch keine sind. Schon während des einführenden Rundgangs fanden sich hier Interessentinnen ein, fachsimpelten oder probierten die dekorativen Stücke vorm Spiegel. Farbtupfer ganz anderer Art waren Norbert Dettweiler, der letzte Mitarbeiter der Brauerei Becker, der in knallgelber "Schaffbux" bei einer Turmführung vielfältige Informationen zu seinem ehemaligen Arbeitsplatz gab und sein früherer "Kollege", der ganz in Gelb vor dem Turm auf Besucher wartete. Es handelte sich um den A-li-Be-Bi-Bus, der sich als Rückkehrer von seiner schönsten Seite zeigte.

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